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Fluxus-Dada-Dokumente unserer Zeit: Letter from «Raoul Hausmann to Wolf Vostell» | und ein Brief von «Wolf Vostell an Hans Alexander Baier» (1967)

11 Aug

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20th February 1967
Raoul Hausmann
6 rue Neuve St.Etienne
87 Limoges | France

Dear Wolf Vostell,
Thank you so much for your kind letter. I am very happy that you are such a clever boy. But you must know; I am not in good terms neither with Hulbeck, nor with Hoech, who have distributed false news about my work and me.

I send you herewith a very bad photograph from two of my posters from the Internationale Dada-Messe, Berlin 1920. They have had 70 x 90 cm and have been partly dé-collages. I send you my article “Synthetisches Cino der Malerei”, which I wrote in April 1918 and that had at first the title “Das neue Material in der Malerei”.

I shall send you texts in some time.

Last week the Hessische Rundfunk turned here with me a documentary about my work and my means concerning Dada.

heartiliest yours
Raoul Hausmann

P.S.:
I invented 1) Fotomontage
2) Decollage (*1)
3) Sound (letter) poem
4) Optophone

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26.2.67

Lieber H. A. B.
(1) Hier noch eine Fotokopie von einem neuen Hausmann Brief. Der Abdruck würde ihn, glaube ich, verärgern; er ist halt alt und senil (*2). Es ist ja auch ein persönlicher Brief, den ich Ihnen aus Vertrauen zeige.

(2) Es erschien ein Desinformationsblatt (*3) für die Presse von Stünke. Rywelski hat es leider verlegt, – er hat sich bemüht bei Stünke, aber es gibt keine Blätter mehr. Es waren aber nur 18 Galerien aufgeführt, die Sie ja aus der Zeit kennen. Im Stadtanzeiger stand jedoch 20. Es sind aber nur 18 bis jetzt. Journalist Rywelski, 5 Köln, Lützowstr. 33 könnte genauer darüber berichten (Termin etc.) oder recherchieren. Die Mühlheimer Stadthalle ist große Klasse für eine Gegenausstellung und wahrscheinlich umsonst, da immer irgendwelche Ausstellungen dort sind.

(3) Anbei eine kleine Partitur, die meinem New Yorker Buch beiliegt.

(4) Künstlerisch würde ich alles für eine Mappe bei Ihnen hergeben – 10 Blätter; das wäre toll. Die Sache muß aber vorfinanziert werden, d.h. Papier, Buchbinderei, Drucker, Arbeitshonorar. (*4)

Ganz herzlich
Ihr Wolf Vostell

P.S.:
Ich mache zur Kunstmesse ein Manifest über die Avantgarde in Köln, die nicht von den Galerien vertreten wurde. Stockhausen etc. (Mary) Bauermeister, (Haro) Lauhus, Vostell, Schmit etc. Dank FLUXUS.

 

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Erläuternde Fußnoten
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(*1) Raoul Hausmann wird von der Kunstgeschichte mit der «Décollage» tatsächlich nur peripher in Verbindung gebracht.

(*2) Raoul Hausmann schrieb den hier gegenständlichen Brief an Wolf Vostell ca. vier Jahre vor seinem Tod. Der österreichisch-deutsche Dadaist war bekannt dafür, die letzten Jahre seines Lebens am Mittagstisch rohe Hühnereier und kleine quadratische Seifenstückchen aus der Rue St. André des Arts mit entsprechend wiederkehrendem Ergebnis abwechselnd zu stapeln. Möglicherweise bezog sich Wolf Vostells Hinweis «alt und senil» auf diesen Umstand.

(*3) Hieraus entwickelte sich eine klar strukturierte Meinungsverschiedenheit zwischen dem Kölner Galeristen Hein Stünke und dem Mainzer Verleger Hans Alexander Baier. Der Spiegel schrieb: «Dem deutschen Kunsthandel, so fürchtet der Mainzer Verleger und Galerist Hans Alexander Baier, 31, droht die Herrschaft eines Kartells. Ein Richterspruch soll das Unheil abwenden. Beim Verwaltungsgericht Köln beantragte Jurist Baier letzte Woche, den ‹Verein progressiver deutscher Kunsthändler› aus dem Vereinsregister streichen zu lassen. Begründung: Das Ziel des Zusammenschlusses laut Satzung ‹die Förderung des Interesses an zeitgenössischer … Kunst und die Förderung des Handels mit solcher Kunst› – sei nur vorgeschoben, um einen in dieser Rechtsform unzulässigen ‹wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb› zu tarnen. Gesetzwidrige Camouflage traut Baier, der einst in seiner Geburtsstadt Bremen ‹die Sitten ordentlicher Kaufleute kennengelernt› hat, einem Kollegenbund zu; die Mitglieder des beklagten Vereins, der im November letzten Jahres eingetragen wurde, sind 18 mit moderner Kunst handelnde Galeristen aus der Bundesrepublik und West-Berlin. Vorsitzender: der Kölner Hein Stünke, 53 (Galerie ‹Der Spiegel›)». Der komplette SPIEGEL-Bericht.

Im Zuge dieser Auseinandersetzung protestierten auch Joseph Beuys, Klaus Staeck und Wolf Vostell gegen die Zulassungsbeschränkungen der Kölner Messe für zeitgenössische Kunst. Am Eröffnungstag der Messe klopften sie lautstark gegen die Glastüren der Josef-Haubrich Kunsthalle, die Rudolf Zwirner kurz zuvor mit einem Balken verschlossen hatte, und begehrten Einlass. Die Aktion richtete sich gegen die Exklusivität der Kunstmesse und konnte diese am Ende auch brechen. Der Kölner Kulturdezernent Kurt Hackenberg öffnete selbst die Tür, und Joseph Beuys sagte: «Ein neues Zeitalter hat begonnen.» Die Aktion lautete «Wir betreten den Kunstmarkt».

