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Sneak Preview: «QVED 2015»

3 Mar

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In der «Little Met of Munich», wie unser Redaktionsfotograf die «Alte Kongresshalle» in München liebevoll nennt, fand vom 26. Februar bis zum 28. Februar 2015 die Veranstaltung «QVED 2015» (Quo Vadis Editorial Design?) statt. Um es vorwegzunehmen: Es war mit Abstand der beste Kongress, den wir in den letzten Jahren besuchten. Unser kompletter Bericht wird noch so zwei, drei Wochen in unserer Fertigungsstrasse verbringen – bis dahin bitten wir höflich um Geduld.

Die zentrale Frage lautete: «Editorial Design, wohin gehst Du?» Aus der Sicht des Coverjunkies Jaap Biemans bewegt sich das Editorial Design sowohl immer der Nase nach als auch diametral, wodurch ein emotionales Spannungsfeld erzeugt wird, in dem sich besonders polarisierende Titelbild- und Heftgestaltungen wohl fühlen und nur noch darauf warten, von ihm publiziert zu werden.

Tom Wolfe: «Das gemalte Wort»

25 Feb

Originalausgabe von 1975
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Schult Ullstein

Kleine Leseprobe: «Typisch etwa die folgende Jackson-Polock-Geste: Eines Abends kreuzt er betrunken bei Peggy Guggenheim während einer hochfeudalen Party auf. Also zieht er sich im Nebenzimmer aus, marschiert splitternackt ins Wohnzimmer und pinkelt in den Kamin. Andererseits hat er es weder an diesem Abend noch zu irgendeinem späteren Zeitpunkt aufgegeben, Peggy Guggenheims Haus zu besuchen, wo es all diese schicken Leute gab. Er mußte unbedingt ohner Krawatte zum Storck Club oder zum 21 gehen, um zu beweisen, daß er dank ‹meiner Reputation› doch hineinkam – und wenn es gelungen war, dann mußte er natürlich betrunken und grob genug werden, um einen Rausschmiß zu erzielen. Die elegante Welt sollte ihn gefälligst akzeptieren, aber daß es ihm gefiel, konnte er nicht verkraften.»

Kleine Literaturkritik: «Wenn Tom Wolfe sein Schnellfeuer auf die gesamte moderne Kunstszene einstellt, ist der Boden mit Leichen bedeckt.» – New York Times, 1975. Und der weltberühmte Galerist Leo Castelli konstatiert in einer Spiegel-Rezension (DER SPIEGEL 18/1975): «Darin steckt mehr als ein Korn Wahrheit.»

Derzeit bei Amazon erhältlich: 1 gebrauchtes Exemplar für € 49,49.

Ergänzende Informationen gibt es in einem bemerkenswert langen Pluspedia-Artikel, der möglicherweise mehr Buchstaben beinhaltet als Tom Wolfes Hauptwerk selbst. Bitte auch nicht die ungemein gehaltvolle «Löschdiskussion» vergessen. Sie sei als eine Art Meta-Kunstmarkt zu erachten.

Lieber Rolf Müller!

24 Feb

HQ – High Quality, Heft Nr.1
Abbildungen zum Vergrößern bitte anklicken

Als ich ganz zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn nicht ganz grundlos ehrfürchtig in der ersten Ausgabe «HQ – High Quality», mit der meine Eltern für ihre Zeitschrift «Magazin KUNST» zu Besprechungszwecken bemustert wurden, blätterte, und mich fragte, ob es für mich bei dieser hohen Qualität überhaut Sinn hätte, Ihnen eine Auswahl meiner fotografischen Erzeugnisse zu übersenden, da war ich einige Monate später umso überraschter, daß ich tatsächlich einen Anruf von Ihnen erhielt und Sie mich zu einem Gespräch nach München in Ihr damals schon als legendär zu bezeichnende «Büro Rolf Müller» in der Maximilianstrasse einluden. Außerdem sagten Sie mir, daß Sie möglicherweise meinen Vater kennen würden: «Ich habe von ihm kürzlich zwei Aquarelle des Künstlers Antonio Calderara gekauft. Kann das sein?» Ja, jene beiden Aquarelle, von denen ich hoffte, meinen Vater davon überzeugen zu können, sie uneingennützig mir zu überlassen, gehörten nun Ihnen. Sie hatten die eindeutig besseren Argumente.

HQ – High Quality, Heft Nr.13

Während unseres Gespräches entschieden Sie sich, einige Bilder aus meiner Serie «25-jähriges Bestehen der HBK Braunschweig im Kunstverein Hannover» in «HQ – High Quality», Heft Nr. 13, zum Thema «Kontraste» zu veröffentlichen und zum anderen, mich mit einem größeren Auftrag für das Technologiemagazin «new-tech news» der Deutschen Aerospace zur Luft- und Raumfahrtmesse nach Paris zu schicken. So entspannt muß man erstmal sein, denn zu diesem Zeitpunkt war mein Milchgesicht gerade erst 25 Jahre alt.

Tableaux I – «new-tech news»

Tableaux II – «new-tech news»

Und so wurde es noch eine Bildstrecke in der «new-tech news» und noch eine und noch eine Veröffentlichung in «HQ – High Quality», Heft Nr. 25, zum Thema «Paare»; und so habe ich zudem von Ihnen sehr viel gelernt: Als Sie beispielsweise aus der Menge von 120 Vergrößerungen exakt 18 Aufnahmen für die Bildstrecke auswählten – und auf diese Weise sehr viel gute Bilder ungenutzt blieben – bemerkten Sie meinen leicht entsetzt wirkenden Gesichtsausdruck und erklärten: «Nur wenn man viele gute Aufnahmen weglassen muß, dann weiß man, daß man als Fotograf gut gearbeitet hat».

HQ – High Quality, Heft Nr.25

Das von Ihnen geschaffene Magazin «HQ – High Quality – Zeitschrift über das Gestalten, das Drucken und das Gedruckte. Drei internationale Gestalter werden vorgestellt. Sechs Originalbeiträge zu einem denkwürdigen Thema.» setzte nicht nur Maßstäbe in Punkto Druckqualität, Gestaltung und Veredelung, sondern es war ebenso ein Literaturmagazin. Die Gestalterin Sabina Sieghart schreibt auf Ihrer Website: «‹High Quality› war das Magazin der Heidelberger Druckmaschinen. Für uns das ‹Zuckerl› bei Rolf Müller, denn wir durften mit tollen Fotografen und Textern arbeiten und zudem jedes mal eine neue Drucktechnik ausprobieren.»

