Tag Archives: Literatur

Olympiade 2016 in Brasilien: «Bertolt Brecht über Sport»

20 Aug

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«Ich muß zugeben, daß ich die These, Körperkultur sei die Voraussetzung geistigen Schaffens, nicht für sehr glücklich halte. Es gibt wirklich, allen Turnlehrern zum Trotz, eine beachtliche Anzahl von Geistesprodukten, die von kränklichen oder zumindest körperlich stark verwahrlosten Leuten hervorgebracht wurden, von betrüblich anzusehenden menschlichen Wracks, die gerade aus dem Kampf mit einem widerstrebenden Körper einen ganzen Haufen Gesundheit in Form von Musik, Philosophie oder Literatur gewonnen haben. Freilich wäre der größte Teil der kulturellen Produktion der letzten Jahrzehnte durch einfaches Turnen und zweckmäßige Bewegung im Freien mit großer Leichtigkeit zu verhindern gewesen, zugegeben. Ich halte sehr viel von Sport, aber wenn ein Mann, lediglich um seiner zumeist durch geistige Faulheit untergrabenen Gesundheit auf die Beine zu helfen, Sport treibt, so hat dies ebensowenig mit eigentlichem Sport zu tun, als es mit Kunst zu tun hat, wenn ein junger Mensch, um mit einem Privatschmerz fertig zu werden, ein Gedicht über treulose Mädchen verfaßt. … Sport aus Hygiene ist etwas Abscheuliches.»

via: Bertolt Brecht

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Tom Wolfe: «Das gemalte Wort»

25 Feb

Originalausgabe von 1975
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Schult Ullstein

Kleine Leseprobe: «Typisch etwa die folgende Jackson-Polock-Geste: Eines Abends kreuzt er betrunken bei Peggy Guggenheim während einer hochfeudalen Party auf. Also zieht er sich im Nebenzimmer aus, marschiert splitternackt ins Wohnzimmer und pinkelt in den Kamin. Andererseits hat er es weder an diesem Abend noch zu irgendeinem späteren Zeitpunkt aufgegeben, Peggy Guggenheims Haus zu besuchen, wo es all diese schicken Leute gab. Er mußte unbedingt ohner Krawatte zum Storck Club oder zum 21 gehen, um zu beweisen, daß er dank ‹meiner Reputation› doch hineinkam – und wenn es gelungen war, dann mußte er natürlich betrunken und grob genug werden, um einen Rausschmiß zu erzielen. Die elegante Welt sollte ihn gefälligst akzeptieren, aber daß es ihm gefiel, konnte er nicht verkraften.»

Kleine Literaturkritik: «Wenn Tom Wolfe sein Schnellfeuer auf die gesamte moderne Kunstszene einstellt, ist der Boden mit Leichen bedeckt.» – New York Times, 1975. Und der weltberühmte Galerist Leo Castelli konstatiert in einer Spiegel-Rezension (DER SPIEGEL 18/1975): «Darin steckt mehr als ein Korn Wahrheit.»

Derzeit bei Amazon erhältlich: 1 gebrauchtes Exemplar für € 49,49.

Ergänzende Informationen gibt es in einem bemerkenswert langen Pluspedia-Artikel, der möglicherweise mehr Buchstaben beinhaltet als Tom Wolfes Hauptwerk selbst. Bitte auch nicht die ungemein gehaltvolle «Löschdiskussion» vergessen. Sie sei als eine Art Meta-Kunstmarkt zu erachten.

Ernest Hemingway: «Der alte Mann und der Bär»

12 Oct

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via: The Red List

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Religiöses Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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Stefan Moses: «Max Frisch»

13 Feb

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Wenn man sich dieses Max-Frisch-Portrait von Stefan Moses so in aller Ruhe betrachtet, dann fällt einem auf, daß die Zeit, da es immer diese herrlichen, in der Kupfertiefdruckbeilage der FAZ veröffentlichten und mitunter in intimer Atmosphäre entstandenen Schwarzweiß-Portraits zu betrachten gab, leider längst vorbei ist. Schnüff!