In letzter Konsequenz war das Kölner Kunstmarktkartell spätestens durch die Art|Basel, die nur wenige Jahre später ihre Pforten öffnete, auf ganzer Linie gebrochen. Der Galerist Max Magenbrodt ließ sich sogar von Beuys eigens einen Sarg an den linken Fußknöchel nageln – was Uecker wiederum sauer aufstieß. Außerdem gelang es dem Kartell nicht, ihren Sammlern vorzuschreiben, in welcher Galerie sie einkaufen sollen – und in welcher nicht. Rubrik: Was Menschen eben so alles anstellen, wenn der Tag lang ist.

(*4) Es wurden dann insgesamt drei Grafikserien je vier verschiedener Blätter. Darunter «Olympia I-IV» und «Vietnam Sinfonie». Meerschweinchenreport berichtete hier.

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Johann Joseph Wolfgang Beuys von Goethe: «FLUXUS geschieht nicht auf glatten, gewšöhnlichen Wegen – OCCUPY FLUXUS!»

28 Jul

Foto von Andreas Baier
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Weitere Fotos von dieser schönen Veranstaltung gibt es hier zu sehen.

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Klaus Staeck: «Arte Postale in Pirmasens»

22 May

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Die Bilder zum Vergrößern bitte anklicken

Am Sonntag, den 18. Mai 2014, eröffnet Akademie-Präsident Prof. Klaus Staeck im Forum ALTE POST in Pirmasens die Ausstellung «Arte Postale – Bilderbriefe und Künstlerpostkarten». Die Akademie stellt in Pirmasens nicht nur Kostbarkeiten aus ihren Archivbeständen und Mail Art aus ihrer Kunstsammlung vor, zu sehen sind zudem Künstlerpost aus der Sammlung Staeck, etwa von Joseph Beuys, James Lee Byars, Daniel Spoerri, Christo, Hanne Darboven, Rupprecht Geiger, Keith Haring, A. R. Penck, Sigmar Polke, Emil Schumacher, Wolf Vostell und Andy Warhol. «Arte Postale» bietet mit rund 300 Exponaten ein weites Spektrum und präsentiert, teils in ungewöhnlichen Formaten, sowohl klassische Bilderbriefe als auch Mail-Art-Sendungen aus aller Welt sowie Postkartenentwürfe von zeitgenössischen Künstlern.


Die von Dr. Rosa von der Schulenburg kuratierte und durch die Deutsche Post DHL geförderte Ausstellung war vom 30. August bis zum 8. Dezember 2013 in der Akademie der Künste, Berlin, zu sehen. Sie wandert nun in reduzierter Form nach Rheinland-Pfalz und wird dort durch eine Auswahl an Text- und Zeichenbotschaften des Pfälzer Dada-Literaten Hugo Ball aus dem Besitz der Stadt Pirmasens ergänzt gezeigt.

Für die auch unter intellektuellen Gesichtspunkten fordernde musikalische Umrahmung zeichnet der Schweizer Alphornist Balthasar Streiff (Abbildung oben) verantwortlich.

Im Gespräch: Der Oberbürgermeister der Stadt Pirmasens Dr. Bernhard Matheis mit Ingeborg Karst-Staeck und dem Präsidenten der Akademie der Künste, Berlin, Prof. Klaus Staeck (v.l.n.r).

Dem Alte Post-Kurator und Leiter des Kulturamts der Stadt Pirmasens, Jörg Meißner, gelang es, die wertvollen Postkarten-Exponate aus Berlin nach Pirmasens zu holen.

Bestand die musikalische Eingangsliturgie (Bild 1) aus einer gelungenen Verschmelzung der beiden kompositorischen Grundausrichtungen Georg Philipp Telemanns einerseits sowie Karl-Heinz Stockhausens andererseits, so werden die Ausstellungsbesucher nun mit nicht nur gefühlten sondern höchstwahrscheinlich auch tatsächlichen 2000 bis 2500 Vokabeln bombardiert, konfrontiert, vertraut gemacht, umworben, beschossen, geistig bemuttert und bewürzt, kompromitiert, umgarnt, geschult, oder gar zwangsverkenntnist, die überall auf der Welt und in den unterschiedlichsten Sprachen für das Wort «Alphorn» stehen.

Schließlich unterweist der Schweizer Alphorndadaist Balthasar Streiff sein Publikum in die hohe Kunst der Beschaffung adäquater Alphornmundstücke, werden diese doch bevorzugt aus den Oberschenkelknochen tibetanischer Mönche gefertigt, weshalb es immer mal wieder «zu dramatischen Lieferengpässen kommen könne».

Klaus Staeck wuchs in der Industriestadt Bitterfeld auf, wo er den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 hautnah erlebte. Konsequenterweise wechselte er in den Westen, wo er von 1957 bis 1962 sowohl in Heidelberg, in Hamburg als auch später in Berlin Jura studierte. Ausgelöst durch die Spiegel-Affäre organisierte Klaus Staeck in Heidelberg 1962 seine erste politische Demonstration. 1968 erhielt Staeck seine Zulassung als Rechtsanwalt in Heidelberg und Mannheim. Seit Anfang der 1970er Jahre ist er auch als Grafiker im Bereich der Politsatire in der Tradition John Heartfields tätig. Nach Wikipedia umfaßt sein Hauptwerk bislang rund 300 Plakate, die größtenteils aus Fotomontagen sowie eigenen ironischen Textergänzungen bestehen. Zur Bundestagswahl 1972 kreierte er beispielsweise sein Plakat «Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen». Es erreichte eine Druckauflage von 75.000 Exemplaren.

Eine seiner durch diese besondere Form des kontinuierliches Arbeitens entstandene Erfolgsbilanzen: Bis heute wurde insgesamt 41mal erfolglos versucht, Plakate und Postkarten aus seiner Feder juristisch verbieten zu lassen.

Die in dieser Ausstellung gezeigten Künstlerpostkarten sind in vielen Fällen nicht nur Kunst um der Kunst willen. In der DDR und den südamerikanischen Diktaturen waren sie, als Mail-Art bezeichnet, eine wichtige subversive Kommunikationsform, um staatliche Kontrollinstanzen effizient zu unterlaufen und politische sowie soziale Solidargemeinschaften erfolgreich zu bilden. Daß staatliche Überwachungseinrichtungen mit diesen inhaltlich offensichtlich sinnlos erscheinenden Postkarten ihre Deutungsprobleme hatten, belegen entsprechende Auszüge aus Stasi-Akten, die den ausgestellten Exponaten beigestellt sind.