HQ – High Quality – Paare – Spreadsheet 1

Einige der Themen waren: «Die immerwährende Sehnsucht des Menschen nach überall hin», «Der rechte Winkel», «Blüten», «Randerscheinungen» oder «Störungen», ein Heft, in dem Sie zum Beispiel den Falz der Seiten 45 und 46 tiefer ins Heftinnere legten, sodaß sie sich durch den Randbeschritt nicht hatten öffnen können. Mit dem Elan der Jugendlichkeit brachte ich damals den notwendigen Ehrgeiz auf, die in diesem «verschlossenen Teil» abgedruckte Korrespondenz zwischen Ihnen und jenem Fotografen, der auf seinem Fachkamera-Großbilddiapositiv nicht nur das Dach des Münchner Olympiastadions in einer sehr schönen Lichtstimmung fotografiert hatte, sondern Ihnen das kleine kreisrunde Wölkchen, das sich hinreichend zart im ansonsten glasklaren Abendhimmel ebenfalls auf besagter Aufnahme zeigte, als waschechtes UFO verkaufen zu wollen, so zu lesen, daß ich dabei die beiden Seiten nicht mit einem Messer hatte trennen müssen. Was tut man nicht alles zum Erhalt der Kunst? Und so ist es auch kein Zufall, daß in derselben Ausgabe ebenfalls die zerschnittenen Häuser des Künstler Gordon Matta-Clark «gefeatured» wurden. Und: Was passiert eigentlich mit einer Störung, die man durch einen Schnitt quasi «entstört»? Fühlt sich die Störung möglicherweise durch einen solchen Eingriff selbst gestört? Kann sie dann nicht mehr schlafen? Plündert sie als Konsequenz nachts die Auslagen eines WMF-Fachgeschäfts?

HQ – High Quality – Paare – Spreadsheet 2

Was Sie, lieber Rolf Müller, neben Ihrer gnadenlosen Qualitätsvernarrtheit auch auszeichnete, ist, daß man mit Ihnen eben auch jeder Zeit solche Gespräche – wie vorstehend kurz skizziert – führen konnte, ohne daß es einem dabei hätte langweilig werden können. Und jetzt? Jetzt haben Sie sich vor ein paar Tagen überraschend als Erdenbürger endgültig zur Ruhe gesetzt. Eigentlich wollte ich Sie noch für mein Portraitprojekt fotografieren. Well, sir, just to be perfectly honest with you: I am facing serious problems to cope with it. Das darf doch wohl alles nicht wahr sein. Ich hatte mich extra für Sie in die Yussuf-Karsh-Optik eingearbeitet. Es sollte eine Überraschung werden. Vor ein paar Tagen noch waren Sie als Referent auf der Website der QVED 2015 abgebildet und heute finde ich bei den Damen und Herren von der Designalliance die Nachricht, daß Sie jetzt für’s erste Feierabend machen.

Darf ich Ihnen zur seelischen Zerstreuung an dieser Stelle den ultimativen Kommunikationslösungsweg eines Malcolm McLarens vorstellen, der sich zum Zeitpunkt des Besuchs seiner Website bereits seit mehreren Monaten im permanenten Ruhestand befand?

Screenshot Website Malcolm McLaren

Meine Mail an ihn blieb bisher leider unbeantwortet. Aber vielleicht reagiert er ja auf Ihre. Restlos ausschließen ist das nicht.

Lieber Rolf Müller, alles Gute.
Ihr Andreas Baier

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Zusatzlinks:
Monographie über Rolf Müller
Interview mit Rolf Müller in «Design Culture»
Rolf Müller, der Geschichtenerzähler, der Zeichensetzer, der Systemgestalter

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Magnum Photography: «Commemoration – In Memory of René Burri»

22 Feb

ODEON – Théâtre de l’Europe:
Commemoration – In memory of René Burri

All photographs by Andreas Baier
Click on photographs to enlarge

Leica Camera AG writes: «Many of his photographs are part of our collective visual memory – without a doubt, René Burri was one of the greatest photographers of our times.» The camera company continues: «A full member of ‹Magnum Photos› since 1959, René Burri impacted 20th century photography like few others. Never satisfied with a simple form of visual documentation, the photographer was always looking for unique perspectives and aesthetically demanding solutions, resulting in multi-layered images with a spontaneous yet precise composition.»

As a happy subscriber of L’Oeil de la Photograpie’s newsletter we received an invitation we spontaneously decided to take full advantage of it: «Commemoration : In memory of René Burri» – «In memory of René Burri who passed away on October  20th, 2014, the Burri-Bischof family and Magnum Photos Agency would like to invite you to a commemoration in his honour. This tribute takes place on Monday, February 16th, 2015 at 8pm at Odéon-Théatre de l’Europe, Paris.»

Our report about this happening is based on photography, so we will now end the written part of it. Only one more thing: the evening was great, it came along with some intellectual surprises and was purposefully positioned in a quite comfortable laid-back-zone. In other words, it was Paris to best our knowledge: filled with culture and art.

Well, one more last thing: at the moment our staff-photographer seems to be on a strange visual trip as he mixes visual large-grain-habits from the 1960s with photoshop blurs in the same images. We pray to god that this period might end soon but right now we feel helpless … anyway: enjoy.

If you have eaten just one piece of these gently gleeming and very well tasting cocolate cakes and do not feel hungry for the next three days, or so, then you know that you must be in France.

We already had him here, together with Franco Fontana, 1988 in Arles.

View from the balcony to the right side.

While having done some research on the internet, seriously driven by the initial intention of infringing René Burri’s copyright through the unauthorised usage of some of his amazing photographs in this very same article, we came across some interesting links you will find in the following: Steidl | Diogenes – «Mouvement» – not published yet, PHAIDON – «Impossible Reminiscences», Moser Verlag – «Blackout New York», Das Magazin – Burris T-Shirt, Achtung Photography – René Burri: Die Deutschen, Le blog photo – «Impossibles Réminiscences» René Burri à la Galerie Esther Woerdehoff, René Burri on artnet, Edition Dino Simonett – «RENÉ BURRI, BERNER BLITZ», Edition Dino Simonett – «RENÉ BURRI, NOUS SOMMES TREIZE À TABLE», Edition Dino Simonett – «RENÉ BURRI, 77 STRANGE SENSATIONS», Leica Rumours – «Leica Hall of Fame 2013: René Burri», Visible – «René Burri: Posted In Inspiration», Real Life Is Elsewhere – «René Burri», Art & Photography – «René Burri, 1933 – 2014», The Branders – «René Burri – “I’m Not a Purist”», Delirium Magazine – «RIP. René Burri», Entre Linha – «Morre o fotógrafo René Burri», Photographers Without Borders – «Speaking through photography with René Burri», Filmsnotdead – «Remembering Magnum photographer René Burri», Photo This & That – «René Burri», Le Monde – «Portfolio: René Burri», The National – «The UAE through his lens: René Burri, 1933-2014», Michele Roohani – «René Burri, one degree of separation between me and Che Guevara», Eric Kim Street Photography Blog – «10 Things Street Photographers Can Learn From Magnum Contact Sheets», Foto Post – «René Burri: Havana, 1963»

