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NASA | Cassini: «Und wenn der weiten Welten Ausgangstür versperrt …»

29 Dec

Saturn’s Shadow
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About this photograph NASA writes on its website: «With giant Saturn hanging in the blackness and sheltering Cassini from the sun’s blinding glare, the spacecraft viewed the rings as never before, revealing previously unknown faint rings and even glimpsing its home world.

This marvelous panoramic view was created by combining a total of 165 images taken by the Cassini wide-angle camera over nearly three hours on Sept. 15, 2006. The full mosaic consists of three rows of nine wide-angle camera footprints; only a portion of the full mosaic is shown here. Color in the view was created by digitally compositing ultraviolet, infrared and clear filter images and was then adjusted to resemble natural color.

The mosaic images were acquired as the spacecraft drifted in the darkness of Saturn’s shadow for about 12 hours, allowing a multitude of unique observations of the microscopic particles that compose Saturn’s faint rings.»

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Nacht
Johann Wolfgang von Goethe
Faust – Der Tragödie erster Teil

Wie alles sich zum Ganzen webt,

Eins in dem andern wirkt und lebt!

Wie Himmelskräfte auf und nieder steigen

Und sich die goldnen Eier kraulen,
auf daß zur Feier nun sie kreischen,
jaulen, jodeln, fünf Minuten noch im Wasser brodeln
bis sie aufgespreizt den Tisch bereichern!

Mit segenduftenden Schwingen

Vom Himmel durch die Erde dringen,

Harmonisch all das All durchklingen!
Welch Schauspiel! Aber ach! ein Schauspiel nur!

Wo faß ich dich, unendliche Natur?

Euch Brüste, wo? Ihr Quellen alles Lebens,

An denen Himmel und auch Erde kleben, hängen,

Dahin sich welke Brüste drängen, oh, sie schweben –

Ihr quellt, ihr tränkt, und schmacht ich so vergebens?

 

Saturn Rings
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Die Freundschaft
Friedrich von Schiller

Stünd im All der Schöpfung ich alleine,
Seelen träumt’ ich in die Felsensteine
Und umarmend küsst’ ich sie –
Die Beine der Freuden, die ich einst entlieh.
Meine Klagen stöhnt’ ich in die Lüfte,
Freute mich, antworteten die Klüfte,
Tor genug! der süßen Sympathie,
Die mir, mit Hoffnungen garniert, entgegenschrie.

 

Saturn Moons Prometheus and Daphnis
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Der Spaziergang
Friedrich Hölderlin

Die ferne Landschaft, die ich gerne
Besuch’ in Witterung mild:
Die Gottheit freundlich geleitet
Und erstlich mit Blau,
Trag’ ich persönlich sein herrliches Schild.
Hernach mit Wolken bereitet,
Gebildet wölbig und grau,
Mit sengenden Blitzen und Rollen,
Mit pengenden Witzen und Grollen,
Wardst Du, oh Saturn, meine liebende Frau.

 

Saturn Moons Enceladus and Janus
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Frohes Feucht
Casanova

Wenn Nacht es wird,
dann herzt der Wirt
beschmerzt die Damenwelt,
denn Dramen kosten Geld.

 

Saturn Moon Dione
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Du mußt das Leben nicht verstehen
Rainer Maria Rilke

Du mußt das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.

Und laß dir jeden Tag geschehen

so wie ein Kind im Weitergehen von jedem Wehen

sich viele Blüten schenken läßt.

Sie aufzusammeln und zu sparen,

das kommt dem Kind nicht in den Sinn.

Es löst sie leise aus den Haaren,

drin sie so gern gefangen waren,

und hält den lieben jungen Jahren

nach neuen seine Hände hin.

 

Saturn Moons Mimas and Pandora
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Raumschwindelgefühl
Christian Morgenstern

Euch engen Berge ein –
Mir zeigt ihr scharfer Saum
Nur um so grausiger
Den grenzenlosen Raum.
Wie einer Schleuder Kelch
Durch flugbereiten Stein,
So weiht mich das Geschoß
der befreiten Eichel ein.

 

Saturn Moon Janus
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Wem Gott will rechte Gunst erweisen
Joseph von Eichendorff

Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
Den schickt er in die weite Welt,
Dem will er seine Wunder weisen
In Berg und Wald und Strom und Feld.

(…)

Den lieben Gott laß’ ich nun walten,

Im Bächlein auch ein Hündchen bellt,

Und für unser frohes Geldscheinfalten

Hat er uns dieses Sofa hingestellt.

 

Saturn Moons Pia and Modest
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via: We Waste Time.

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The Artist: «Constantly Known As Dieter Meier»

26 Oct

Dieter Meier spotting a pierced snail in his garden
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Foto von unserem Redaktionsfotografen Andreas Baier

Als wir Dieter Meier kürzlich in Zürich besuchten, um von ihm für unser neues SuperIllu-Lifestyleprodukt «Home Sweet Home But Maybe More – Meerschweinchenreport’s Best Extra» eine aussagekräftige Bildstrecke zu erstellen, die wir, so der Plan, zusammen mit einem frei erfundenen «Exklusiv-Interview» zu veröffentlichen gedachten, da nahm unser Redaktionsfotograf Andreas Baier kurz zuvor noch an einer Sonderweiterbildungsveranstaltung in den Gemächern Michael Conrads teil, wo unser Mann fürs grobe Korn, weil das Flaschenetikett «Hegarty» auf ihn eine allzu unwiderstehlich magische Anziehungskraft ausübte, entgegen seiner normalen Trink- bzw. Nichttrinkgewohnheiten eigentlich nur mal eben am heiligen und überaus schmackhaften Rotweingral nippte, so führte dies doch dazu, daß – wir zitieren ihn wörtlich – «ich ordentlich einen sitzen hatte». Sein dennoch sichtlich erleichtertes Fazit: «Wie gut, daß es Autofokus gibt, sonst wäre das alles nichts geworden.»

Der erste Punkt auf der Dieter-Meier-Bericht-Checkliste, nämlich «zwingend Selbstreferentielles», wäre damit den Zeitgeist in notwendiger Weise huldigend abgehakt. Punkt 2: Leute, kauft Euch unbedingt die nagelneue YELLO CD «TOY»:

Der dritte Punkt: Leute, seht Euch unbedingt in der Berliner Galerie Judin die Dieter-Meier-Ausstellung «Possible Beings 1973 – 2016» an. Sie ist noch bis zum 29. Oktober 2016 zu sehen. Hier eines der 48 unterschiedlichen Possible-Beings-Bildpaare:

From the series «Possible Beings 1972 – 2016»:
Dieter Meier – Tiger Winslow

Der vierte Punkt, bevor wir uns der neuen YELLO CD: TOY und der Ausstellung «Possible Beings 1972 – 2016» widmen, ist natürlich: the artist, constantly known as Dieter Meier, himself:

Dieter Meier, lesend auf seiner Couch
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Foto von unserem Redaktionsfotografen Andreas Baier