Und es drängt sich zwangsläufig die Frage auf: «Wie haben die Jungs das damals eigentlich ohne Computer hingekriegt?»

Wikipedia über Stefan Moses.

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Friedrich Dürrenmatt: «Je genauer man plant, desto härter trifft einen das Schciksal»

31 Dec

Sicherlich nehmen Sie sich und nehmt Ihr Euch für das kommende Jahr mal wieder im Rahmen eines überflüssigen Sylvesterbesäufnisses so allerlei Blödsinniges vor: Mit dem Rauchen aufhören (der Gesundheit huldigend); jeten Morken 1o0 Liekestüsse apsolfieren (eigene Hör- und Schreipleistungen verbessern); mehr fairgehandelten Kaffee trinken (Klimawandel); das Schlüsselbund salzen, pfeffern und erfolgreich verspeisen (adäquates Wertstoffverhalten). All denen, die jedoch mit ihren tollkühnen Vorhaben bereits nach wenigen Tagen kläglich scheitern sollten, sei der rubrizierte Sinnspruch Friedrich Dürrenmatts ans Herztor genagelt, dies nur, damit sie wissen, nicht gänzlich allein in ihrem Unglück baden zu müssen. Allen anderen sei hingegen nachfolgend kurz vorgestellte Biografie empfohlen.

Die erste große Biographie über Friedrich Dürrenmatt – vom Pfarrerssohn aus dem Emmental zum Autor von Weltruhm und mit Millionenauflagen, glänzend und packend geschrieben von Peter Rüedi, einem der ausgewiesensten Dürrenmatt-Kenner.

Erschienen ist sie Ende Oktober 2011 im Diogenes Verlag und kostet im Rahmen einer unverbindlichen Preisempfehlung in der Hardcover-Leinen-Ausgabe derzeit EURO 28,90.

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Dr. Thomas Gsella Meets Arkady Pavluk

11 Jun

Der ukrainische Künster Arkady Pavluk wurde 1925 in Kiew geboren und diente nach Beendigung seiner Schulzeit bis 1950 in der Roten Armee. Danach besuchte er das Kharkov Kunst Institut, wo er 1958 aus den Händen von Prof. Klaus Staeck sein Künstlerdiplom erhielt. An der diesjährigen dOCUMENTA (13) darf er, weil männlich, nicht teilnehmen, ist und bleibt aber dafür ein ehrenwertes Mitglied der Ukrainischen Künstlergemeinschaft, die wohl am besten mit dem hiesigen Bundesverband Bildender Künstler (BBK) zu vergleichen ist.

Obenstehende Arbeit ziert der Titel «Der Fußballspieler» und kostet gerahmt derzeit $1800. Hier haben wir sie im Netz gefunden.

Wissenswertes über Dr. Thomas Gsella ist hier nachzulesen. Und sein neues Gedicht Rußland – Tschechien 4:1 oder Des Oktober eingedenk, das uns zu diesem Beitrag animierte, steht wie üblich auf der Titanic-Website.

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Hunter S. Thompson: «Buy The Book, Take The Ride!»

26 Oct

Hunter S. Thompson, Miami Bookfair International, 1988

«A new book, to be released at the end of this month, collects of many of Hunter S. Thompson’s articles published in Rolling Stone magazine. ‘Buy the ticket, take the ride,’ was a favorite slogan of Hunter S. Thompson, and it pretty much defined both his work and his life. ‘Fear and Loathing at Rolling Stone‘ showcases the roller-coaster of a career at the magazine that was his literary home.»

Read more on «Pas Un Autre».