Dr. Rosa von der Schulenburg, Leiterin der Kunstsammlung der Akademie der Künste, betont wie wichtig für Fluxus- und Konzeptkünstler und viele andere Kunstschaffende die Postkarte als künstlerisches Medium und von welcher generellen kommunikativen Bedeutung für Künstler der Austausch von Bildern und Worten per Post war und ist.

Aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind u. a. Werke von Lyonel Feininger und Max Pechstein zu sehen. Die Darstellung der Geschichte der Künstlerpost setzt sich in chronologischer Folge und thematisch geordneten Kapiteln fort. Zu den zahlreichen gezeichneten, gemalten, collagierten, druckgrafisch oder typografisch bemerkenswerten Postsendungen zählen ebenso Briefe berühmter Architekten, Literaten und auch Regisseure. Darunter finden sich aquarellierte Briefkarten von Sarah Kirsch, Farbholzschnitte von HAP Grieshaber, einfühlsame Liebesbriefe von Paran G’Schrey, Bildnotizen mit Grüßen von Einar Schleef oder des begnadet gestörten Robert Wilson.

Sprechen wir von «begnadet gestört», so ist dies eine kreative Eigenschaft, die mit einiger an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch bei dem Schweizer Alphorndadaisten Balthasar Streiff festzustellen sein wird. Wer auch immer für die Idee, diesen «Irren» für seine kongeniale Performance einzuladen, verantwortlich zeichnet, dem ist mit dieser Maßnahme ein kleiner Geniestreich gelungen.

Klaus Staeck steht den zahlreichen Vertretern der Presse Rede und Antwort.

Die Ausstellung ist auch räumlich in zwei große Bereiche aufgeteilt. Im Poissy-Saal bekommt die «Arte Postale» auch einen regionalen Bezug mit Postkarten und handschriftlichen Dokumenten von Hugo Ball und Emmy Ball-Hennings, die aus dem Fundus des Ball-Archivs stammen.

Der Rheinberger-Saal beherbergt die mit Mail-Art bezeichnete Post von Konzeptkünstlern und dem Umfeld des Fluxus, einer Kunstrichtung, die sich ähnlich wie der Dadaismus in der Literatur als Angriff auf die etablierte Kunstwelt versteht. Darunter finden sich auch Entwürfe und Postkarten der Herren Joseph Beuys, Jonathan Meese oder Dieter Roth, die Klaus Staeck in seiner Postkarten-Sammlung zusammengetragen und editiert hat.

Zu vielen Exponaten gibt es Erläuterungen zum Umfeld ihrer Entstehung. Etliche werden in speziellen Vitrinen präsentiert, sodaß sie beidseitig betrachtet werden können. Der Katalog zur Ausstellung, kuratiert von Dr. Rosa von der Schulenburg unter Mitwirkung von Jörg Meißner, ist zum Preis von 20 EUR im Museumsshop des Forums ALTE POST erhältlich. Daneben gibt es eine eigene Postkarten-Edition mit Reprints ausgewählter Motive aus der Ausstellung inklusive einer hierfür von Klaus Staeck gestalteten Postkarte.

Öffentliche Führungen (ohne Anmeldung):
Jeden 1. Sonntag im Monat, 11.00 bis 12.00 Uhr
Jeden 3. Dienstag im Monat, 16.00 bis 17.00 Uhr

Öffnungszeiten:
Di. bis So. von 11.00 bis 18.00 Uhr

Ein entspannter Blick aus dem Zugfenster während der Rückreise? Restlos auszuschließen ist das nicht.

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John Cage: «4’33” for piano» – Eine juristische Delikatesse

8 Dec

An einer anderen Stelle auf dem YouTubePortal war das Stück des Fluxus-Künstlers John Cage «4’33” for piano» angeblich auf Veranlassung der deutschen GEMA über einen längeren Zeitraum gesperrt gewesen. Wir wollen mal davon ausgehen, daß es sich hierbei nicht um einen Marketinggag des Accountinhabers handelte, der zumindest uns beim Besuch bereits froh verkündete, daß die «Sperre» zwischenzeitlich wieder aufgehoben worden sei.

Das besondere an Cages musikalischer Darbietung ist, daß eben über die Zeitspanne von vier Minuten und dreiunddreißig Sekunden so rein gar nichts zu hören ist. Dennoch ist dieses Stück auch bei der GEMA als Musik registriert.

Aber welche von der GEMA bisher ungenutzte Möglichkeiten, den Rest der Welt einmal mehr nachhaltig auf ihre eigene Unsterblichkeit hinzuweisen, ergeben sich hieraus? Vom Prozeß des sogenannten Sample-Clearings wissen wir, wie nervenaufreibend das Einholen fremder Urheber- und Leistungsschutzrechte ist, zum Beispiel, wenn man sich zur Herstellung einer eigenen Komposition und/oder Musikproduktion der Werke und Produktionen Dritter bediente.

Um es einfacher zu sagen: Wollen wir beispielsweise eine selbst produzierte Sprachaufnahme mit Musik eines fremden Komponisten unterlegen, so müssen wir ihn selbstverständlich um Erlaubnis bitten und mit ihm ebenfalls die Zahlungsmodalitäten aushandeln.

Jetzt könnte die GEMA und könnten natürlich auch die jetzigen Rechteinhaber des am 12. August 1992 in New York City verstorbenen Fluxus-Künstlers jeder Sprachproduktion, in der nichts als die reine Sprache zu hören ist, unterstellen, daß besagte Sprach- und Hörbuchproduktionen sämtlichst unerlaubterweise mit der musikalischen Komposition «4’33” for piano» von John Cage unterlegt worden – und deshalb entsprechende Lizenzgebühren angefallen seien.