Dieter Meier ist ein brillanter Konzeptkünstler und Musiker; außerdem ein erfolgreicher Unternehmer. Wir zitieren aus dem Tagesspiegel: «Den Menschen macht aus, wie er sich zu seinen Zwängen verhält. Zwänge die durch die Geburt, die Zeit, das Talent, die Familie gegeben sind. Dieter Meiers Jugend zeichnete sich durch eine erstaunliche Abwesenheit von Zwängen aus. Sein Vater besaß eine Bank. Nichts drängte sich auf, schon gar keine finanzielle Notwendigkeit. Nicht einmal unerfüllte Träume der Eltern, die er an ihrer statt hätte ausführen dürfen. Beladen mit der Bürde der Freiheit stand er nun da. Wenn nichts muss, aber alles kann, was ist dann? Ist dann überhaupt irgendetwas?» Hm, gute Frage. Eine auf jeden Fall gültige Antwort wäre: «Das eigene Sein». Denn das eigene Sein bleibt immer – und zwar immer bis ganz zum Schluß. So einfach kann reduzierte Lebenskernbetrachtung sein. Unsere Meerschweinchenreportleser wissen, daß wir immer, wenn es droht, philosophisch zu werden, unsere beiden Hausgeisteslehrer Andy Warhol und/oder Woody Allen bemühen. Letzterer stellte in diesem Kontext beispielsweise fest, daß der einzige Unterschied zwischen Menschen mit Geld und welchen ohne Geld lediglich das Geld sei. Und er fügte hinzu: «Alle anderen Probleme sind identisch». Und weil dem so ist, sind die kreativen oder unternehmerischen oder sozialen Leistungen eines Menschen in ihrer Qualität grundsätzlich losgelöst von seiner jeweiligen pekuniären Situation zu betrachten.

Dieter Meier an seinem Klavier
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Foto von unserem Redaktionsfotografen Andreas Baier

Im Jahre 1969 saß Herr Meier fünf Tage lang auf dem kalten Pflaster des Zürcher Heimplatzes und sortierte 100.000 Nägel in diverse Säcke. Da war er Mitte zwanzig. «Nein, sagen Sie nicht Nägel, das hat schon zu viel Sinn», bittet Dieter Meier die Dame vom Tagesspiegel. Die Neue Zürcher Zeitung veröffentlichte damals das Foto eines langhaarigen jungen Mannes, der da saß und aß, sich quälte und Nägel nicht vermehrte, nicht verzehrte, aber edel zählte – was ihn ehrte. Er andere bekehrte? Doch zu was? Westlich betrachtet nennt sich das Ereignis vielleicht «sinnlos»; mehr fernöstlich ausgerichtet kann man in seiner Performance durchaus einen buddhistischen Ansatz erkennen: Du sollst Deine Mitmenschen nicht belehren, sondern irritieren.

Ein Jahr später legte Meier in Sachen Buddhismus-Unterricht ein gehöriges Schippchen nach: So unterbrach sein Kurzfilm «1 Minute» unkommentiert das öffentlich-rechtliche Schweizer Fernsehprogramm. Der Bildschirm blendete zunächst kurz auf schwarz, gefolgt von dem einminütigen Anblick des regungslosen Künstlerkopfs, der akustisch von Zeitzeichen kongenial unterfüttert wurde. Abermals ward es den Eidgenossen schwarz vor Augen. Schließlich und endlich hatte die Nation sowohl ihr normales Leben als auch ihr gewohnt-gewöhnliches TV-Programm zurück. Das Publikum soll hinreichend verstört reagiert haben. Und das, obwohl der Krieg zu diesem Zeitpunkt seit gut 25 Jahren vorbei war.

Auf den Geschmack der formvollendeten Irritation mit intellektuellem Zusatznährwert gekommen, kaufte Dieter Meier konsequenterweise am 25. Februar 1971 zwischen 16:00 und 18:00 auf der 57th Street, Ecke 8th Avenue (nur unweit des einen oder anderen New Yorker Museums) den Einwohnern der Stadt für einen US-Dollar jeweils ein «Yes» oder «No» ab – und quittierte den Erhalt der Wörter schriftlich. Die Polizei kam, sah und stellte fest: «That’s not for us, let’s get the special department». Für amerikanische Polizeibeamte ungewöhnlich scharf geschlußfolgert – die Sache hätte auch ganz anders ausgehen können.

Dieter Meier: Auf der Art|Basel bei Thomas Zander
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Foto von unserem Redaktionsfotografen Andreas Baier

Nur knapp der Zwangsjacke entkommen, erteilte Dieter Meier deshalb noch im selben Jahr den New Yorkern adäquaten Schießunterricht: Im Cultural Center stellte er sich mit einem gezückten Revolver an eine Mauer. Vor seinen Füßen stand auf einer Tafel: «This Man Will Not Shoot». (Meerschweinchenreport berichtete hier).

Dieter Meier Cover:
«This Man Will Not Shoot»

Als er nach wenigen Performances mit guten Aufmerksamkeitswerten nur ein weiteres Jahr später bereits zur Documenta gebeten wurde – spätestens hier wird Dieter Meiers übergeordneter Drang und Hang zu effizientem Denken und Handeln transparent –, ließ er am Kasseler Hauptbahnhof eine Metalltafel einbetonieren: «Am 23. März 1994 von 15.00 – 16.00 Uhr wird Dieter Meier auf dieser Platte stehen». Nein, Monsierur l’Artiste scheinen grundsätzlich keine Gefangenen zu machen: 22 Jahre später stand er tatsächlich dort. Hunderte Zuschauer und der Kasseler Oberbürgermeister waren zugegen. Einige der Angereisten haben sogar weite Strecken mit dem Flugzeug in Kauf genommen.

Zwischenfazit: In seiner Konzeptstärke als Performance-Künstler fallen uns nur noch zwei ein, die in derselben Liga unterwegs sind: Timm Ulrichs und Marina Abramović.

Dieter Meier: Reading while shooting light into the sky
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Foto von unserem Redaktionsfotografen Andreas Baier

Auch verfügt Dieter Meier wie viele herausragenden Geister über den großen Vorzug, früher in der Schule alles andere als begnadet gewesen zu sein. Einen langen Text zu lesen fühlte sich an, «als würde mir jemand Blei durchs Hirn ziehen, und es bleibt nichts hängen». Auch wenn dem nachfolgenden Gedanken in seiner Absurdität eine gewisse Grazie inne zu wohnen scheint, so sollte unmißverständlich geklärt sein, daß die vielen Opfer bleihaltiger Schußverletzungen in den Vereinigten Staaten keinesfalls das Ergebnis einer übermotivierten Bildungspolitik sind. Sicherlich nicht zuletzt auch deshalb: «This Man Will Not Shoot!» Die Dame vom Tagesspiegel schreibt: «Es war eine der wichtigsten Entdeckungen in seinem Leben, als er für die Prüfungen dann den gesamten Stoff mit einem Freund nachholte, indem sie drüber redeten: Im Dialog ging ihm die Welt auf: ‹Das hat mein ganzes Leben bestimmt, bis auf den heutigen Tag.›»

Als bildender Künstler drückt Meier hin und wieder mit seinen Fingern auch ganz gern in Kinderknetmasse willkürlich Formen und schaut, ob er darin etwas erkennt: es ist eine Art Bleigießen mit kautschukhaltigem Dehnmaterial. Er sieht sich nicht als Schöpfer, sondern als Entdecker. Für ein von ihm fotografiertes Knetfigurgesicht bezahlte Lady Gaga auf einer New Yorker Auktion ordentlich bemessene 20.000 Dollar.