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«What counts is putting the intensity that you yourself have experienced into the picture. Otherwise it’s just a document.» – René Burri
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Museum Angewandte Kunst Frankfurt: «German Design Award 2015»

16 Feb

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Beim «German Design Award» werden hochkarätige Produkte und Projekte aus dem Produkt- und Kommunikationsdesign, Designpersönlichkeiten und Nachwuchsdesigner, die alle auf ihre Art wegweisend in der deutschen und internationalen Designlandschaft sind, ausgezeichnet. 

Ziel des «German Design Award» ist es, einzigartige Gestaltungstrends zu entdecken, zu präsentieren und auszuzeichnen. Ein Wettbewerb, der die Designszene voranbringt. Insbesondere die Gewinner.

Aktuell hat die Fachjury des German Design Award 2015 aus 2.250 internationalen Einreichungen und jeweils 10 Wettbewerbskategorien insgesamt 20 Gold-Preisträger ausgewählt. Neben den Gold-Auszeichnungen vergab sie bis zu 10 Winner- Prämierungen pro Kategorie und ehrte weitere Arbeiten mit dem Prädikat Special Mention.

Als Wettbewerb der Wirtschaft für die Wirtschaft, der die hohe Designkompetenz der Teilnehmer unterstreicht, genießt der German Design Award hohes Ansehen in der Öffentlichkeit. Dafür sorgt auch das Renommee seines Auslobers, des Rat für Formgebung, der seit 60 Jahren das deutsche Designgeschehen repräsentiert und die Wirtschaft in allen Designfragen kompetent und nachhaltig unterstützt.

In der Ausstellung im Museum Angewandte Kunst werden alle Preisträger Gold, Winner und Special Mention der zehn Kategorien aus dem Bereich Kommunikationsdesign, sowie sechs Newcomer Finalisten und unser Ehrenpreis Personality präsentiert, der dieses Jahr an den Unternehmer Nils Holger Moormann geht.

Die Fachjury setzt sich aus dreißig Designexperten aus Wirtschaft, Wissenschaft und der Gestaltungsindustrie zusammen. Die designinteressierte Öffentlichkeit kommt mit der Vergabe eines Publikumspreises ebenfalls zum Zuge.

Am 13. Februar 2015 wurden die Gewinner während der «Ambiente» auf dem Messegelände in Frankfurt ausgezeichnet, die prämierten Arbeiten im «Museum Angewandte Kunst Frankfurt» ausgestellt. Dies sind ein paar Bildeindrücke von der Vernissage. Unser Redaktionsfotograf Andreas Baier befindet sich gerade auf dem 1960er-Jahre-Grobkornlook-Trip.

Wenn Nils Holger Moormann spricht, dann stellen viele Designkundige ihre Ohren automatisch auf die Stufe «Extralausch».

Der Chefredakteur des Magazins «form», Stephan Ott, verdeutlicht seinem Gesprächspartner anhand eines anschaulichen Beispiels das Kommunikations- und Gestaltungsprinzip «form follows function».

Andreas Baier’s brand new «Curriculum Vitae» presenting his outstanding flashlight paintings out now!

10 Feb

Cover «Curriculum Vitae» with an essay by Klaus Honnef
about Andreas Baier’s amazing flashlight paintings

To our most favourite delight, our staff-photographer’s amazing flashlight paintings are pretty much known on the international art market. In the 1990s he caused one stirr after the other; his cibachrome-based vintage prints had been published and exhibited thoughout the world, even as far as «people»-magazine in China and went additionally under the hammer at Sotheby’s – only two years after they were introduced to the market for the very first time.

Art collectors who made the decision adding them to their collections must have felt a bit hard about the idea of reselling them because for the first decade of the new millennium there was a larger break in the public awareness history of Andreas’ flashlight paintings; a gap mostly welcomed by the artist to use this marvellous opportunity to celebrating extended teatime proceedings:

flashlight painting (Blitzlichtgemälde) «Teatime»;
Cibachrome Vintageprint by Andreas Baier

Or realising other projects. Now, however, they are back on stage; are to be seen on art fairs such as the Art|Basel in Switzerland. Honouring this development and since the artist does not exhibit his work anymore, a gorgeously looking and nicely designed booklet has been freshly squeezed and pressed and published and brought to life, which is meant to provide art collectors with a proper insight into Andreas Baier‘s work and informs about the world he mentally still lives in. This catalogue also contains an essay by Prof. Klaus Honnef about Andreas Baier’s flashlight painting technique.

flashlight painting (Blitzlichtgemälde) «Cube Base» –
created on the Outer Hebrides; Cibachrome Vintageprint by Andreas Baier

In total: 72 nicely designed pages, covered in a luxurious hardcover outfit which makes not only the content worth owning it but also its price explicable: € 45,-.

ISBN 978-3-7347-5365-7

Amazon: click.
Sneak preview: here.

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HSRM: «365°»

6 Jan

Kalendermotiv «365°»

Wer unsere vier Beiträge zur «fotografischen Mathematik» gelesen hat, der ist für die korrekte Rezeption der neuesten Kalenderschöpfung namens «365°» aus dem Hause «Hochschule RheinMain» unter der Leitung von Prof. Gregor Krisztian bestens gerüstet.

Normale Kalender liefern normale Antworten: «Kalender: Wie viel Uhr haben wir?» «Drei Minuten vor Deiner Zeit» qäkt es ergebnisunorientiert zurück. Nur nichts anmerken lassen, werden sich sowohl Kalender als auch Fragesteller jetzt heimlich denken. Aber mit solchen unzeitgemäßen Spielereien, die dem vorigen Jahrhundert zuzuordnen sind, ist es jetzt vorbei. Endlich erhält die scheinbare Sinnlosigkeit einen Sinn – und wird dadurch sinnhaft. Das mag verstehen, wer will – wir auf jeden Fall!