Die Tatsache, daß die GEMA in dieser Sache nicht schon längst medienwirksam tätig geworden ist, zeigt, wie amateurhaft diese Organisation im tiefsten Inneren ihres Herzens und in aller Tatsächlichkeit aufgestellt ist.

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Occupy FLUXUS: «Goethe und das Geld»

21 Sep

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Fotos von unserem Redaktionsfotografen Andreas Baier

Inspiriert durch unseren Beitrag über das von Scholz & Volkmer umgesetzte Fluxus-Projekt Piano Interactivities besuchte unser Redaktionsfotograf Andreas Baier kurz vor Ende der Ausstellung die große FLUXUS-Installation vor dem Portal des Wiesbadener Landesmuseums und traf sie in vortrefflichem Lichte an.

Von Goethes Wahlspruch «Occupy FLUXUS» wird sich wohl die großartige Redaktion von HR2|DerTag wiederum zu der Sendung «Am Gelde hängt, zum Gelde drängt – Goethe und das Geld» inspiriert haben lassen.

Hierzu schreibt die Redaktion von HR2|DerTag: «Nicht erschrecken: wir kommen Ihnen heute mit Goethe! Und mit dem Thema überhaupt: Geld. Die Goethezeit ist eben nicht nur eine literaturhistorisch bedeutende Epoche, sondern auch der Zeitraum, in dem sich moderne Entwicklungen wie das Eisenbahnwesen, der Geldnoten-Verkehr und Vorformen der Globalisierung abzeichnen. Realpolitiker und Wissenschaftler wie Goethe einer war, haben das mit wachen Augen beobachtet; sie haben den Fortschritt begrüßt und auch schon gesehen, dass mit all diesen Modernisierungen auch Gefahren verbunden waren. Goethe hatte keine hellseherischen Fähigkeiten, und doch trifft vieles in/aus seinen Texten verblüffend genau den Nerv unserer, der gegenwärtigen Zeit. Deshalb gilt heute die Devise: Wenn’s ums Geld geht, schlag nach bei Goethe!»

Am kommenden Sonntag, den 24. September fällt für «50 Jahre Fluxus» um 17:00 Uhr der Hammer. Dann wird alles abgebaut.

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Museum Wiesbaden: «FLUXUS IS COMING HOME! – Fluxus-Fans werden selbst zu Digitalkünstlern!»

19 Sep

Typisch «FLUXUS»: Max Beckmann wird großartig plakatiert. Doch lediglich das bescheidene «X» auf den beiden augenscheinlich durchgestrichenen Wegzeichen lassen Rückschlüsse auf die eigentliche FLU«X»US-Ausstellung zu. Aber genau so gehört es sich ja auch schließlich für eine Kunstrichtung, die sich einst sowohl dem Spaß als auch dem Absurden verschrieb.

Wiesbaden, 23. August 2012 – Die musikalische Zerstörung eines Klaviers durch Philip Corner war vor 50 Jahren einer der vielen Höhepunkte der «Fluxus Festspiele Neuester Musik» in Wiesbaden. Zum Jubiläum entwickelte Scholz & Volkmer zusammen mit dem Museum Wiesbaden und dem Kulturamt der Landeshauptstadt Wiesbaden ein interaktives Online-Kunstwerk für Fluxus-Fans in aller Welt.

Entstanden ist die Kunstform Fluxus 1962 in Wiesbaden. Von der später zum Herzstück der Wiesbadener Festspiele deklarierten Performance wußte beispielsweise der damalige Direktor des Wiesbadener Landesmuseums Dr. (Hennes Weis-)Weiler schlicht nichts – und war alles andere als amüsiert. Es war das Stück namens Piano Activities, in dessen Verlauf ein Flügel vor den Augen der geladenen Eröffnungsgäste dermaßen unkonventionell «ge- bzw. bespielt» wurde, bis daß das gute Stück am Ende der Vorstellung bedingungslos kapitulierend in die Knie ging.

Zum 50. Jubiläum wird dieses Stück nun erneut aufgeführt, diesmal jedoch unter dem Motto Piano Interactivities – und unter Beteiligung der weltweiten Fluxus-Fangemeinde.

«Delenda Geländer!» wie es Cato der Ältere einst vor dem Römischen Senat formulierte, weil ihm die Handläufe an den Treppenaufgängen zu spartanisch erschienen und er befürchteten mußte, daß es sein Gast und Freund Hannibal ohne wesentlich solidere Ausführungen mit seinen Elefanten niemals in den ersten Stock zum Tee schaffen würde, ist hier nicht das Postulat.

Die Fluxus-Bewegung machte aus besagtem Elefanten nicht zwingend und direkt eine Mücke, aber immerhin einen stattlichen Flügel, der irgendwie auch im Gedenken an die drei Punischen Kriege nun entsprechend sach- und fachgerecht auch aus dem weltallesken Internet wie eine Mücke zerquetscht werden kann.

Mit den Piano Interactivities kann erstmals jedermann zum Fluxus-Künstler avancieren und seine eigene Performance amtlich an der amtlichen Fluxus-Geburtsstätte aufführen, ohne dafür extra umständlich seine eigene Wohnung verlassen zu müssen: Fluxus kommt nach Hause. Ein Videostream überträgt die Performance live aus dem Museum, in dem die interaktive Piano-Installation aufgebaut ist, ins Internet. Noch bis zum 24. September können Internetnutzer aus aller Welt von Dienstag bis Sonntag – jeweils von 11 bis 13 Uhr und von 16 bis 18 Uhr – ein reales Klavier im Museum Wiesbaden selbst bearbeiten. In Echtzeit steuern die User über die Website die Maschinen wie elektrische Sägen oder eine Axt, die dem Flügel recht unsanft Töne entlocken. Die am Piano angebrachten Werkzeuge sind alle Entwicklungen des Leipziger Künstlers Hannes Waldschütz. Angesteuert werden die Geräte mittels eines Computers, der die User-Eingaben aus dem Netz auf die Elektromotoren der Installation überträgt. Museumsbesucher vor Ort können die Installation auch ganz aus der Nähe erleben.