Dieter Meier: At the table
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Foto von unserem Redaktionsfotografen Andreas Baier

Die Richtigkeit des Grundsatzes «Nur der schlechte Künstler unterhält sich mit dem Publikum, der gute mit sich selbst» bestätigend, überführt Dieter Meier seinen konzeptuellen Ansatz Anfang der 1970er-Jahre in fotografische Serien, in denen er scheinbar ausschließlich selbst zu sehen ist. Die Galerie Judin schreibt auf ihrer Website über Dieter Meiers Ausstellung: «1972 läutete ein Materialkonvolut zu dem erdachten Schriftsteller Thomas Mattes, von dem plötzlich Manuskripte, Briefe und Schnappschüsse auftauchten, Meiers bis heute andauernde Beschäftigung mit erfundenen und vorgefundenen Persönlichkeiten ein. Nicht selten weisen diese Charaktere autobiografische Züge auf. Diesem Thema ist auch Meiers umfangreichste fotografische Serie Personalities gewidmet, die in den Jahren 1973 und 1974 entstand. Mit variierender Kleidung, Gestik und Mimik verwandelte sich der Künstler in 48 unterschiedliche Persönlichkeiten. Das Ergebnis ist gespenstisch: wenngleich Meiers markante Gesichtszüge stets zu erkennen sind, löst die schiere Anzahl der Verkörperungen allmählich die Wahrnehmung des Künstlers als Individuum auf. Stattdessen treten seine Rollen in den Vordergrund. Diese sollten letztlich ein regelrechtes Eigenleben entwickeln und Meier zu zwei weiteren Werkgruppen anregen. Unter den Titeln ‹As Time Goes By› und ‹Possible Beings› wählte Meier in den Jahren 2005 und 2016 einige Personalities aus, die er jeweils mit einer neuen Porträtaufnahme und einer kurzen Biografie in die Gegenwart holte. Das Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft: in wenigen Jahren möchte sich der Künstler der restlichen Figuren annehmen und mit ihnen weitere mögliche Lebenswege ausloten.» Nachfolgend zwei weitere «Possible Beings 1972 – 2016»:

From the series «Possible Beings 1972 – 2016»:
Dieter Meier – Samuel «Samy» Schnyder

From the series «Possible Beings 1972 – 2016»:
Dieter Meier – Erwin «Radu» Stangel

Zur Ausstellung sind zwei mit viel Liebe und Sinn fürs Detail gestaltete und hochwertig gedruckte Kataloge entstanden. Der eine enthält die zugehörigen Lebensläufe (oder «Lebenskämpfe») der von Dieter Meier bzw. dem «Schriftsteller Thomas Mattes in seinem Projekt «Possible Beings 1972 – 2016» dargestellten Personen und Charaktere.

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Beim Surfen entdeckt: Die «Dallas Art Dealers Association» nennt sich in der Abkürzung: DADA. Schöne Gleichung: DADA = JR Ewing kauft Kunst.
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Dieter Meier: The Race Reloaded
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Foto von unserem Redaktionsfotografen Andreas Baier

Das erste Mal wurden wir auf die Musik von «Yello» aufmerksam, als wir in Wiesbaden Mitte der 1980er-Jahre an der illegalen «Cannonball-Schnitzel-Ralley» teilnahmen. Ein Jahr vor dem Abitur, den Führerschein gerade frisch in der Tasche, und schon wollten wir unbedingt nackt um die Wette über den Kranzplatz flitzen müssen, nachts pro Team einen Spintschlüssel aus dem Opelbad besorgen, einen halben Liter Faulbrunnenwasser (geschätzte 40°) auf Ex trinken sowie eine schriftliche polizeiliche Bestätigung darüber bekommen, daß ein Team-Mitglied für zehn Minuten in Haft saß. Was sich End-Teenager eben so alles einfallen lassen, wenn es darum geht, das bereits heftig an die Tür klopfende «spätere Leben» erfolgreich aus den Schädelwänden zu verdrängen – oder, je nach Betrachtungsweise – sich adäquat darauf vorzubereiten. Für die Nummer mit dem Opelbad-Schlüssel sollte es in der Nachbereitung vor Gericht für einige Teams jede Menge abzuleistende Sozialstunden hageln. In der ersten Nacht bezogen wir Quartier auf einem ruhigen Campingplatz am Hertersee. Auf dem Plattenteller im Kofferraum eines Teilnehmers drehte sich das Yello-Stück «Bostich», scheinbar in der Endlosschleife, das 1980 auf dem Album «Solid Pleasure» erschien. Durch zwei riesige Boxen wurde eine Nachricht über den Umweg durch unsere Ohren in den schwarzen Nachthimmel gedrückt, die uns eine rhythmisch pulsierende Mahnung war: «Standing at the machine every day for all my life//I’m used to do it and I need it//It’s the only thing I want//It’s just a rush, push, cash». Dieser Text, diese preßlufthammereske Sprachperformance, die rasende Geschwindigkeit der Beats pro Minute, die mehrmaligen Besuche von Polizeibeamten, mit der Bitte die Yello-Lebensmaschine in ihrer Lautstärke deutlich zu reduzieren – das alles wurde zu einer perfekten Mélange, unsere damalige geistige Welt reflektierend, unser zukünftiges reales Lebens – so wurde dieser Track für dieses Wochenende zu unsere Hymne. Dieter Meiers Kunst- und Lebensverständnis: Man muß nur der werden, der man ohnehin schon ist:

Dieter Meier und Boris Blank – Table Communications
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Foto: Helen Sobiralski/Universal Music

Es war auch die Zeit, da unser Redaktionsfotograf seine musikalische Grundversorgung ausschließlich über einen leicht leiernden Kassettenrekorder mit Radioempfang bezog, der im Fotolabor stand. Seine bis heute gültige Grundeinstellung: Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt. Und einen Fernseher hat er sich immer noch nicht zugelegt. Deshalb nahmen auch wir «Yello» zunächst für viele Jahre nicht mehr weiter wahr.

Das änderte sich jedoch, als wir einen Werbespot für das fiktive Bestattungsunternehmen «Mr. Sandman’s Finest Funerals» realisierten und in den Gemächern des Post-Produktionshauses «Das Werk» während einer Bearbeitungspause auf MTV attraktive badeanzugbekleidete Damen sahen, wie sie von Hochhausdächern in wesentlich tiefer liegende Swimmingpoolanlagen sprangen. Das war 1997 und das Album «Pocket Universe» gerade frisch erschienen. In dem darin enthaltenen Stück «Beyond Mirrors» setzt sich Dieter Meier u.a. mit Arthur C. Clarke, Werner Heisenberg und Solar Driftwood auseinander. Sowie mit «Ruppert Sheldrake in his book ‹Seven Experiments That Could Change the World› has stated that scientist’s attitude toward their experiments affect the results of their experiments». Der britische Wissenschaftler war uns bis dato mit seiner Arbeit «Das Gedächtnis der Natur» bereits bekannt. Darin wies er nach, daß einmal auf unserem Planeten Gedachtes der Allgemeinheit zur Verfügung steht, auch wenn es nie verbalisiert oder in Schriftform verbreitet wurde. Und wir: «Whow, was ist das denn? Etwa Popmusik?»