Kalendermotiv «365°»

Ein Beispiel: Vermengen wir im Geiste das Werk Robert und Sonia Delaunays mit den Olympischen Ringen, mit den Ringen unter den Augen Margaret Thatchers, mit Zwiebelringen auf einem gegrillten Doppel-Whopper mit Käse, mit den Flugschreiberscheiben einiger schmackhafter Ringeltäubchen, so erhalten wir in grafisch gekonnt abstrahierter Form die Information, daß am 18. Januar beispielsweise der «Welttag des Schneemanns» terminiert ist, daß der 27. April mit dem «Welttag des Designs» zusammenfällt; und daß der 5. Juli der «Welttag der Workoholics» ist. Und wem das alles zu viel Welttag-Fetischismus ist, für den gibt es am 27. August den «Internationalen Einfach-so-Tag». Und der 21. Dezember ist dann als Leckerbissen für alle Freunde der gepflegten Gothic-Party gedacht: die «Gedenknacht zur Nacht». Na bitte!

Kalendermotiv «365°»

Grundsätzlich gilt: Wer näher tritt, genauer hinschaut, Formen und Farben entschlüsselt und die Randzonen um die Motive herum kritisch in Augenschein nimmt, wird feststellen: Hier handelt es sich um einen schön gemachten und fein erdachten Kalender, der gefallen, fordern und unterhalten will. Der aber auch irritiert, weil man sich ein wenig um ihn bemühen muß.

Kalendermotiv «365°»

Die irritierende Unkorrektheit «365 Grad» ist bewußt gewählt: Als
doppeldeutiger Titel für den Hochschulkalender 2015, der markante Architekturen des RheinMain-Gebietes einfach etwas anders dokumentiert und durch den ungewohnten Blick den Blick der Betrachter schärft. Typisch 365° eben.

Carolin Würfel c/o FAZ am Sonntag!

1 Dec

Thomas Höpker: «Heartland»
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In der aktuellen Ausgabe der FAZ am Sonntag (30. November 2014) wird deutlich, daß Sie unter der Überschrift «Viele Bilder und ein Zerrbild» der Versuchung, diese als Sondermülldeponie für Ihre ganz persönlichen Geistesprodukte zu mißbrauchen, nicht haben widerstehen können. Das ist bedauerlich, weil Sie mit dieser Vorgehensweise beileibe keinen Einzelfall darstellen und somit diese Unart hartnäckig dazu beitragen wird, dem sogenannten «Qualitätsjournalismus» weiterführend und in aller Nachhaltigkeit den Rest zu geben.

Zunächst wird transparent, daß Sie nicht einmal die einfachsten Grundregeln der ohnehin nicht soo sonderlich komplizierten Mengenlehre beherrschen. Merke: Nur weil auch Nazis, die nach dem Krieg unbeschadet den Entnazifizierungsprozeß durchlaufen haben und sich morgens zum Frühstück – das ist nur ein Beispiel – ein Glas Orangensaft genehmigen, heißt das noch lange nicht, daß jeder und jede, der oder die sich morgens irgendwo auf der Welt ebenfalls ein Glas Orangensaft zum Frühstück einschenkt, automatisch als Nazi oder Neo-Nazi einzustufen ist. Auch besteht für diese weltweit angesiedelten Orangensaftkonsumenten – wir sind immer noch im Beispielverfahren – in keiner Weise die Pflicht, bei jedem Schluck Orangensaft die ebenfalls mit am Tisch sitzenden Personen darauf aufmerksam zu machen, daß es nicht restlos auszuschließen sei, daß sich unter ihnen Nazis oder Neo-Nazis befinden könnten, die – Oh Gott, oh Graus – ebenfalls zum Frühstück Orangensaft trinken – und deshalb der Konsum von Orangensaft grundsätzlich zu hinterfragen sei.

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Jedem funktionstüchtigen Geist dürfte klar sein, daß das alles Schwachsinn ist, doch Sie begründen die Notwendigkeit eines solchen argumentativen Verhaltens wortwörtlich mit: «Allein aus (Selbst)schutz vor möglichen Angriffen». Quoi?

Sind wir mit unserem Beispiel durch? Leider nein, denn schließlich wird auch nicht, wir müssen das leider in aller epischer Breite durchkauen, aus jemandem, der mal in der Nachkriegszeit mit einem entnazifizierten Nazi zusammen an ein und demselben Tisch saß und beide gemeinsam Orangensaft tranken ebenfalls ein Nazi, noch wäre es legitim, ihn allein durch diesen Umstand auch nur zwischen den Zeilen in diese Nähe zu rücken. Doch genau das, Carolin Würfel, genau das tun Sie. Die Frage ist nur: «Warum?»

Ihr Vorwurf in realiter lautet: «Horst Mahnke war Nazi, Chefredakteur bei Springer und Spitzel des BND. Weniger bekannt ist, daß er auch Fotografen wie Thomas Hoepker intrumentalisierte». Aha. Und das soll jetzt die Schuld Thomas Höpkers sein, weil davon nichts in seinem hervorragenden Bildband «Heartland» steht? Die darin abgebildeten Aufnahmen entstanden 1963 als Auftragsarbeit für die Illustrierte «Kristall», dessen damaliger Chefredakteur Horst Mahnke war. Er bat den damals 27-jährigen Höpker zusammen mit seiner Frau Eva Windmöller, quer durch die Vereinigten Staaten zu reisen und darüber zu berichten. In Ihrer grenzenlosen und darob überaus eitelen Selbstgefälligkeit schreiben Sie: «Man mag ihm, dem alten Herrn Hoepker, der ‹sein› Amerika ja immer so bedingungslos geliebt hat, vielleicht sogar glauben, dass er damals nichts von Mahnkes Vergangenheit wusste, oder wie so viele, nichts wissen wollte, weil es ja vorwärts gehen sollte. Aber man ist doch schwer verwundert über die Naivität, mit der Hoepker 2013 einen Bildband publiziert mit Fotos, die unter Horst Mahnke entstanden sind und es nicht in Erwägung zieht, auch nur in einer Fußnote auf die Rahmenbedingungen zu verweisen.» And here it comes: «Allein aus Schutz vor möglichen Angriffen».

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Man mag Ihnen, der grünschnäbeligen und viel zu unerfahrenen Frau Würfel, die ihr eigenes beschränktes Auffassungsvermögen ja immer so bedingungslos liebt, vielleicht sogar glauben, daß Sie damals nichts von der Möglichkeit, sich an von der öffentlichen Hand bezahlten Bildungs- und Fortbildungsinstituten (Kindergarten, Schule, Hochschule, Universität, VHS-Benimmkurse) das nötige Rüstzeug für das spätere Leben zuzulegen, wußten, oder wie so viele, nichts wissen wollten, weil es ja vorwärts gehen sollte mit der Etablierung des eigenen geistigen Notstandes als ultimatives Maß aller Dinge. Aber frau ist doch schwer verwundert über die mangelnde Erziehung, mit der Sie einem verdienten und honorigen Thomas Höpker begegnen und es nicht mal ansatzweise in Erwägung ziehen, auch nur in einer Fußnote auf die Rahmenbedingungen für eine unterbezahlte Möchtegernjournalistin zu verweisen. Allein schon aus Schutz vor möglichen Angriffen.

