Archive | March, 2010

Reisefieber+Requiem=?

18 Mar

Im Reisefieber steht der Mensch
und er begeht, das weiß der Biber,
dann doch viel lieber, seine Ruhe-
pause (wie geht es weiter?)

Doch ein Bild weiter,
sitzt und schwitzt
ein wenig unheiter,
ein Produkt aus der Natur gepflückt –
die Partitur gezückt – und zart
verrückt auf seinen Knien:
man hatte ihn geliehen samt Bart
und ungeschickt verschickt
in einer Kiste, die so hart
und ungefedert,
deshalb ward er abgeledert,
innerlich gerädert und auch geteert;
irgendwie: es war verkehrt
und auch die Welt, die ihn gemacht,
genormt, geformt und ausgelacht:
ein unmerklich Zerhackter
samt seltsamen Charakter.

(Frage: Von wem ist hier die Rede? Antwort: Mozart. Vorstehendes Foto dient nur der Sinnestäuschung meiner Leserinnen und Leser. Sie sind routiniert genug, um zu wissen, daß die abgebildete Person, die im wirklichen Leben vermutlich ein Sachbearbeiter ist, mit dem Text nichts zu tun hat. Meistens jedenfalls nicht.)

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Vom Reifen befreit die Autofelge …

10 Mar

hasenfelgen

Foto: noregt

Vom Reifen befreit die Autofelge
Durch des Fahrers holden, belebenden Drift,
In den Himmel fährt mit einem Lift
Samt schnuppernd Nase Hase Helge:
Weg die Löffel, weg sein Stift.
Von dort her sendet er – humorbefüllt –
Riesige Schauer grauer Karnickel,
Der Ort, er wirkt recht zugemüllt,
Ein wackelnd Heer belebter Pickel.
In dieser Wildnis regt sich Streben,
Bewußtsein wächst für neues Leben:
Hase Helge. Wie’s ihm wohl ergeht?
Kein Wunder, daß er aufersteht!
An diesem Ort, in diesen Höhen,
Ist es leicht, das Licht zu sehen;
Doch in der hohlen, finsteren Röhre
Lockt gemein geputzt die Möhre.
Mit Zwiebeln und Schalotten,
Mit Safran, Kieler Sprotten,
Mit Seifenduft und Mandelspreu,
Mit Pfefferkorn und frischem Heu,
Mit Senfbedarf und Ablaßschraube,
Wohlgarniert auf Nonnenhaube.
Dieser Schmaus, er ist das Wahre,
Ein Bräter sei des Helges Bahre.
Kehr’ Dich um zu diesen Schätzen,
Um sich an den Tisch zu setzen,
Denn an diesen feinen Hobelkanten
Sitzen nicht nur Kaffeetanten:
Priester, Meister, Metzgersäue,
Immer dreister auch das scheue,
Brave, neue Fräuleinwunder,
Schlosserbäuche werden voller, werden runder;
Der lustig, kleine Nachen – er geht unter.
Denn bis zum Sinken überladen wirken Waden
Prallgestopft, die zum Verzehr einladen.
Ich hör schon im Dorfe die Meckerhälse,
Sie beten:
Oh, Vollstrecker-Else!
Sei uns gnädig! Hilf uns auf die Leiter!
Dir ganz nah! Und IHM ganz auch!
Euch zu dienen sei unser Brauch!
Ein letztes Mal noch aufgemüpft:
Helge ist vom Tisch gehüpft!