Dieter Meier: Get Together auf der Art|Basel
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Foto von unserem Redaktionsfotografen Andreas Baier

Zu etwa gleicher Zeit verfolgten wir im Hause der «abenteuerlichen Designagentur» im TV ein Interview mit Dieter Meier und einem «Musikexperten». Der Künstler reflektierte über das Leben, über Sein und Nichtsein, über das Universum, über solares Treibholz, schlicht: über die Magie lebensexistenzieller Dinge. Besagter «Musikexperte» schien mehr und mehr mit seinem Amt überfordert, wollte zum Schluß des Gesprächs aber noch etwas Nettes sagen, was er dann auch irgendwie tat: «Yes man, that’s Rock ‘n Roll». Wir bewunderten Dieter Meiers Reaktion: Er saß da und grinste und grinste und grinste … und weigerte sich, die Fassung zu verlieren. Dafür verloren wir unsere: Wir schlugen lachend mit unseren Köpfen solange gegen die Wand bis es weh tat.

Wir finden die neue Yello-CD «TOY» hervorragend, was aber keine große Kunst ist, denn Musikprodukte von Yello sind grundsätzlich herausragend zu nennen. Die Tracks haben aus unserer Sicht nur einen Nachteil: Sie sind zu kurz, verfügen über zu wenig Noten, Eure Majestät. Gerade gedenkt man, sich gemütlich auf dieser oder jener Melodie ein bequem schaukelndes Ruhelager einzurichten, da ist die Nummer auch schon beendet. Schnüff. Im Gegenzug der Vorteil: Es gibt sehr viele Stücke auf der CD. Ein untrügliches Indiz dafür, daß die beiden Gentlemen immer noch nicht so richtig wissen, wohin mit ihrer Kreativität.

Der Ausführung Dieter Meiers, daß das Tonstudio für Boris Blank ein Sauerstoffzelt sei, entnehmen wir, daß auch sein Partner kreative Selbstgespräche führt, was eine schlüssige Erklärung dafür ist, warum Yello seit nunmehr 35 Jahren konstant hohe und sehr abwechslungsreiche Alben zusammenschraubt. Wer eine ausführliche und sehr schöne und hinreichend euphorische Besprechung der aktuellen TOY-CD lesen will, der sollte sich diesen ausführlichen Artikel auf Lowbeats unbedingt zu Gemüte führen.

Dieter Meier mit Harald Falckenberg

Als Nachspeise möchten wir die Lektüre der Essays empfehlen, die Dieter Meier vor einigen Jahren in seiner Kolumne in der Kulturzeitschrift «DU» veröffentlichte. Einige der Themen: «Gott im Fleisch – Aus den Tiefen des Weltalls», «Matsch am Paddel», «Das Wunder des Gelingens», «Gott ist DADA» oder «The 100 Million Dollar Kid». Die zuletzt genannten Überlegungen beginnen so: «Wie jeden Monat sitze ich vom Satzzwang getrieben an der Schreibmaschine und hoffe, dass mir unter der Guillotine des Abgabetermins ein Thema einfällt, nach dem ich über ca. viertausend Anschläge mit Wörtern werfen kann. Oft half mir das Schwerpunktthema dieses Heftes aus der grossen Leere und der Einsamkeit im dicken Nebel, wo keine Themen zu erkennen sind und auch nix Gedanken auftauchen. So rief ich denn in der Hoffnung, mich wie der Lügenbaron Münchhausen an den eigenen Haaren aus dem Sumpf der Ideenlosigkeit herauszuziehen, die Redaktion an und erfuhr, dass dieses Heft dem teuersten Schweizer Künstler aller Zeiten, dem ‹sculpteur extraordinaire› Alberto Giacometti, gewidmet sei. Da mir seine hochgekneteten Gestalten und Hunde nie besonders gefielen und ich mich aber über den Bergeller Kettenraucher in Paris, der seine halbverhungerten Figuren als Epigone seiner selbst ein halbes Leben lang nach oben zwirbelte, auch nicht lustig machen und meinem Hirn die Frage zumuten wollte, warum mich der ‹Grosse Schreitende› No. 27 / B5 eiskalt liess, kam ich auf die Idee, mir zu überlegen, warum für einen Abguss des Genies aus Stampa eine amerikanische Bankierswitwe kalt-oder heissblütig, man weiss es nicht, die wunderbare Summe von hundert Millionen US-Dollar abdrückte.»

Herr Meier schließt diese Kolumne mit: «Da ich schon bald wieder mit der Herausforderung, um nicht zu sagen dem Malheur, ein Thema zu finden, konfrontiert sein werde, mich aber in Hassliebe ausgesprochen gerne zu beliebigen Inhalten als Satzschlosser betätige, bitte ich Sie, verehrte Leser, mir mit Vorschlägen auszuhelfen, die Sie der Redaktion von DU bis zum 15. April zusenden können, wenn sich Meier-mach-schon dann erneut im oben beschriebenen Notstand befindet, der, nachdem ihm Benedikt XVI abhanden gekommen ist, auf den er immer wieder ausweichen konnte, wenn ihm nichts einfiel, um so schwerer wiegt.»

Das ist feines Feuilleton. Und für den Fall, daß Monsieur Le Satzschlossère irgendwann doch tatsächlich wieder seine Kolumnentätigkeit aufnehmen möchte, so hätten wir direkt ein Thema zur Inspiration für ihn: «Der November ist der Mai des Julis – oder umgekehrt».

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Fotografische Mathematik (4): Wurst x Birds = Alfred Hitchcock Oversized + Almost Weightless

30 Dec

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Endlich, endlich, endlich haben wir ein (fast) geeignetes fotografisches Mathematikbeispiel, das nach dem allgemeingültigen Regelwerk für Multiplikation, insbesondere unter philosophischen Gesichtspunkten, ganz gut funktioniert: Würste multipliziert mit Seevögeln ergeben einen in seinem Volumen zugenommenen Alfred Hitchcock, der jedoch faktisch gleichzeitig an reinem Körpergewicht eingebüßt hat, was sowohl durch die Präsenz der Würste als auch die der Seevögel paradox und kognitiv interagierend weiterführend abstrahiert dargestellt wird; ein Umstand, der dem britischen Starregisseur sichtlich zusagt. Typisch Full English Breakfast eben.

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Materialien zum erweiterten Diskurs:
Fotografische Mathematik (1)
Fotografische Mathematik (2)
Fotografische Mathematik (3)

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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Prof. Dr. Hanno Higgins: «Über die Bedeutung der Sprache und ihre Auswirkung im täglichen Leben»

1 Oct

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John Chamberlain: «Nutcracker, 1958»

Sprache ist ein Muß. Ohne Sprache kein kommunizierter Sinn. Ohne kommunizierten Sinn kein Geld. Ohne Geld kein Leben. Jedenfalls nicht dieses. So einfach ist das. Wirklich? Ja, wirklich!

Theoretisch zumindest. Im praktischen Leben sieht das aber oftmals anders aus. Ganz anders. Da benutzt man die Sprache, um zu verschleiern, sich mittels einer gezielten Falschaussage aus der Klemme zu bringen. Manchmal bringt man sich aber erst dadurch in eine solche. Die Steinzeitmenschen hatten es da noch vergleichsweise einfach, obwohl neueste wissenschaftliche Studien eindeutig belegen, daß zum Beispiel das Prinzip Desinformation auch bei den Affen Anwendung findet. Doch zurück zur Steinzeit: Faustkeil auf den Kopf hieß: Du bist böse und gleich tot! Faustkeil nicht auf den Kopf bedeutete hingegen: Du bist lieb und darfst in meiner Nähe bleiben. Dazwischen gab es wenig, jedenfalls nicht die FAZ mit ihren vielen Stellenanzeigen und der damit verbundenen Möglichkeit, einen freundlich dotierten Platz in einem Mobbingkindergarten zu ergattern.