Thomas Höpker, der das mit Ihnen geführte Telefonat möglicherweise als unheimliche Begegnung der dritten Art empfunden haben mag, schrieb Ihnen deshalb kurz nach Beendigung noch eine Mail, aus der Sie wie folgt zitieren: «Man kann natürlich darüber diskutieren, ob Hans-Michael Koetzle in seinem Vorwort zum ‹Heartland›-Buch die braune Vergangenheit Mahnkes hätte erwähnen sollen. Ich selbst halte das nicht für relevant in diesem Zusammenhang und mein Klassenlehrer hätte das sicher in roter Tinte als ‹Thema verfehlt› moniert.» Um es vorwegzunehmen: Wir halten das, siehe eingangs dargelegtes Orangensaft-Gleichnis, auch nicht für relevant. Insbesondere nicht, wenn die unberechtigte Kritik von einer Person kommt, deren Vita nicht erkennen läßt, daß sie jemals irgend etwas Hervorhebenswertes geleistet hätte; oder in anderen Worten: deren persönliche Lebensleistung verglichen mit der eines Thomas Höpkers schlicht gegen null strebt – womit Sie allein schon aus diesem Grunde nicht qualifiziert sind, ihn in zu kritisieren.

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Abschließend ein paar Hinweise:

a): Thomas Höpkers Nachname weist in seiner Originalschreibweise einen entsprechenden Umlaut auf.

b): Die hier abgebildeten Aufnahmen (außer Buchcover) sind nicht von Thomas Höpker sondern von Diane Arbus, und zwar auch aus der Zeit der frühen 1960er Jahre in den Vereinigten Staaten. Somit stellen die Aufnahmen Thomas Höpkers auch mitnichten ein «Zerrbild» dar, wie Sie naßforsch behaupten, sondern spiegeln ebenso wie die von Diane Arbus das damalige Erscheinungsbild der Gesellschaft in den USA wider. Was man u.a. von Höpkers Bildern beispielsweise lernen kann, so frau es denn tatsächlich interessiert, ist der unglaubliche Blutzoll, den auch die amerikanische Bevölkerung entrichten mußte, um Nazi-Deutschland in die Knie zu zwingen. Mit Anti-Amerikanismus hat das nun wirklich nichts zu tun.

c): Die Tatsache, daß auch Sie Thomas Höpkers Bilder für Ihr seltsames Geschreibsel gnadenlos instrumentalisieren, so wie Sie meinen, daß es auch ein Horst Mahnke getan hat, macht Sie, auch zwischen den Zeilen, noch lange nicht zu einem Nazi, obwohl es Kraft Ihrer eigenen Definition eigentlich so sein müßte.

d): Legen Sie dem Herausgeber-Gremium der FAZ diesen Beitrag vor – bevor wir es tun.

Und nun: Husch, husch ins Körbchen.

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Seniles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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Ralph Gibson: «Newest body of work MONO»

25 Sep

Ralph Gibson: «LampNude»
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The Leica Gallery Los Angeles presents for the first time in the United States photographer Ralph Gibson’s newest body of work MONO shot exclusively with the M Monochrom Camera. This new exhibition of 50 black and white digital prints focuses on structures, shapes and lines. Gibson will also be signing his new book MONO at the gallery and will giving a talk on his artwork on Sunday, September 28, 2014.

Jeff Dunas and Ralph Gibson
pendant «Les Rencontres Internationales à Arles» –
photo by Andreas Baier

Ralph Gibson was born in Los Angeles and first studied photography in the US Navy and at the San Francisco Art Institute. He started assisting famed photographers Dorothea Lange and then with Robert Frank, one of his greatest influences. He is well known for his love of the book arts and producing photo books. To date he has produced over 40 monographs. Ralph was hired by Bottega Veneta to photograph supermodels in Milan, Italy for their Fall 2013 ad campaign.

via L’oeil de la Photographie.

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Comments switched off
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Ansgar Nierhoff: «cielo et terra»

11 Aug

Ansgar Nierhoff: «Cielo et terra» (Himmel und Erde), 1986,
 vier Streckungen, ein Schwert, ein Würfel, Stahl, Höhe 450 cm

Foto von Andreas Baier
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Auszug aus einem Nachruf über Ansgar Nierhoff: «‹Nicht die Masse darf bestimmen, was Kunst ist›, sagte Nierhoff damals. In Lüdenscheid rettete ein Lokalreporter der ‹Westfälischen Rundschau› 2002 eine Edelstahl-Plastik Nierhoffs vor der Verschrottung – das Kunstwerk baumelte bereits in den Zähnen eines Schrottbaggers, als der Journalist den Vandalismus bemerkte.»

Die Arbeit «cielo et terra» des KŸünstlers Ansgar Nierhoff auf der INSEL im Salzgittersee ist fester Bestandteil des Kulturprojektes «KUNSTŸüberall» der Stadt Salzgitter, das von Alexander Baier bis 2003 initiiert und verantwortlich geleitet wurde.

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Kommentarfunktion auf Bitten von Greenpeace deaktiviert.
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Croissants D’Amour: «Je suis un poème»

3 Aug

«Croissants D’Amour» – flashlight painting by Andreas Baier
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Je suis un poème parce que je t’aime.
La lune est ma tribune, la lagune bleue
et je veux te dire que tu es mon plaisir.
Tu es la crème sur ma glace,
le système de mon future en masse,
le foie gras, voilà, les brunes
dans mon cendrier à Montparnasse,
les allées comme les Champs-Élysées
qui sont les traces de mes sentiments
et les pigments sur ma peinture de toi.

Tu es la place dans mon cœur et je suis sûr
que l’odeur de ta nature est la cure parfaite pour moi.
Ton intellect est direct comme celui d’un roi
mais trois fois plus. Ce soir je prends le bus
pour voir ta lumière pour la première fois.

Tu es le miroir de Juan Miró, un château de la Loire,
mon gâteau du soleil et très mignone, mon appareil
de téléphone qui me réveille et la Sorbonne dans ma tête.
Ce soir je prends une bicyclette
pour voir ta lumière pour la première fois.

