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Weegee

16 May

Reportagen eines legendären Photographen 1935-1960. 388 Seiten mit 335 ganzseitigen Duoton-Fotos, 23 x 29 cm,1982, München 2000, brosch., statt bisher EUR 39,80 nur noch EUR 19,95

Weegee war das Pseudonym von Arthur Fellig (1899 1968), dem legendären New Yorker Pressefotografen der 1930er und 40er Jahre. Seine Fotografien – viele sind in der Nacht entstanden – zeigen die Schrecken von Armut, Schmutz und Gewalttätigkeit, es sind Bilder von Leben, Liebe und Tod in der Großstadt, von Tätern und Opfern, von Bettlern, aber auch von Vergnügungen wie Shows und Konzerten und von kleinen und großen Stars. Keines der Bilder läßt den Betrachter unberührt.

Weegees Selbstverständnis läßt sich am besten von seinem Urhebervermerkstempel ableiten:

Fotos von folgenden Seiten: Fotocursus Den Haag, Static Kiber Pipa, La Lettre De La Photographie, Sharon Arts Center und Wikipedia.

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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Jeff Koons: Das Werk und seine Skizze

5 Nov

Ob sich Jeff Koons bei der Anfertigung seiner Skizze (siehe unten) gerade auf einem spirituell anmutenden Jackson-Pollock-Trip befand, das können wir schlecht sagen – wenn wir ihn nicht fragen. Aber Fragen, das kann ja schließlich jeder. Spekulieren übrigens auch. Aber Spekulieren ist eben schöner, unterhaltsamer, verwegener und auch irgendwie gefährlicher – man blicke nur mal auf die Wallstreet, wobei dort nicht mehr so eifrig aus dem Fenster gesprungen wird, wie das noch Anfang des 20. Jahrhunderts der Fall war, als die große Weltwirtschaftskrise hip war. Deshalb werden wir auf den von einem Weltklassekünstler gestalteten BMW, der – à la Weegee – eine ergonomisch in das Autodach eingearbeitete Brokerleiche zum Gegenstand hat, wohl noch ein bißchen warten müssen.

Übrigens, wußten Sie, das Nicht-Abwarten-Können als ein Zeichen für die Zugehörigkeit niederer sozialer Schichten gilt? Habe ich mal irgendwo gelesen. “Man sollte eben nicht so viel lesen” wird sich nun ebenfalls irgendwo ein Sozialarbeiter sagen. Oder eine Sozialarbeiterin. Oder alle beide. Und falls es irgendwo eine SozialarbeiterInnen-WG mit 50 Zimmern oder so, aber nur mit einem einzigen Internetzugang, geben sollte, dann kann man sich mal überlegen, welchen Impact dieser Artikel möglicherweise auf die vorstehend beschriebene Berufsgruppe haben mag. Sie werden sagen “Stimmt im Prinzip schon! Oder auch nicht. (Hier werden sich die Geister scheiden. Die eine Hälfte geht nach diesem Disput in den Untergrund und die andere sucht sich einen vermögenden Mann. Nur eine kleine erlesene Minderheit unter ihnen wird Jacobs-Krönung für einen guten Kaffee halten und selbstständig einen Bausparvertrag abschließen.) Aber die Gummipuppe da unten muß auf jeden Fall weg – das ist diskriminierend. Und widerlicher Sexismus sowieso.”

Können Sie sich eigentlich noch an die Sendung “sowieso” erinnern? Ich mich leider nur noch an den Titel. Dafür weiß ich aber wenigstens, wer damals “Na sowas!” moderierte: Thomas Gottschalk. Und bei “Plumpaquatsch” war Hanni Vanhaiden unterwegs. Bei Wikipedia steht allerdings, es sei Susanne Beck gewesen; aber ich glaube, daß das nicht stimmt. Aber vielleicht sollte ich auch mal unter dem Suchbegriff der von mir bevorzugten Moderatorin nachschauen. Aha! Bei Wikipedia steht zu Hanni Vanhaiden u.a. zu lesen: “Es wird häufig fälschlicherweise angegeben, Vanhaiden wäre auch Moderatorin von ‘Plumpaquatsch’ gewesen, dies war jedoch Susanne Beck.” Und jetzt glaube ich, daß Susanne Beck möglicherweise ebenfalls die Sendung “Plumpaquatsch” moderierte, ich mich jedoch ziemlich präzise an Plumpaquatsch-Sendungen erinnern kann, die von Hanni Vanhaiden moderiert wurden. Anyway: Ich fand jedenfalls als Kind, daß der Name “Plumpaquatsch” ein schöner Name für einen Frosch und für eine Kindersendung sei. Es gab ja damals so erschreckend viele Kindersendungen, die von Erwachsenen gemacht wurden, die glaubten, ganz genau zu wissen, was Kinder wollen und so starksten die ModeratorInnen in Latzhosen über den Bildschirm. In Sendungen, die zum Beispiel “Das feuerrote Spielmobil” hießen. Vor den inzwischen ausgewachsenen Kindern von früher, die damals Sendungen, die “Das feuerrote Spielmobil” hießen, gut fanden, haben heute Menschen, die klaren Geistes und Verstandes sind, aus gutem Grunde Angst.

Jetzt aber blicken wir nicht auf Latzhosen oder die große Weltwirtschaftskrise der Goldenen 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts, sondern begnügen uns schön brav mit den schön farbigen Gummibärchenbrüsten, die die künstlerische Grundlage für Jeff Koonsens BMW-Gestaltung bildet. Denn wo ein Roy Lichtenstein auch noch post mortem mit mehreren 100 PS unterwegs ist, da darf ein Koons nicht fehlen. Das Auto als Objekt sexueller Begierde? You may ask Cicciolina (or Illona Staller) for a proper answer if you like but I can tell you: yes a car is sometimes to be seen as an Objekt der sexuellen Begierde. See?

Aber, was wir nicht sehen, ist, daß Jeff Koons früher tatsächlich an der Wallstreet sein Geld mit dem Verkauf sogenannter “Zero-Bonds” verdiente. Er war darin ungemein erfolgreich. Er wollte damals schon Künstler werden, wußte aber, daß er für speziell den Weg, der er als Künstler zu gehen beabsichtigte, vorher schon viel Geld benötigen würde. Dieses Geld holte er sich von der Wallstreet. Vor diesem Hintergrund finde ich den Umstand, das Koonsens BMW eben leider keine ergonomisch in das Autodach eingearbeitete Brokerleiche aufweist, als etwas inkonsequent. Am besten wäre es ja, er hätte sich selbst – à la Weegee – ergonomisch in das Autodach eingearbeitet. Es wäre für ihn ein krönender Abschluß seiner künstlerischen Schaffenskraft gewesen. Andererseits zeigt dieser Umstand aber sehr schön auf, daß eben auch ein Weltklassekünstler wie Jeff Koons nicht jeden Tag geistig voll auf der Höhe ist. Und das macht ihn wieder so ungemein menschlich und sympathisch. Finden Sie nicht?

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via: Studio 5555
Mit vielen und schönen Fotos von der BMW-Super-Vernissage