Dieser Trailer auf YouTube gibt eine Idee davon, wie die Sache in realiter funktioniert. Auch schön, das Wiesbadener FLUXUS-Urgestein Ben Patterson mit einem kurzen Statement zu erleben:

Prägend für das Design der Online-Installation und die Infowebsite sind die Fluxus-Kunst selbst sowie der Look der 1960er Jahre. Zentrales Element sind die für Fluxus typischen Scores – schriftliche, meist auf Schreibmaschine geschriebene, Anweisungen, wie die jeweilige Performance zu performen ist:

And here are jede Menge weitere und sehr schöne Informationen zum besagten Online-Kunstwerk und der Fluxus-Bewegung.

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Nachtrag vom 21. September 2012: Will man in der mutwilligen und möglichst originellen Zerstörung eines Klaviers oder eines Flügels ein Hauptmerkmal von FLUXUS festmachen, so darf dieses britische Schätzchen aus vergangenen Tagen keinesfalls fehlen:

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Peripher Gestreiftes

28 Jul

Da stand er einst am Wittgenpranger (*)
Und band sich seine Schuhe zu.
Er machte gern auch Witwen schwanger,
Nur ungern gab er Ruh’.

Nun fragt sich manch ein Leser:
«Wittgenpranger? Was ist das?»
So hilft Spock mit seinem Faser
Nach – Und das kommt krass.

Ein dickes Buch schwebt durch den Raum,
Dank Warp und weil: Ionen.
Darin passiert, man glaubt es kaum:
Nichts mit grünen Bohnen.

«Wittgenprangers Essweltschrift» –
Ein Buchraumschiff mit 20 Knoten.
Wenn die Grenze auf das Denken trifft,
Dann sei dies stets hoch zu benoten.

(*) eigentlich Wittenberg

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Joseph Beuys mittels Werbung ins Mainstreamige übersetzt: «Big Fat Sound»

5 Jan

Denn sie wussten nicht, was sie tun: Auf einer SPD-Feier im Schloß Morsbroich geriet die mit Filz, Fett und Pflaster versehene «Badewanne» von Joseph Beuys zufällig in die Hände von zwei Genossinnen. Die schrubbten den versifften Zuber, bis er glänzte. Der Zorn über den Kunstfrevel traf jedoch nicht die Täter.

Der komplette Text von Johanna Lutteroth auf einestages.

P.S.: Es wundert uns ja schon schwer, daß dieser Artikel nicht umgehend von Eva Beuys per «Einstweiliger Verfügung» vom Netz genommen wurde. Was ist los? Ist sie gerade krank? Oder hat ihr Oda Jaune inzwischen den Rang abgelaufen?

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Rückblick: «Die große Bambi-Verleihung 2011 im Wiesbadener Kurhaus bzw. in den Rhein-Main-Hallen»

3 Jan

Alle Fotos von unserem Redaktionsfotografen Andreas Baier

Das neue «Wiesbaden-Magazin» lag im Dezember letzten Jahres bundesweit der FAZ bei. Das oben abgebildete Titelbild durfte unser Redaktionsfotograf Andreas Baier beisteuern. Er freut sich darüber sehr.

Der rote Teppich führt direkt durch das Kurhaus hindurch. Der frühere Sprintweltmeister und FLUXUS-Künstler Lennox Lewis schaffte die Strecke einst in unter zehn Sekunden. Heute gilt jedoch: «Wie schaffe ich es, mich so lange wie möglich auf dem roten Läufer zu halten?»

Der rote Teppich aus der Vogelperspektive. Unten sieht man gerade wie der Moderator Kai Pflaume den Teppich einläuft. Auf dem Podest versetzt sich das Kamerateam in Schwingung.

Auf dem großen Display im Foyer des Wiesbadener Kurhauses kann man gut erkennen: Soeben ist der hessische Landesvater, Ministerpräsident Volker Bouffier, gemeinsam mit seiner Frau eingetroffen.

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier im Interview.

Oberbürgermeister Dr. Helmut Müller (links) und Frau Bouffier (rechts).

Oberbürgermeister Dr. Helmut Müller auf dem Display eines iBooks im Gespräch.

Oberbürgermeister Dr. Helmut Müller, Verleger Dr. Hubert Burda im Radio-FFH-Interview.

Gruppenbild der vorstehend bereits erwähnten Stadt- und Landesoberhäupter.

Der Verleger Dr. Hubert Burda beantwortet Fragen zur Ausrichtung der Bambi-Verleihung coram publico.

Einen erstklassigen Verleger erkennt man an seinem überproportional mit Terminen gefüllten Kalender. Da bleibt niemals nie viel Zeit. Schon ist er auf dem Weg zur nächsten Verabredung.

Der Verleger Dr. Hubert Burda läßt dezent durchblicken, daß er sich trotz selbstgefertigtem Bambi für erfolgreich verlaufende Zahnbehandlungen nur bedingt zuständig fühlt.

«Fällt man vor einem anbetungswürdigen Menschen auf die Knie und fotografiert ihn unmittelbar aus der Froschperspektive, so erhält man ein anbetungswürdiges Gesamtkunstwerk – sofern man die Aufnahme weiterführend künstlerisch nachbearbeitet.» (Zitat von James Joyce)

«Wie schwierig war es denn für Sie, Ihren richtigen Style für den heutigen Abend gefunden zu haben?»

FOCUS-Chef Helmut Markwort und BUNTE-Chefin Patricia Riekel.

Monsieur Le Sky duMont gemeinsam mit seiner Tochter im medialen Kreuzverhör: «Wann haben Sie das letzte Mal etwas gegessen?»

Diese beiden Gentlemen bekommen auch einen Bambi verliehen. Leider konnten wir vor Redaktionsschluß nicht in Erfahrung bringen, um wen es sich handelt.

Warten auf Sky duMont.

Monsieur Le Sky duMont – ganz Kavalier – winkt den Mantel in einer leichten körperlichen Schräglage (für die er weltberühmt ist) für seine weibliche Begleitung herbei.