Je crois que les mois d’été sont préparés
pour les jouir devant les cafés
des Grandes Halles de Paris
comme Jacques Tati ou Braque, compris?
Je suis un poème parce que je t’aime.

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Sensitive topic. Therefore comments off.
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Vera Ršöhms «Ergänzung» auf der INSEL im Salzgittersee

31 Jul

Fotos von Andreas Baier
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Eine Stele der Künstlerin Vera Röhm aus ihrem Zuyklus «Ergänzungen» auf der INSEL im Salzgittersee. KUNSTüberall ist ein Kulturprojekt der Stadt Salzgitter, das von Alexander Baier bis 2003 initiiert und verantwortlich geleitet wurde.

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Kommentarfunktion auf Bitten von Greenpeace deaktiviert.
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Andreas Baier: «Digital Paintings – Volume 3»

31 Jul

Title: Rothko at Guggenheim
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Recently, an art collector introduced the artist to his guests: «You better should not try to analyse whether Andreas Baier‘s digital paintings are driven by the power of modern Romanticism, late Expressionism, the Renaissance, neo-Catholicism or a pop art culture that impressionismly refuses to say bye-bye. It is much more important to know that since the new millennium the artist neither does exhibitions nor does he enter aeroplanes – both by principle reason».

The artist Andreas Baier proudly presents his brand new brochure «Digital Paintings – Volume 3». A little bit more than seventy digital paintings are ready to take you on an unforgettable journey through the history of art.

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Comments disabled.
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Yoshi Karoshi: «Honeybees Are Our Fashionable Future!»

30 Jul

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London based advertising agency hamster&james – famous for its polarising communication skills – has just launched a brand new but highly sophisticated campaign following its own rule #1 saying that nothing is better than anything but worse than mediocrity – a statement especially designed to make competitors in the advertising business nervous. And nervous they are.

The clients from the Japanese fashion label Yoshi Karoshi, however, are focused on their mission: not to only promote their top-quality brand but to also protect and to save our beautiful world. Jonathan James, the agency’s proud account manager of the year, points out that only if the human race learns how to live and think as honeybees then both species have a chance to make it into a bright and sunshine-esque future, otherwise they will be sentenced to die a most dreadful death.

Consequently, this campaign will not be spread the mainstream way, as the Executive Creative Director Hale Bodenkamp explains to us: «We go to the people and talk to them personally – wherever they live: in trains, cars, restaurants, under the rooftop and in hotel rooms, of course. Make sure you never ever catch them at home – they don’t like that. And all you have to do then is to show them the ad. Basically that will do – as long as you think in long-term terms».

The fashion company’s CEO Sushimushi Yuwarikana confirms that they have already hired some 400.000 hand-out-workers in order to make this distinctive goal-approach work. And she adds: «This is the biggest challenge in our company’s history!» Easy to believe.

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Sensitive topic. Therefore comments off.
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Stephan Kern: «1988, Stahl, Marmor, mehrteilige Arbeit»

30 Jul

Fotos von Andreas Baier
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Ende 1988 war die Bundeswehr im Rahmen einer Übung mit ihrem Heeres Lastenhubschrauber dabei behilflich, auf der INSEL im Salzittersee eine sechsteilige und ziemlich schwere Arbeit des Künstlers Stephan Kern aufzubauen. Repräsentiert wird Stephan Kern von der Galerie Wittenbrink. Initiiert und verantwortlich geleitet wurde Projekt KUNSTüberall der Stadt Salzgitter von Alexander Baier.

Die Bundeswehrübung war beendet, der Hubschrauber packte seine Sachen und flog zurück zu seinem Standort. Vorne rechts eine Arbeit aus Carrara-Marmor des Bildhauers Michael Schoenholz.

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Kommentarfunktion auf Bitten von Greenpeace deaktiviert.
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Travelling back into 1988: «Rencontres Internationales de la Photographie à Arles»

29 Jul

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All photographs by Andreas Baier

The most exciting party pendant Les Rencontres Internationales de la Photographie à Arles is the one given by Luc Hoffmann’s family out there deep in the Camargue.

The atmosphere is hot, dry and somewhat cool. And so is the music: The Gipsy Kings, living in Arles anyway, sit in the shadow and play their guitars as if nothing special. Everything and everybody is completely relaxed. Music, food, dance, music, food, dance, and so on:

If someone of our readers could figure out the Chinese photographer’s name we would be more than just happy! All we remember is that his work which was exhibited during the «Rencontres» was simply stunning.

The two photographers Guy Le Querrec and Franco Fontana were celebrating nothing but pure happiness. Was Franco kindly asked to leave his hands above Guy’s belt? Both have been freshly recognised as trusted holiday representatives and were featured on L’oeil de la Photographie.

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Thomas Höpker: «Ansichten eines Reporters»

29 Jul

Photographs by Andreas Baier
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On October 31st in 1987 Thomas Höpker’s exhibition «Ansichten eines Reporters» had its vernissage in the famous Rubens-town Siegen. Our staff-photographer Andreas Baier could not resist documenting this event with his camera. We have already featured one picture of this series here; including some information about Thomas Höpker’s CV and where to purchase prints of his fantastic work best as well. Thomas Höpker is still the only German photographer who joined the legendary photo-agency Magnum Photos based on a «full membership», which he also ran from 2003 until 2007 as its president.

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Johann Joseph Wolfgang Beuys von Goethe: «FLUXUS geschieht nicht auf glatten, gewšöhnlichen Wegen – OCCUPY FLUXUS!»

28 Jul

Foto von Andreas Baier
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Weitere Fotos von dieser schönen Veranstaltung gibt es hier zu sehen.

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Eva Beuys, Sie eingefleischte Kannibalismuskritikerin!

28 Jul

Hommage à Joseph Beuys
mit dem Titel: «Knäckebrot nach 48 Stunden morgens»
flashlight paintings by Andreas Baier

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Eigentlich dachten wir ja, Sie seien nach Ihrer Schlappe vor dem BGH und der aufmerksamen Lektüre unseres kleinen Besinnungsfotoaufsatzes bezogen auf die aktuelle Ausstellung im ZKM «Beuys Brock Vostell» – zumindest was Ihre legendäre Prozeßfreudigkeit angeht –, irgendwie etwas ruhiger geworden, aber mitnichten: «Man hat meinen Mann in der Öffentlichkeit lächerlich gemacht», so werden Sie wortwörtlich auf dem Portal von RP-Online zitiert.