Interessant ist, daß es den menschlichen Fortschritt ohne schwammig anmutende Formulierungskünste gar nicht geben würde. Zumindest nicht in dieser Form. Auf der anderen Seite stehen genau diese ihm zur Weiterentwicklung erheblich im Wege. Denken Sie nur an die Emser Depesche, deren Fälschung der Chefintrigant Fürst Otto von Bismarck vornahm, bevor er sie an den deutschen Kaiser weiterleitete und die somit den deutsch-französischen Krieg 1870-1871 auslöste. Diese Dualität des Paradoxen, wie Sigmund Freud, bzw. Karl Popper es einmal nannte, spiegelt sich in einem anderen Umstand viel drastischer nieder: in der Geburt und im Tod eines jeden Menschen. «Die Geburt ist eine Lüge, die Wahrheit der Tod», wußte schon Johann Wolfgang von Goethe zu berichten. Der da schon senile und ehrfürchtig geschätzte Geheimrat war von der fixen Idee beseelt, daß die Erde, die Natur in ihrer ganzen Echtheit falsch sei und der Tod somit die einzig gültige Wahrheit darstelle. War ihm die Theorie der Matrix bereits bekannt? Darüber können wir nur spekulieren.

Falls es so etwas wie die Matrix geben sollte, hat die Sprache dann ihre eigene? Falls ja, dann würde das die Extistenz und den Mechanismus der Lüge erklären. Und auch, daß der Tod die Wahrheit ist, weil der Tod den Menschen aus der Lüge herausführt. Sind somit Selbstmörder in Wahrheit Wahrheitssuchende? Oder stellt die Sprache an sich bereits eine Lüge dar? Sind Fragen ein Mittel zur Sinnsuche, oder lediglich ein Produkt unpräziser Überlegungen? Das alles sind Fragen, die hinterfragt werden müssen, weil uns vorgefertigte Antworten, so wie sie unser Gehirn für uns parat hält, hier nicht weiterbringen.

Nehmen wir einmal Lessings Ringparabel und stellen uns vor, daß es drei verschiedene Wahrheiten gäbe, deren Erscheinungsbild absolut identisch ist, aber nur eine davon auch in Wirklichkeit echt ist. Was würde das bedeuten? Nichts! Denn was hat eine identische Identität gegenüber einer wahrhaftig und wirklich wirklichen Identität nicht, was die wahrhaftig und wirklich wirkliche Identität hat? Nichts! Und genau das ist es! Das ist der springende Punkt.

Vor diesem Hintergrund sollten sich viele Fragen, die sich uns automatisch stellen, gar nicht erst stellen, weil sie fast alle überflüssig bzw. längst parallelexistent sind, ohne daß wir es so richtig mitbekommen beziehungsweise wahrnehmen.

Beeinflußt die Sprache somit unsere Wahrnehmung? Ja! Genauer gesagt: Nichts beeinflußt unsere Wahrnehmung mehr, als unsere Sprache. Diesen Mechanismus macht sich zum Beispiel die BILD-Zeitung zu nutzen. Aber nicht nur sie, wir alle tun es und so auch ich. Was ist zum Beispiel mit meinem Namen? Prof. Dr. Hanno Higgins? Klingt gut, nicht? Aber ist er auch echt? Außer mir weiß das keiner, möglicherweise noch nicht mal höchstrichterlich ich selbst? Wie hätten Sie den Inhalt des bis jetzt Gelesenen aufgenommen, wenn darüber gestanden hätte: «Ein Beitrag von der angehenden Sozialpädagogin Magdalena Dinckelkißen?» Wie? Sie möchten wissen, worum es in meinem Beitrag geht? Ganz einfach: Es geht um die Unfähigkeit, eine klare Sprache zu sprechen.

Prof. Dr. Hanno Higgins unterrichtet an der «Wall Street University of Economic Research And Mystery Sciences».

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Religiöses Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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Jupiter Structural Layer Cake

1 Aug

Cakecrumbs writes in his blog: «When my sister asked me what I was making and I said Jupiter, she said to me, “I didn’t even know Jupiter had layers.” It’s amazing how much we can forget after learning it in primary school. So here’s a rehashing for those of you who’ve also forgotten. Our knowledge is mostly theoretical of course, but the gas giants are thought to have a core comprised mostly of rock and ice. This is surrounded by a layer liquid metallic hydrogen, and the outer layer is composed of molecular hydrogen. In cake speak, this translates to a core made of mudcake, surrounded by almond butter cake, surrounded by a tinted vanilla Madeira sponge. There’s a crumb coat of vanilla buttercream underneath the fondant.»

Website Cakecrums
via Crackajack’s Nerdcore

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Sensitive topic. Therefore comments off.
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Museum Wiesbaden: «Alte Meister»

8 Jul

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Nicht nur Jesus Christus sondern auch alle anderen Erdenbürger – wie hier beispielsweise ein Radfahrer – verneigen demutsvoll ihre Häupter vor der großartigen Ausstellung «Alte Meister» im Museum Wiesbaden.

Wie für Meerschweinchenreport üblich, berichten wir natürlich stets vor allen anderen Medien brandaktuell über wichtige kulturelle Ereignisse – so auch über die Ausstellung «Alte Meister» im Museum Wiesbaden. Wir haben in Erfahrung bringen können, daß zum Beispiel die FAZ erst am 18. 12. 2012 darüber berichten wird und Die Welt gar erst am 7. Mai 2013 – eigentlich viel zu spät, da schon Ende Juli 2013 ultimativ Schicht im Schacht sein wird. So lautet die gute Nachricht, daß Sie sich für den notwendigen, richtigen und wichtigen Besuch ruhig noch ein paar Monate Zeit lassen können.

***Materialien zum erweiterten Diskurs***

Museum Wiesbaden: «FLUXUS IS COMING HOME! –
Fluxus-Fans werden selbst zu Digitalkünstlern!»

Occupy FLUXUS: «Goethe und das Geld»

100 Tage DOCUMENTA12 – 100 Artikel meerschweinchenreport.de
(Das sagt alles!) – 100 Tage ohne Paris Hilton,
erster Tag Google-Pole-Position, alles in allem:
keine schlechte Zwischenbilanz, nicht wahr?

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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Humboldt-Box

10 Jun

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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Ross Phillips: «Panta Rhei»

30 Apr

Animation by Ross Phillips

Von Heraklits Werk sind lediglich einige Fragmente erhalten, von denen drei Zitate die Lehre vom Fluß aller Dinge begründen und die für ebenso lange Zeit inhaltlich nicht klar verifizierbar erschienen, bis sich Fritz Teufel und Dieter Kunzelmann der Sache professionell annäherten, was Ende der 1960er Jahre de facto zu einer zwanghaften Antisemitiisierung innerhalb der damaligen linken Szene führte, die sich folgerichtig und per Dekret bei ihren Brandanschlägen auf ein jüdisches Gemeindezentrum in der Münchner Reichenbachstrasse, bei denen mehrere Todesopfer zu beklagen waren, sowie einem Bombenanschlag auf ein Flugzeug der Swiss Air, bei dem alle Insassen an Bord ums Leben kamen, von fair-gehandeltem Kaffee wachzuhalten hatte. Durch ihn erfuhren sie möglicherweise:

«Wer in dieselbe braune Brühe steigt, dem fließt andere und wieder andere braune Brühe zu.»