Und nun richten sich die Blicke auf Christine Neubauer.

Christine Neubauer tut alles, um die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten ihres Preisverleihungsoutfits ergonomisch in Szene zu setzen. Hier: Der doppelte Schleppeneinschlagwurf aus der halboffenen Handumdrehung. Ist auch der hessische Ministerpräsident von dieser Vorführung beeindruckt?

Ja, auch der hessische Ministerpräsident ist von dieser Vorführung beeindruckt.

Im Friedrich-von-Thiersch-Saal des Wiesbadener Kurhauses wird die Bambi-Verleihung live aus den Rhein-Main-Hallen übertragen. Gerade zu sehen: Lady Gaga.

Die personifizierte Form des lateinischen Lichts.

Atmosphärisch begeisternde Randnotiz.

Kurdirektor und Geschäftsführer der «Kurhaus Wiesbaden GmbH» Henning Wossidlo bestellt routiniert «Fünf Bier für die Männer vom Sägewerk!»

Das Bambi-Maskottchen auf die Fassade des ehemaligen «R+V Gebäudes» projiziert.

Konzert- und Veranstaltungsbeleuchter Jan Kyritz macht es möglich: Eine in gleißendes Rotlicht getauchte Wilhelmstrasse.

Die Rhein-Main-Halle ist der höchst gelegene Punkt Wiesbadens und war schon immer ein besonderer Wallfahrtsort gesellschaftlich Bessergestellter. Sageundschreibe 6500 Treppenstufen (traditionell mit buntem Kerzenlicht beleuchtet) sind auf den Knien und dem Weg nach oben zu bewältigen – will man alles richtig machen. Zum Vergleich: Das Niederwald-Denkmal im Rheingau liegt nur 15 Meter höher. Anläßlich der Bambi-Verleihung durften die Stars jedoch ausnahmsweise mit der Limousine vorfahren, da man verhindern wollte, daß die teure Garderobe Schaden nimmt.

So wie einst der Schriftsteller Heinrich Böll von der Fotografin Barbara Klemm während einer Demonstration in Mutlangen als mahnender Denker malerisch in den emotionalen Mittelpunkt ihres Bildes gerückt wurde, so unterstützt nun der in Speckstein verewigte Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe die breite Masse der Bambiverleihungsinteressierten bei ihrem noblen Anliegen, sich auch ein kleines Scheibchen vom Medienkuchen abschneiden zu wollen: «Ihr naht Euch wieder, schwankende Gestalten, die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt. Versuch ich wohl, Euch diesmal festzuhalten?

Wie vorstehend, diesmal jedoch mit mehr musealem Charakter.

Überpünktlichkeit hat einen Namen: Lady Gaga: Gestützt von ihrem Leibwächter macht sie vor den Objektiven der Weltpresse einen gesunden und selbstbewußten Eindruck.

Hier sehen Sie die «Besten der Besten der Besten, Sir!». Nicht nur fachliche Kompetenz, sondern auch eine gesunde Portion Demut ist gefragt, will man sich zur Elite der Elitefotografen zählen: Leicht nach oben geknickte Lackschuhspitzen zeugen von der unbedingten Bereitschaft, vor jedem Star sofort auf die Knie zu sinken – und abzudrücken. Dicke Akkupakete ermöglichen es den Bildbeschaffern zudem, bis zu 48 Stunden gegebenenfalls sogar bei klirrender Kälte vor den Empfangstüren unserer bunten Preisverleihungswelt ausharren zu können, ohne zum lästigen Nachladen wärmere Räumlichkeiten aufsuchen zu müssen.

Das Spiel «Wer verläßt mit welcher Strategie das Auto?» wird in den unterschiedlichsten Variationen durchgespielt. Hier entsteigt die Sängerin Jasmin Wagner, vormals Blümchen, die Limousine auf der Passivseite – und leitet somit geschickt zur Grünfeld-Verteidigung über.

Die Moderatorin Sylvie van der Vaart in ihrem falbalaesken Fischnixenkleid.

Das orgiastische Justin-Bieber-Probekreischen setzt bei jeder eintreffenden Limousine reflexartig ein, denn: Sicher ist schließlich sicher.

Möglicherweise Bill Kaulitz, möglicherweise aber auch nicht.

Er ist geboren, um zu leben: Der Graf von Unheilig.

Die aufgeweckte Jugend von heute leidet an bestechender Beobachtungsgabe: «Schwulenhass ist keine Integrationsleistung» stellt sie treffend fest. Bushido bekommt trotz heftiger Bedenken genau jenen Integrationsbambi von Burda Media ausgehändigt, worauf beispielsweise der große Ausnahmekünstler Heino seinen goldenen Bambi wiederum zurückgab, ein Ereignis, das rückblickend betrachtet die Bambiverleihung an Bushido unter bestimmten intellektuellen Voraussetzungen dann doch irgendwie rechtfertigt.

Der Starmoderator Thomas Gottschalk zeigt sich ungebrochen honneckeresk: «Es lebe der Sozialismus mit seiner integrativen Gummibärchenkraft für alle!». Nach dieser klaren Ansage betritt er gemeinsam mit seiner Frau das Preisverleihungsgebäude.

Big Brother is watching you: Während die Party in vollem Gange ist, warten draußen vor der Tür immer noch die Fans auf Justin Bieber.

So here he is. Alles jubelt, schreit, kreischt – und vollzieht unter dem Schutz des Menschengedränges stante pede den mehrfachen Geschlechtsverkehr.

Justin Bieber (roter Kreis) gibt die Marschroute vor – und alle folgen ihm. Hier auf dem Weg zu einer noch unsignierten Autogrammkarte.

Während Justin Bieber im Hintergrund der Presse Rede und Antwort steht, raucht die Verwandlungskünstlerin Lady Gaga im Bildmittelpunkt genüßlich eine Zigarette mit Mentholgeschmack, die sie umgehend in eine leichte körperliche Schräglage versetzt; jene unkonventionelle Körperhaltung, der sie ihren Weltruhm verdankt.