Doch was war passiert? Ganz einfach: Die drei Künstler Andree Korpys, Dieter Schmal und Markus Löffler haben in einer künstlerischen Aktion im Düsseldorfer Museum Kunstpalast laut art – Das Kunstmagazin aus den über 30 Jahre alten Margarineresten einer der berühmten Fettecken Ihres Mannes Joseph mit einer Apothekerdestille erst 80-prozentigen Alkohol gebrannt und diesen dann zu etwa vier Litern 50-prozentigem Schnaps verdünnt – und sodann einen kleinen Teil davon sogar andächtig selbst verinnerlich, sprich: getrunken. «Der Geschmack», so einer der drei an dieser Aktion beteiligten künstlerischen Entscheidungsträger, «erinnere ein bißchen an Parmesan».

Die Vorgeschichte: Im Jahre 1982 bringt Joseph Beuys in seinem Atelier, Raum 3 der Düsseldorfer Kunstakademie, auf Bitten seines Schülers Johannes Stüttgen dort eine Fettecke an, die jedoch, wie das mit Beuys-Werken schon häufiger passiert ist, 1986 vom zuständigen Hausmeister als Müll erkannt und in dem aus seiner Sicht zuständigen Eimer entsorgt wird. Stüttgen rettet die Überreste und lagert sie im Keller seines heimischen Reiches. Außerdem erstreitet er vor Gericht einen Schadenersatz von DM 40.000,-, womit juristisch bereits geklärt sein dürfte, daß die hier gegenständlichen Beuyschen Fetteckenüberreste keinen Status mehr als Kunstwerk genießen und somit auch nicht den besonderen Schutz des Urheberschutzgesetzes.

Hommage à Joseph Beuys
mit dem Titel: «Knäckebrot nach 48 Stunden mittags»

Ihre freimütige Selbstauskunft klingt so: «Beim Anblick des Schnapsfläschleins, auf dessen Etikett der Name meines Mannes steht, ist mir der Scheck, quatsch, Shreck in die Glieder gefahren.» Really? Außerdem seyen Sie zutiefst aufgewühlt und legen, weil dem unvermeidlicherweise so zu sein hat, nochmals gehörig ein anständiges Schippchen Tobak obendrauf: «Das ist der Akt des Kannibalismus, der nicht zu Beuys und seine Kunstauffassung paßt. Niemand hat bis heute die Fettecke meines Mannes verstanden».

Puh, mit dieser unzutreffenden Analogie haben Sie sich tief in die Ackerfurchen eines ganz besonderen und hoch deliziös-religiösen Disputes katapultiert, den schon die Sponti-Fraktion der 68er-Bewegung spaßeshalber gerne mit kirchlichen Traditionalisten führte: «Erfüllt der Verzehr einer gewandelten Hostie den Tatbestand des Kannibalismus?

Um diesem Gedankengang jedoch mit einiger Berechtigung Gehör verschaffen zu können, ist es zwingend erforderlich, daß ein – wie auch immer zubereiteter – menschlicher Körper zum Verzehr zur Disposition steht. Also: Jesus, ein Mensch aus Fleisch und Blut, verstirbt, fährt auf in den Himmel und seine Jünger sowie etwas später alle sich dem christlichen Glauben Zugetane verzehren kleine Brotstücken, denen zuvor ein katholischer Geistlicher eingeredet hat, in aller Tatsächlichkeit das Fleisch Christi zu sein.

So ißt die Grundlage, um überhaupt von Kannibalismus reden zu können, wir wiederholen uns: menschliches Fleisch und Blut. Und nicht etwa ranzige Margarinereste. Denn im logischen Umkehrschluß behaupten Sie mit Ihrem Kannibalismus-Margarine-zu-Schnaps-Vergleich nichts anderes, als daß Ihr verstorbener Mann Joseph zu Lebzeiten aus nichts anderem bestanden habe, als aus Margarine, dessen Verfallsdatum schon lange hinüber war. Und so erklärte Ihnen Museumschef Beat Wismer konsequenterweise und der Logik folgend am Telefon: «Wir haben die Reste einer zerstörten Fettecke von Beuys destilliert. Wir haben keinen Beuys destilliert.» Oder, um extra für Sie und zu Ihrem besseren Verständnis ein weiteres Beispiel zu bemühen: Angenommen eine Gruppe geistig zart überspannter Pilgerer schickte sich an, gemeinsam das weltberühmte Leichentuch von Turin zu verspeisen, so wäre dieser Vorgang möglicherweise als Gotteslästerung, Reliquienschändung oder ganz schlicht als Sachbeschädigung zu werten, keinesfalls jedoch – und da sind auch wir uns als Nichtjuristen ziemlich sicher – wäre durch den Stofftuchverzehr der Tatbestand des Kannibalismus erfüllt. Und auch dann nicht, wäre das Turiner Leichentuch zuvor destilliert worden, um in den zusätzlichen Genuß eines leichten Parmesangeschmacks zu kommen. Ganz bestimmt nicht.

Hommage à Joseph Beuys
mit dem Titel: «Knäckebrot nach 48 Stunden abends»

Worauf Sie natürlich hinauswollen, daß ist die Gleichsetzung Ihres toten Mannes mit Gott – schon klar. Aber Sie sollten das unseres Erachtens nicht zu laut sagen, denn andernfalls könnte man möglicherweise zu dem Schluß kommen, daß Sie, nun ja, vielleicht ein bißchen verrückt sind. Wir können uns nicht vorstellen, daß Sie das allen Ernstes wollen.

Apropos Gott und Definition: Auf Bazon Brocks Denkerei-Startseite ist ein Foto zu sehen, das auf einer der Denkerei-Fensterscheiben eine Formel nach Friedrich Schlegel präsentiert und die sich mit dem «poetischen Ideal, mit Gott sowie mit einem Term beschäftigt, der im wesentlichen auf der mathematisch unzulässigen Teilung durch Null basiert» auseinandersetzt. Zur Erläuterung heißt es dort begleitend: «Formel für das poetische Ideal nach Friedrich Schlegel • 1/0 steht für ‹unendlich groß›; F=Fantastik, S=Sentimentalität und M=Mimik. Gestaltung: Adler & Schmit, Berlin 2011». Und falls Sie tatsächlich unserer Empfehlung folgen sollten, sich etwas näher mit dieser Formel auseinanderzusetzen, so halten wir den Besuch der Seiten Der mathematische Sinn der Null sowie Stupedia mit dem Artikel Durch 0 teilen ebenfalls für ratsam. Jedenfalls würden Sie sich damit etwas Abwechslung verschaffen, ohne sich zu sehr vom Thema zu entfernen, denn auf der Stupedia-Seite heißt es u.a.: «Physiker sind bekanntermaßen etwas eigen. So ist das ‹Durch Null teilen› in der Physik seit Langem ein beliebter Weg, um das Unendliche zu beschreiben. Der den Physikern feindlich gesinnte Stamm der Mathematiker verklagte somit die Physiker und forderte ein striktes Verbot des ‹durch Null teilens›. Derzeit ist ein Ergebnis der im Geheimen verlaufenden Verhandlungen noch nicht abzusehen.»