«Wir steigen in dieselbe braune Brühe und doch nicht in dieselbe, wir sind es und wir sind es nicht.»

«Man kann nicht zweimal in dieselbe braune Brühe steigen.»

Weshalb sie inzwischen grün ist. Klar, daß vorstehende Sinn- und Deutungssprüche für eingefleischte Vegetarier ein bißchen schwer zu verstehen sind, was sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart zu Irrungen und Verwirrungen der X-tra-Klasse führte und führt: Ideologisch Linksausgerichtete, die ihre kollektive Existenz im wesentlichen der Frage an ihre Eltern-Generation «Was habt Ihr im Dritten Reich getan?» zu verdanken haben, sich damit ursprünglich dem Antisemitismus also klar entgegengestellten, mutierten innerhalb kürzester Zeit selbst zu glühenden Antisemiten – und taten genau das, was ihre Vorgänger-Nazi-Generation bereits tat: Sie betrieben Volksverhetzung und ermordeten Juden. Wie chronisch mangelernährt muß ein Gehirn eigentlich sein, um das hinzukriegen? Dieter Kunzelmann, einer der damaligen Attentäter, rechtfertigte diese Tat übrigens damit, daß man den Deutschen den «Judenknax nehmen müsse».

Weil die RAF nicht zuletzt dank Helmut Schmidt restlos gescheitert ist, sich jedoch das urdeutsche Kraftgen Marke «Am deutschen Wesen mag die Welt genesen» nicht so leicht unterbuttern läßt, schlüpfte es zur Tarnung in die Hülle des ökologischen Gesamtweltgewissens – und versucht seitdem durch mit seltsamen Methoden erstellte Klimaberichte und -bilanzen nicht ganz unerfolgreich die Weltbevölkerung dahingehend zu nötigen, jene schwachsinnig anmutende Lebensweisen anzunehmen, die sich unsere ausgemergelten Veganerköpfchen in einem von ideologischer Inzucht geprägtem Klima zurechtgezimmert haben. Eines der vielen Symptome dieser inzwischen weltweit grassierenden Gewissenskrankheit ist beispielsweise der Rauswurf eines vierjährigen Kindes aus dem Kindergarten, weil ihm seine Eltern ein paar schmackhafte Butterkekse in die Brotdose packten. Hierbei spielte sicherlich nicht nur die von der Kindergartenleitung eingeforderte «Zuckerarmut» eine Rolle…

Die französische Filmschauspielerin Brigitte Bardot forderte nur wegen der schlechten Ökobilanz von Gaskammern nicht, sie für Fleischesser zu errichten. Hier empfahl sie die Verwendung von Bolzenschußanlagen. Und da sage noch einer, eine konsequente fleischlose Ernährung sei ungesund. Auch Hitler – und somit zwangsweise ebenso der Rest der Welt – profitierte zwischen 1933 und 1945 von ihren «unschlagbaren Vorzügen».

Und weil sich das Projekt «Weltweite Etablierung einer Ökodiktatur nach deutschen Prizipien» so prima entwickelt, haben Leute wie Renate Künast oder Claudia Roth nicht die geringsten Probleme, eine alte Gewohnheit wieder aufleben zu lassen, nämlich in aller Öffentlichkeit mit palästinänsischen Terrororganisationen zu sympathisieren. Schließlich sind wir wieder wer, n’est-ce pas?

So befruchten sich intellektuelle Hinterbänkler, eine erlauchte Gruppe der eben auch ein orientierungsloser Jakob Augstein angehört, eifrig gegenseitig, was zu einer schleichenden Wiedererstarkung des Antisemitismus in unserer Gesellschaft führt. Ihre Hauptthese: «Man darf ja gegen Juden heute nichts sagen».

Wer sich allumfassend zu diesem Thema informiere möchte, dem sei der kluge Aufsatz von Stefan Gärtner über Jakob Augstein «Wer Juden haßt, bestimme ich» ans Herz gelegt.

Titelbildanimation von Ross Phillips.

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Mega-Maya-Apokalypse vollzog sich weitestgehend geräuscharm:

22 Dec

Source: Richard Kadrey’s Damn Tumblr.

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Yuri Suzuki: «Tube Map Radio»

22 Dec

Yuri Suzuki: «Tube Map Radio»

The map is inspired by a spoof diagram created by the original designer of the London Tube map, Harry Beck, which shows the lines and stations as an annotated electrical circuit. Iconic landmarks on this map are represented by components relating to their functions, including a speaker where Speaker’s Corner sits and a battery representing Battersea Power Station.

Wanted to make the components visible because «it is difficult for consumers to understand the complexity of the workings behind the exterior» of today’s electronic devices. By creating a «narrative to explain how electronics work,» Yuri Suzuki hopes users will be encouraged to fix their own broken devices.

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Die Sterntaler

9 Dec

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Geboren, gefroren vor den Toren einer Welt aus Eis und Schnee ernährst Du mich täglich mit Sternenpüree. Im Négligée wir treiben und reiben uns und schreiben das Jahr eins. Keins wird so werden wie das andere, ich wandere mit Dir und Du mit mir. Den Herden auf Erden sind wir lange schon entkommen, benommen, verschwommen seh’ ich blau und doch so grau den Planeten, der einst unser Zuhause war. Raketen brachten uns der Ferne nah. Sterne blinken, winken, versinken im Mondenschein und wir trinken süßen Neptunwein. Er wird uns munden, wir erkunden jetzt den Mars, geben Gas, erleben soeben das Schweben neben uns. Während wir ihn umrunden, haben wir uns gefunden, einen Sternenstrauß gebunden – und so es dann geschah: Unser Märchen, mein Gummibärchen, wurde wahr.

Pegasus’ Hufe leiten die Kufen von Schlitten, sie gleiten und reiten, beschreiten die Pfade neuer Breitengrade, erklimmen inmitten endloser Weiten und Felder die Stufen wie gerufen zu neuen Sternenwäldern. Stimmen erschallen, verhallen im Raum, und mit Dir, mit Dir wird es zum Traum. Kaum glüht der Baum, den Du Dir gewählt mit all seinen Früchten, züchten wir uns den zweiten, bereiten die Tafel, darauf eine Schale und mit einem Male ist der Apfel geschält, in der Mondscheinkathedrale haben wir uns vermählt, uns kosmisch gereinigt, vereinigt, uns unsere Liebe bescheinigt, beten wir zu den Kometen, sie trompeten – und so es dann geschah: Unser Märchen, mein Gummibärchen, wurde wahr.

Wir stellen die Weichen für die Zeichen der Zeit. In Jupiters Teichen erste Frösche laichen, wir vergleichen den Zustand, die Saat, die Brut, und wissen urplötzlich: Alles wird gut! Nichts kann uns erweichen, erschüttern, wenn wir Ohne Gleichen an Sterne verfüttern, sie hegen, pflegen, unser Schicksal in ihre Hände legen, wir bewegen den Gral an die Lippen und nippen am Dope: Ein Himmelsstroboskop am Blinken – Unser Horoskop. Sterne blinken, winken, versinken im Mondenschein, so rein ist unser Glück allein – und so es dann geschah: Unser Märchen, mein Gummibärchen, wurde wahr.