Die Menschentraube vor der Rhein-Main-Halle löst sich langsam auf. Im Hintergrund sind die berühmten Strickereien aus dem Erzgebirge zu sehen, die momentan zwei verschnupfte steinerne Säulen wärmen.

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Interessante Dialogstruktur

20 Dec

Neues aus dem derzeit höchsten Hochhaus der Welt:

Mädchen 1: «Ich sehe zwei liebe Flugzeuge, die auf riesigen Wolkensesseln sitzen und sich einen Film mit George Clooney ansehen. Cool!»

Mädchen 2:«Und ich sehe eine Schildkröte, die gerade ihren Kopf durch die Decke in unseren Raum gegraben hat, um uns zu fragen, ob wir noch etwas zu trinken haben wollen. Auch cool!»

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Der rosarote Phantenreiter

27 Nov

Ein schönes Sonntagsgedicht, gefertigt nach den gestrengen Regeln der
FLUXUS-Bewegung, die ebenfalls für die Erfindung der chinesischen
Stäbchen in ihrer beweglichen Urform verantwortlich zeichnet.

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Oh rosaroter Phantenreiter,
Bist mir mein treuer Wegbegleiter,
Mein Streiter für das große Sehen.
Doch läßt Beton sich leider nicht vernähen.

Das Hören mit den Augen ist wie das Laufen
mit den Ohren. Laugenbretzelbrillen will ich kaufen;
Habe mir geschworen: «In der Stille
kommt’s auf Stil an. – Brille. Fielmann.
»

Aber das ist nur: «Aspekt, der erste!»
Denn der zweite steckt in jeder Seite
Einer Autotür; und so erfährste:
«Phantenreiter sucht das Weite!»

Weil die Gebühr für Autobahnbenutzung
Nicht mehr finanzierbar ist. Weil der Stier,
Quatsch, Stür, den Matsch samt Nachbeputzung
Nicht mehr als sein Bier erachtet.

Weil Getier am Fahrbahnrande
An der Mahnwahnbande übernachtet.
Weil der Mensch als solches danach trachtet,
Dem Verstande manchmal nicht zu folgen.

Deshalb gibt es Phantenreiter, rosarote,
Die mit Pflichtbewußtsein wohl gedeihen
– und mit Verve(*) Ihrem Handeln eine rosarote
Note anverleihen – optisch eine Schärfe.

Doch was haben wir davon?
Was ist der hohe Sinn der Sache?
Ersetzt der Phantenreiter Telefon?
Oder ist er nur «Der ewig Wache»?

Entdeckte er für uns das Te-fe-lon?
Für rückstandfreies Bratgehabe?
Für einen glutenfreien Elfenton?
Für eine honigfreie Bienenwabe?

Welche Gabe wird denn hier beschrieben?
Viertel sieben? Drei nach achet?
Wer kleingekauert nach Belieben
Phantenreiter bauert, der erwachet!

(*) sprich: «Werfe»

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Picture via: Kitschy Living

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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Ben Vautier: «Let’s Fuck.»

20 Oct

Fluxus and the Essential Questions of Life», a major traveling exhibition based on the Hood Museum of Art’s George Maciunas Memorial Collection of Fluxus art, is «designed for visitors to experience the radical and influential cultural development that Fluxus was, and maybe learn something about themselves along the way.»

Yes, we can but we need not to say so.

via: Pas Un Autre

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Sensitive topic. Therefore comments off.
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Gutes Essen

9 Aug

Das Memorandum geistert durch
Die süße Schornsteinethik.
Dessen wohl bewußt ist sich der Lurch;
Schönes Wetter hilft beim Pressen.

Auf die Bretter warf es Mais und Linse,
Die, die es nicht konnten.
Dessen wohl bewußt ist sich die Minze;
Es bleibt die Frage: Wessen

Geist sich hier nach Künsten wohl versuchte?
Ist es denn vergebens?
Nein, denn ein Leben als «Der Gutbetuchte»
Beinhaltet halt eben: gutes Essen.

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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Ben Vautier (sort of): «Palace Hotel, Norfolk»

25 May

Website Ben Vautier

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Sensitive topic. Therefore comments off.
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To viral, or not to viral…

17 Jul

After watching Flugzeugträger Ronald Reagan on Phoenix for – just let me be generous – two or three dozens of times; after watching Sink the Bismark on Phoenix for – just let me be generous again – two or three dozens of times, I thought that it might be a perfect idea to take care a little bit more about me, myself and my work.

So I entered the magic term Meerschweinchenreport into this veryveryvery magic and quite unique search engine and found myself totally thrilled. What an experience! In addition I found some blog entries from collegues about Meerschweinchenreport I wasn’t aware of, and then, I found my mental full stop on newyorkfestivals.posterous.com. The author is publishing one of my photographs I took from a great FLUXUS-Performance by Ben Patterson in Wiesbaden’s Schlachthof earlier this year; organised by Michael Eibes. (Here is the complete photo essay)

Ok, so here we are and there above you are warmely invited to spend two minutes of your most valuable lifetime. In return you become entertained. Sounds like a fair deal? It is a fair deal. The question that should arise now: To viral, or not to viral?