Abschließend zitieren wir abermals aus RP-Online: «Als der Direktor des Museum Kunstpalast, Beat Wismer, vor Monaten bei Johannes Stüttgen anfragte, ob er das Fett für eine alchemistische Aktion hergeben würde, tat er dies. Zu den Künstlern, die im Verlaufe einer Performance die Reste zu Schnaps destillieren und in ein Glas mit Etikett füllen wollten, hatte er Vertrauen gefasst. ‹Die Umwandlung in einen anderen, befreiteren Aggregatzustand stand jetzt in Aussicht›, sagt Stüttgen und nennt den Vorgang einen ‹Fingerzeig des Himmels›. Er würde sich freuen, wenn die Idee der sozialen Plastik von Beuys durch eine solche Aktion wieder zum Tragen käme. Etwas schon einmal Zerstörtes, das er aus einem Putzeimer in der Akademie geborgen hatte, sagt Stüttgen, würde aus seinem ‹würdelosen Zustand befreit und macht mit Blick auf Beuys Sinn›.»

Hommage à Joseph Beuys
mit dem Titel: «Knäckebrot nach 48 Stunden nachts»

Well, sicherheitshalber geben wir Ihnen noch diesen Link zur STIFTUNG |7|0|0|0 EICHEN an die Hand. Dort erfahren Sie alles über eine ganz bestimmte Joseph-Beuys-Performance während dieser Ihr ehemaliger Göttergatte eine massivgoldene Replik der Zarenkrone Iwans des Schrecklichen öffentlich einschmolz und in einen Friedenshasen umwandelte. Wir zitieren: «Beuys hatte die Grundprinzipien seiner ‹Theorie der PLASTIK›, bezogen auf die drei Aspekte ‹Chaos – Bewegung – Form› (die schon bei Paracelsus als ‹sulphur – mercurius – sal› auftreten), diesmal nicht am Fett, sondern am Gold vorgeführt; herausgekommen war der Hase, das Tier, das er Zeit seiner Aktionen immer wieder als Zeichen der Liebesverbindung von Himmel und Erde, der Beweglichkeit und des Friedens, sowie des Zusammenhangs von Ost und West (EURASIA) eingesetzt hatte. Und aus dem noch restlichen Gold goß er eine kleine Sonnenkugel.»

Und mit Bezug auch auf Hochprozentiges wird Joseph Beuys wie folgt zitiert: «Es kommt alles auf den Wärmecharakter im Denken an. Das ist die neue Qualität des Willens

Mit Rechtsanwalt Prof. Dr. Peter Raue haben Sie einen Top-Mann zur Wahrung Ihrer rechtlichen Interessen beauftragt – und das ist sehr gut so. Schließlich ist er nicht nur ein erstklassiger Jurist, er bringt dank seines ausgeprägten Kunstsachverstandes zudem jenes zwingend notwendige Wissen mit, daß neben der Erörterung formaler juristischer Fragestellungen auch dabei behilflich sein wird, einen Weg zu finden, den künstlerischen Intentionen und dem Werk Ihres Mannes nach allen Richtungen hin gerecht zu werden.

Sehr verehrte Eva Beuys, es liegt uns fern, Sie abzukanzeln oder uns über Sie lustig zu machen. Es ist nur so, daß, wenn Sie so weitermachen, niemand mehr etwas mit Ihnen und dem Werk Ihres Mannes zu tun haben wollen wird. Oder heißt es «… wird zu tun haben wollen?» Oder gar: «… zu tun haben wird wollen?» Sie sind doch Lehrerin, helfen Sie uns bitte!

Mit freundlichen Grüßen
Ihre Meerschweinchenreportredaktion

***UPDATE – 1. August 2014***

Wie das Fakten-Magazin Focus berichtet, wurde vor wenigen Stunden zwischen beiden Parteien eine außergerichtliche Einigung erzielt: «Beide Seiten vereinbarten eine Änderung der Angaben auf dem Etikett der Schnapsflasche: Statt ‹Joseph Beuys, Reste einer staatlich zerstörten Fettecke› soll hier nun stehen: ‹Geist. Reste der zerstörten Fettecke von Joseph Beuys (1982, Raum 3, Staatliche Kunstakademie Düsseldorf. Edition 1-16, Korpys/Löffler/Schmal 2014, 50 % Vol)›.» Na bitte, es geht doch!

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Bogislav von Wentzel: «Walter Stöhrer»

26 Jul

Fotos von Andreas Baier
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Der DüŸsseldorfer Galerist Bogislav von Wentzel präsentierte auch auf der Art|Basel im Jahre 1990 beeindruckende Arbeiten des KüŸnstlers Walter Stšöhrer.

Walter Stöhrer im Mannheimer Kunstverein (1981)

Ganz zu Beginn seines beruflichen Werdeganges, also noch zu Schulzeiten, machte sich unser späterer Redaktionsfotograf Gedanken über das «lästige hin und her mit dem Schafstellen» und wie man diesen Vorgang «in seiner Komplexität reduzieren oder am besten gleich beseitigen» könne. Bei der Entwicklung seiner These, daß man bei der Aufnahme auf das genaue Schafstellen verzichten könne, weil sich dies «später im Fotolabor am Vergrößerungsgerät bequem nachholen ließe», war ihm eben jene Beobachtung im Fotolabor, wonach dort das bereits entwickelte Negativ in der Vergrößerungsbühne auf das Fotopapier «ja auch schaf gestellt wird», behilflich.

In dieser glücklicherweise nur sehr kurzen Schaffensperiode, in dem unser Mann fürs grobe Korn sein «Prinzip der vereinfachten Fokussierung» leidenschaftlich zur Anwendung brachte, entstand im Jahre 1981 auch das vorstehend abgebildete Portrait des Künstlers Walter Stöhrer anläßlich einer Ausstellung mit seinen Werken im Mannheimer Kunstverein.

Ein Blick in die Vita Walter Stöhrers zeigt, daß er 1961 seine erste Ausstellung in der Mainzer Galerie Baier hatte. Die Überschrift der Kritik zu dieser Ausstellung lautete «Stöhrer mit Störungen». 1984 wurde er dann auch von Adrien Maeght ausgestellt.

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