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Photo Credit

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Astronomy Picture of the Day: «Trees On Mars?»

26 Nov

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Explanation: They might look like trees on Mars, but they’re not. Groups of dark brown streaks have been photographed by the Mars Reconnaissance Orbiter on melting pinkish sand dunes covered with light frost. The above image was taken in 2008 April near the North Pole of Mars. At that time, dark sand on the interior of Martian sand dunes became more and more visible as the spring Sun melted the lighter carbon dioxide ice. When occurring near the top of a dune, dark sand may cascade down the dune leaving dark surface streaks — streaks that might appear at first to be trees standing in front of the lighter regions, but cast no shadows. Objects about 25 centimeters across are resolved on this image spanning about one kilometer. Close ups of some parts of this image show billowing plumes indicating that the sand slides were occurring even when the image was being taken.

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Dark Sand Cascades on Mars
Image Credit: HiRISE, MRO, LPL (U. Arizona), NASA

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Albert Einstein: «Die Theorie, daß alles im Leben relativ ist, läßt sich besonders gut durch die Wahl des richtigen Schuhwerks beweisen.»

14 Oct

Siehe auch auch.

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Mysteriöses UFO

16 Sep

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Einmal mehr können wir über eine sensationelle UFO-Sichtung berichten. Geschah es das letzte Mal am helligten Tage über der wunderschönen Innenstadt Wiesbadens, so begleitete uns nun dieses uns abermals unbekannte Flugobjekt ein ganzes hübsches Weilchen auf unserer Zugreise.

Nach reiflicher Überlegung und dem sorgfältigen Ausschluß verschiedener anderer auf den ersten Blick verlockend erscheinender Möglichkeiten war uns klar, daß es sich nur um eine Galapagos-Schildkröte auf ihrer Reise in die Zeit Charles Darwins gehandelt haben konnte.

Und genau so war es auch: Sie beschleunigte, stieg am nächsten Bahnhof zu, setzte sich zu uns ins Abteil, ließ sich noch kurz des Schaffners Fahrkartenentwertungszange genüßlich im Maule zergehen – wobei das, was mit besagter Fahrkartenentwertungszange tatsächlich geschah, mit der Verwendung des Verbs zerhäckseln wesentlich treffender beschrieben wäre –, seufzte noch kurz «Leute, Leute, Ihr habt ja gar keine Ahnung, was man als zeitreisende Riesenschildkröte so alles mit- und durchmachen muß», zog sich die Schuhe aus und den Unterkiefer gerade, machte es sich bequem – und schlief ein.

Der Zug fuhr Richtung Salzburg, wir jedoch stiegen in Mainz aus und wissen deshalb nichts über den weiteren Verbleib unseres exotischen Reisebegleiters zu berichten.

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Nachtrag vom 21. September 2012: In Salzburg, so erfuhren wir nun, kletterte unsere Ex-Reisebegleiterschildkröte coram publico während der berühmten Festspiele im schönsten Rampenlicht Don Giovanni beherzt in die Unterhose, wo sie sogleich als Mitarbeiterin der Firma Diggdigest, die sich auf die Erstellung individueller Motivationskonzepte für gesellschaftlich bessergestellte GesangeskünstlerInnen sowie deren erfolgreiche Umsetzung spezialisiert sieht, ihre neue Arbeitsstelle engagiert antrat – und zudem nach erfolgtem Erstzugriffsbiß ihren notwendigen Verdauungsschlaf in der ihr zustehenden und nahe dem eigentlichen Arbeitsplatz gelegenen Dienstwohnung wohltemperiert vollzog.

Einmal mehr überschlugen, übertrafen und übertrumpften sich die Kritiken der internationalen Leitartikelmedien gegenseitig. Insbesondere der irrsinnige Regieeinfall, einem fest im Libretto implementierten Bassbariton urplötzliche Kreischlaute der Gestalt zu entlocken, daß sie es mit ihrem kolloratureskem Charme vermochten, selbst die gesanglichen Spitzenleistungen einer Edda Moser (fast!) in den Schatten zu stellen, wurde einhellig als «hyperübergenialisch» bezeichnet. Und das will was heißen!

Wie sie von dort aus jedoch den Sprung auf Lord Nelson’s «Victory» schaffte, ist zur Stunde abermals ungeklärt, aber wir bleiben ebenso abermals dran. Versprochen!

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Außerdem möchten wir diese einzigartige Gelegenheit nutzen, um auf das Standardwerk aller UFOlogen hinzuweisen. Wir zitieren von der Verlagswebsite: «Just landed! The ultimate picture bible for every UFO fan, the most sensational and encompassing photodocument of the UFO century». And: «Over 300 “never before published” pictures of UFO’s, scenes, contacts, evidence…..Fantastic !!! -Joe Meierson, NY».

Im Klartext: Der international anerkannte UFOloge Richard Brunswick schaffte es immer wieder, unerkannt in die Spezial- und Geheimarchive diverser konspirativ agierender Bundesbehörden im In- und Ausland einzudringen und dort sensationelles Bildmaterial im Interesse des öffentlichen Informationsbedürfnisses sicherzustellen.

Selbst dem FBI blieb beispielsweise nach Veröffentlichung der spektakulären Bildersammlung nichts anderes übrig, als sich der Sichtweise Richard Brunswicks in wesentlichen Punkten anzuschließen.

Link zum UFO-Buch aus dem Goliath Verlag.

Liefernachweis:
Richard Brunswick Collection

English / Deutsch / Francais / Espanol / Italiano

size: 5,5 x 7,5 inches

320 pages / 300 photos

ISBN 3-9805876-3-0

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Außer Konkurrenz: «Fotografische Mathematik im Bergkirchenviertel»

16 Sep

Zugegeben: Wenn wir gewußt hätten, worauf wir uns da mit unserer Reihe Fotografische Mathematik eingelassen haben, dann hätten wir möglicherweise nie damit begonnen. War es für uns noch ein relativ Leichtes, die Wirkungsweisen von Addition, Subtraktion und Division unseren geschätzten Leserinnen und Lesern im Bereich der Fotografie zu erklären, so will uns für die für alles und insbesondere die derzeitige EU-Staatsverschuldungskrise allein verantwortliche Multiplikation einfach kein geeignetes Beispiel einfallen oder gar über den Weg laufen. Schlimm.

So ist es in solch situativen Zwangsjackengesamtsituationen nicht selten unhilfreich, nicht nur das Verneinte abermals zu verneinen, um ein möglichst positives Grundgefühl zu erzeugen, sondern einfach auch mal Fünfe gerade sein lassen, Sechser in den eigenen früheren Schulzeugnissen mit einem Original Tintenkiller radikal zu negieren, den traditionellen Vier-Uhr-Tee mit seiner Lieblingsvermieterin keinesfalls platzen zu lassen, alle guten drei Dinge einzusacken – und die Füße nebst Seele bis zum Sanktnimmerleinstag baumeln zu lassen.

