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Judith Holofernes versus BILD

7 Mar

«Judith Beheading Holofernes» by Caravaggio

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Die Handlung ist kurz erzählt: Werbeagentur von BILD, Jung von Matt, wendet sich an «Wir sind Helden» und bietet an, in BILD-Kampagne mitzuwirken. Judith Holofernes veröffentlicht auf Wir-sind-Helden-Blog sowohl Anfragebrief als auch ihre Absage. Beides hier. Dieser Blogeintrag bringt innerhalb kürzester Zeit so viele Seitenaufrufe, daß der Server vorrübergehend zusammenbricht; er entwickelt höchst virale Qualitäten. Das wiederum veranlasst Alf Frommer, selbst 13 Jahre in der Werbung und zuletzt als Creative Director tätig gewesen, unter seiner Internetidentität «synthie_und_roma» auf jetzt.sueddeutsche.de ein fiktives Antwortschreiben der Werbeagentur Jung von Matt zu veröffentlichen. Auch diese Aktion ist ein voller Erfolg und wird ungeprüft sogar von Nachrichtendiensten wie beispielsweise kress.de offiziell übernommen, wie BildBlog in seinem unterhaltsamen Beitrag «Und Du gehst Rüssel an Schwanz hinterher» berichtet.

War das etwa schon alles? Nein, die BILD veröffentlicht nun ihrerseits und ungenehmigt im Rahmen einer bezahlten Anzeige in der taz die ausführliche Absage von Judith Holofernes und bedankt sich bei ihr artig für die «ehrliche und unentgeltliche Meinung.» Judith Holofernes wundert es in einem taz-Interview, daß sich das Blatt auf diese Anzeige eingelassen habe und antwortet auf die Frage, ob sie nun ihrerseits die BILD verklagen wolle, nachhaltig entspannt: «Es ist ein ziemlich lahmer Versuch (von BILD; Anm. der Red.), ein Rückspiel zu erzwingen, weil man aus der ersten Runde nicht besonders glorios hervorgegangen ist. Aber ich sehe nicht ein, warum ich mich drauf einlassen sollte, wenn ich schon geduscht habe und mit meinen Leuten singend im Bus sitze.» So antworten Sieger.

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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(fast) geheime taz!

11 Jun

Fällt Dir eigentlich irgendwas auf? Nein? Das dachten wir uns bereits. Etwas neidisch auf die Tagebücher Hitlers, die Tagebücher Goebbels und den STERN, was? Und: Was heißt hier eigentlich “geheim”, wenn jeder die Gedanken Brunis zu Themen wie Trennungslinie der Liebe, Gurkengratin der Liebe, Fernsehengel der Liebe, Lichthupe der Liebe, Zwergpony der Liebe, Ralleystreifen der Liebe, Pfannkuchen der Liebe – Heute: Die Spanische Fliege, Radmutter der Liebe – Heute: Neptun taucht auf, Blütenmeer der Liebe – Heute: Gute Aussichten auf neue Pobacken, Handgranaten der Liebe – Heute: Gartenübungen vor dem Nato-Gipfel, usw. usf. in aller Wahrheit, Klarheit und Echtzeit bei Dir lesen kann?

Oder hast Du echte Probleme mit der Geheimhaltung? Falls ja, so könnten wir Dir den Kontakt zu einigen SpezialberlinerInnen bzw. SpezialwiesbadenerInnen herstellen, die in dieser Disziplin zwar auch keine sonderlichen SpezialperfektionistInnen sind, die aber die Grundregeln des Geheimhaltens dann doch um einiges eher begriffen haben als Du, Du (fast) geheime taz. Oder geht es Dir nach wie vor nur um eine möglichst kraftvolle Bekämpfung des Establishments – hier mit den Mitteln der paradoxen Interaktion auf erweiterter Metaebene? Oder ist Euch diese Art der schmackhaften und leicht verdaulichen Themenaufbereitung von Eurem vergleichsweise neuen Mitgesellschafter Kai Diekmann reingedrückt worden? Die Wahrheit? Die Wahrheit!

Viele Grüße von Deinem Meerschweinchenreportwahrheitministerium