However, before you’re about to make up your mind you should better read this. No answer is guaranteed.

via: newyorkfestivals.posterous.com

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Das Theater ist auf der Straße – Die Happenings von Wolf Vostell

2 Jun

Aufklärungsscheck des Deutschen Künstlerbunds: Ich erkläre hiermit das Sein und die Umgebung in den Bonner Ministerwohnungen als Happening. (FLUXUS-Künstler Wolf Vostell; Bank für Gemeinwirtschaft, 17. 9. 1970, Bonn)

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Wolf Vostell während der Dreharbeiten zu Berlin Alexanderplatz  (1979/80)

© Rainer Werner Fassbinder Foundation

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Wolf Vostell (Leverkusen 1932–1998 Berlin) realisierte zwischen 1954 und 1988 über 50 Happenings, die die Zuschauer zu Beteiligten machten: Mal betonierte er Kunstinteressierte auf der Straße kurzer Hand eine Hand oder einen Unterarm oder einen Unterschenkel ein, fotografierte sie und machte sie so zum Mitwirkenden in seinen Olympiade-Grafiken,

mal betonierte er Cadillacs ein und stellte sie am Berliner Ku’damm zur Schau,

Uploaded flickr on May 31, 2008
(C) by semlerh

mal unterstellte er dem Bomber B52 seinen Job nicht richtig zu machen, indem er dafür sorgte, daß es so aussähe als würfen sie über Vietnam Lippenstifte ab:

Das Thema Vietnam beschäftigte zu dieser Zeit nicht nur auch andere Künstler, sondern ihn mehrfach und in mehrfacher Hinsicht, was zur Folge hatte, daß mehrere Arbeiten zu diesem Thema entstanden, wie zum Beispiel der Zyklus Vietnamsinfonie:

Happenings waren für Wolf Vostell Instrumente der Bewusstmachung von Zeitphänomenen. Vostell setzte dem objet trouvée der Dadaisten sein Konzept des vie trouvée entgegen. Nicht nur den Kunstbegriff mit seinen starren und tradierten Formen, sondern vor allem auch das Leben müsse man erweitern: „Duchamp hat das Objekt zur Kunst erklärt, ich habe das Leben selbst zur Kunst erklärt.“ So realisierte Vostell mit Das Theater ist auf der Straße 1958 in den Straßen von Paris das erste europäische Happening, 1961 in Köln mit Cityrama (1) das erste Happening auf deutschem Boden. (Zitat aus dem Pressetext zur aktuellen Ausstellung Das Theater ist auf der Straße – Die Happenings von Wolf Vostell im Museum Morsbroich, veröffentlicht auf kunstaspekte.de).

Meine persönlichen Erinnerungen an Wolf Vostell sind nur noch von diffuser Natur. Er war häufiger zu Gast im Hause meiner Eltern und signierte, an einem großen Küchentisch sitzend, seine Grafiken. Zum Beispiel seine beiden Zyklen Olympiade und Vietnamsinfonie. Ich war da so fünf oder sechs Jahre alt und ihm zu Füßen saß stundenlang ein Schäferhund, dem der Sabber auf den Boden floß, ganz so, als habe er in seinem Leben noch nie frisch gefertigte Siebdrucke gefressen.

Und dann begegnete ich ihm viele, viele, viele Jahre später, als ich für den STERN in Paris die Ausstellung Les Magiciens de la terre fotografierte. Im Centre Pompidou lief ich ihm über den Weg.

“Na, Herr Vostell, hat Ihr Hund eigenlich damals die Grafiken gefressen?” “Wie bitte?” Ok, ich vergaß, mich ihm vorzustellen. War ja auch schließlich ein Weilchen her, daß wir das letzte Mal miteinander zu tun hatten. Danach verstand er und so versorgte er mich mit einem spontanen Vorzugsvortrag über sein Leben, sein Werk und danach beides zur Sicherheit nochmal zusammen, der schätzungsweise eine halbe Stunde oder so andauerte. Dann verabschiedeten wir uns. Ich frage mich seither, wer unter rhetorischen Gesichtspunkten besser seinen silberbeknauften Spazierstock handhabt: Vostell oder Lüpertz?

Wolf Vostell, Der Flugplatz als Konzertsaal, 1964; Aktion des Happenings In Ulm, um Ulm und um Ulm herum; Fotografie, s/w; Junta de Extremadura. Consorcio Museo Vostell Malpartida

So, meine lieben Meerschweinchenreportleserinnen und Meerschweinchenreportleser, ich denke, es ist klar, worauf ich hinaus will: Die Ausstellung, die am Wochenende im Museum Morsbroich eröffnet wird, ist bestimmt eine prima Sache.

Abschließend zitiere ich einmal mehr aus dem Pressetext zur Ausstellung, der auf kunstaspekte.de veröffentlicht wurde:

“Es erscheint ein Katalog im Kerber Verlag in deutscher und spanischer Sprache mit vier einleitenden Essays, einem Interview mit Mercedes Vostell und einem Anhang mit Bild- und Textdokumenten zu sämtlichen Happenings (ca. 336 S. mit ca. 700 Abbildungen; ISBN 978-3-86678-431-4). Die Auswertung des Happening-Archivs und seine Publikation sollen eine neue, wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Happening fördern. 

Das Theater ist auf der Straße wird von Dr. Fritz Emslander (Museum Morsbroich) und José Antonio Agúndez García (Consorcio Museo Vostell Malpartida) kuratiert. 

Ausstellung und Publikation werden gefördert durch die Kunststiftung NRW und das Goethe-Institut.”

Dauer der Ausstellung: 6. Juni 2010 bis 15. August 2010

Museum Morsbroich
Städtisches Museum Leverkusen Schloss Morsbroich
Gustav-Heinemann-Strasse 80 
51377 Leverkusen
Deutschland
fon 02 14 – 8 55 56-0 
museum-morsbroich@kulturstadtlev.de

FLUXUS Performance by Ben Patterson

20 Apr

Ben Patterson instructing his crew members. (Click to enlarge)

All crew members are getting dressed.

Ben Patterson’s crew members are about to enter the famous Schlachthof halls in Wiesbaden.

Animals are about to make their way to the bonfire situation.

The bonfire situation; later participated by some sweet little Knickerfrösche making lots of interessting noises.

Religiously motivated music appears; our animals are handing over much more sweet little Knickerfrösche to the audience. May be an art communion, well, let’s say: sort of…

… see?

Ben Patterson (right) Link to kunstaspekte

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DJs Ponderosa, Big Mike E and Mr. Fisher are gaining ground…

… see?

… see?

Airbrush Army, see?

A proper confession, see?

… see?

Resumtion: It was a great event, great to having have had Mr Ben Patterson with us, not to say, inside of us – well, inside all of us, just to be perfectly precise – the mental food was – so to speak – more than just nutritious; and the copywriter of these lines is quite aware of the fact that Ben Patterson should better never ever get aware of them…see?