In einer solch situativen Zwangsjackengesamtsituation befand sich gerade unser Redaktionsmathematiker Andreas Baier, als ihm ein geeignetes Paradebeispiel über den Weg lief, er flugs nach seinem nigelnagelneuem iPhone griff – und intuitiv dieses wunderbare Gesamtbildkunstwerk schoß.

Der mathematische Mechanismus: «Umhängetasche plus Umhängetasche ist gleich Generation X». Wobei auch von einer angehenden Generation UnionJack gesprochen werden könnte. Außerdem gelang es unserem Zahlenheld vorbildlich, trotz der erschwerten Arbeitsumstände (alles mußte schnell gehen), die Persönlichkeitsrechte der hier abgebildeten Person harmonisch zu wahren, ohne später seine Augen plump mit einem schwarzen Balkan zu verdecken. Chapeau.

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Julia Cybularz: «The Mathematician»

29 Aug

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Visiting Julia Cybularz’s Website the first thing you see is the portrait shown above. It doesn’t take long to imagine a very clever re-interpretation of Jan Vermeer’s view. We know his The Astronomer or The Geographer or The Pearl Necklace. There is always this typical window light coming straight from the left. So, and now we know Julia Cybularz’s «The Mathematician».

Is that all? Certainly not. Learning more about her project «The Mathematician» the next thing we are introduced to is a quote from Samuel Beckett, taken from Waiting for Godot: «We are all born mad. Some remain so.» So, the scene is set for you to see and discover the rest for yourself.

By the milky way: Do you love quoting the same way as we do? If so, here’s another one a bit earlier than previously created by Sigmund Freud: «There is a feeling of freedom we can enjoy when we are able to abandon the straitjacket of logic.» The straightjacket of logic – how cool and inspiring is that? In other terms: Baby, just let’s get irrational tonight? Well, probably this is not what Julia Cybularz’s project is about…

via: T-arte Tartin.

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PISA-Studie: «Erstmals belegt Deutschland dank eines neuen Analyseverfahrens den ersten Platz»

19 Feb

Machen gerne Nägel mit Köpfen: Jan und Thorben von der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnisgesamtschule in Untergruppenbach nehmen auf Einladung der OECD an einem Außentermin für nachhaltige Umweltarbeit teil. Hier analysieren sie gerade die erhöhte CO2-Aufnahmebereitschaft des von ihnen entwickelten Bio-Rasens mit USB-Anschluß.

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Fakten über die OECD:
Die PISA-Studie der OECD untersucht, inwieweit Schülerinnen und Schüler gegen Ende ihrer Pflichtschulzeit die Kenntnisse und Fähigkeiten für eine volle Teilhabe an der Wissensgesellschaft erworben haben.

Die OECD steht grundsätzlich auf dem Standpunkt, daß die Daten der PISA-Erhebung aus Gründen der Transparenz, der Freiheit und Förderung der (Bildungs-)Forschung allgemein zugänglich gemacht werden sollten. Es obliegt jedoch den Mitgliedsländern, wie sie den Zugang zu nationalen PISA-Daten regeln, die über den internationalen PISA-Datensatz hinausgehen.

Die Arbeit der OECD basiert auf einer kontinuierlichen Beobachtung der Entwicklung in den Mitgliedsländern und außerhalb der OECD.

Die OECD ist übrigens die Nachfolgeorganisation der Organisation für Europäische Wirtschaftliche Zusammenarbeit (OEEC). Mit Unterstützung der Vereinigten Staaten und Kanadas wurde diese 1947 zur Koordinierung des Marshall-Plans für den Wiederaufbau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet. Als Hauptquartier bezog die OEEC 1949 das Château de la Muette in Paris. Dort hat die OECD noch heute ihren Sitz.

Das Budget für 2011 lag bei 342 Mio €.

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Critical thinking Part 2: «Broken Logic»

12 Feb

Ein nicht ganz uninteressantes Filmchen, das sich unserer Ansicht nach jedoch weniger mit dem logischen Denken, denn mit dem kritischen Hinterfragen sich aus einem bestimmten Sachverhalt heraus ergebender und somit naheliegender Schlußfolgerungen befaßt. Wobei: Bedeutet critical thinking nicht kritisches Hinterfragen? Immer diese broken logic

In anderen Worten: Wenn 1+2=3 ist; und 2+3=5, so heißt das noch lange nicht, daß 1+3=4 ist; auch wenn diese Annahme nicht ganz unbegründet ist. Mathematisch bewiesen ist sie deshalb noch lange nicht. Genauso wenig wie die beiden voranstehenden Gleichungen übrigens auch.

Geht es aber um Mathematik? Nein, nur bedingt. Es geht darum, daß der Mensch dazu neigt, Erfahrungen, die er einmal in einem ganz bestimmten Zusammenhang gemacht hat, auf einen anderen Sachverhalt zu übertragen, weil ihm beide Sachverhalte ähnlich oder gar gleich erscheinen. In den meisten Fällen ist das jedoch nicht gegeben. Man nennt so etwas auch: Das Herstellen von falschen Analogien. Hier gibt es einiges darüber zu lesen. Die klassische Konditionierung nach dem Prinzip des pawlowschen Hundes funktioniert nach denselben Mechanismen.

Vielleicht ein griffiges Beispiel aus der Praxis: Das Weblog neatorama, das obenstehendes Filmchen ebenfalls präsentiert, unterhält auch ein umfangreiches Netzladengeschäft namens neatoshop. Innerhalb dieses neatoshops gibt es einen Bacon Store. Dieser Bacon Store bietet eine breite Palette von Produkten an, die irgendwie mit Speckgeschmack oder – geruch ausgestattet sind: Speckzahnpasta, Raumbelüfter mit Speckgeruch, Atemerfrischungspastillen mit, genau, Speckgeschmack, usw. usf. Dieser Umstand läßt die Schlußfolgerung zu, daß besagter Webstore ebenfalls T-Shirts mit Speckgeruch im Angebot hat. Aber genau das ist nicht der Fall. Jedenfalls, räusper, bis jetzt nicht.

Die Krucks ist jedoch, daß wir nach genau diesem Denkmuster permanent Überlegungen anstrengen – und Entscheidungen treffen. Ein letztes Beispiel: Wenn unsere Abgeordneten in Berlin mal wieder eine Gesetzesänderung diskutieren (sofern sie überhaupt anwesend sind), dann wird nicht selten zur argumentativen Untermauerung des eigenen Standpunktes geschaut «wie es andere Länder machen», wobei regelmäßig übersehen wird, daß andere Länder in Gänze anders sind – und sich deshalb bestimmte Vorgehensweisen eines anderen Landes nicht so ohne weiteres auf unsere Verhältnisse übertragen lassen. Am besten läßt es sich mit einer menschlichen Organtransplantation vergleichen: Der Empfänger eines fremden Organs muß Zeit seines restlichen Lebens jede Menge Medikamente schlucken, um die natürlichen Abwehrmechanismen des eigenen Körpers zu unterdrücken. Es wächst eben nicht so leicht zusammen, was nicht zusammengehört – auch wenn es formal ähnlich oder gar gleich erscheint.

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Wer sich dieser Tage im heimischen Reiche hinter seiner Bildung einmauert, der bekommt draußen vor der Tür von den eingefrorenen Füßen des Klimawandels nichts mit!

9 Feb

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Mayan Multiplication

27 Jan

Already infected? Here you can find out how the Abacus works.

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