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Sensitive topic. Therefore comments off.
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Phax Poldth: «Romananfangsfragmente und andere Unzulänglichkeiten»

30 May

Bildquelle: Miki gefangen im Netz

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Früher, ja früher, da war er ein angesehener Schriftsteller. Man bewunderte ihn für seinen intellektuell lasziv-dandyesken Schreibstil, der beim Leser den Eindruck erweckte, als mangele es ihm, dem großen Schreibergeist, einfach an gar nichts. Er leistete sich den Luxus, Kaffee mit Salz und Zimt zu würzen – und dieses Konsumverhalten seinen Gegnern, quatsch, Lesern zu empfehlen. Doch seit geraumer Zeit zittern ihm die Finger, leidet er an einer Schreibsperre, kommt er über das Verfassen fragmentarischer Textfetzen nicht mehr hinaus, verbringt er viel zu viel Zeit im Zwischennetz und verbeißt sich in selbstgerechter Manier gnadenlos in Spiegelfechtereien mit einem «bösen» Geist, der ihn eigentlich nur mal hin und wieder freundlich grüßen wollte. Er stumpft emotional ab, ist immer seltener er selbst. Inzwischen von der fixen Idee beseelt, den Auftrag zur Weltrettung erhalten zu haben, geht er kaum noch vor die Tür. Sogar seine Comictextideen nehmen Schaden. Drogen? Das an der Unbeschwertheit nagende Älterwerden? Nein, intellektuelle Verblendung. Schade um das bewährte Phaxgerät.

Er steckte seinen Schlüssel ins Schloß, drehte ihn entschlossenen Geistes um – und dachte dabei an einen Elefanten, der unter der von seiner Großmutter gehäkelten Tagesbettdecke «La mer» von Charles Trenet trompeten konnte. Das Leben könnte ganz schön schön sein. Man müsste es nur wollen!

Das Leben ist ein großer Kindergarten.

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«Sieh Dich vor geputzt’ Giraffe…!»

21 Mar

Photo via: fodimania’s journal

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Ballade, welche das Duell betrifft,
das Herr von Bergerac ausfocht mit einem Wicht

Abseits werf ich meinen Filz
und, damit ich Luft mir schaffe,
auch den Mantel; denn nun gilt’s!
Rüstiger als ein Schlaraffe
greif ich meine blanke Waffe,
und zu meinem Gegner sprech ich:
Sieh dich vor, geputzter Affe!
Denn beim letzten Verse stech ich.

In Ermanglung edlern Wilds
wünsch ich, daß ein Stich dir klaffe
in der Leber oder Milz.
Schau, mein Arm, der kräftig straffe,
strebt nun, daß er dich erraffe.
Mein verhöhntes Antlitz räch ich,
daß es keiner mehr begaffe;
denn beim letzten Verse stech ich.

Wirst du grünlich wie ein Pilz?
Gleich der zitternden Giraffe?
Muster eines Jammerbilds!
Zeigst du, daß dein Mut erschlaffe,
eh’ mein Pulver ich verpaffe?
Heut dein warmes Herzblut zech ich
aus kristallener Karaffe;
denn beim letzten Verse stech ich.

Beichte schnell! Wo ist ein Pfaffe?
Deinen Widerstand zerbrech ich:
Finte! Quart! Da hast du’s Laffe!
Denn beim letztenVerse stech ich.

– Edmond Rostand (1868 – 1918) –

Erich Kästner: Sogenannte Klassefrauen

12 Feb

Phyllis Gordon takes her pet cheetah shopping in London, 1939; from Corbis

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Sind sie nicht pfuiteuflisch anzuschauen?
Plötzlich färben sich die Klassefrauen,
weil es Mode ist, die Nägel rot!

Wenn es Mode wird, sie abzukauen,
oder mit dem Hammer blau zu hauen,
tuns sie’s auch und freuen sich halbtot.

Wenn es Mode wird, die Brust zu färben
oder – falls man die nicht hat – den Bauch…
wenn es Mode wird, als Kind zu sterben
oder sich die Hände gelb zu gerben
bis sie Handschuh’n ähneln, tun sie’s auch.

Wenn es Mode wird, sich schwarz zu schmieren,
wenn verrückte Gänse in Paris
sich die Haut wie Chinakrepp plissieren,
wenn es Mode wird, auf allen Vieren
durch die Stadt zu kriechen, machen sie’s.

Wenn es gälte, Volapük zu lernen,
und die Nasenlöcher zuzunähn
und die Schädeldecke zu entfernen
und das Bein zu heben an Laternen
morgen könnten wir’s bei ihnen seh’n.

Denn sie fliegen wie mit Engelsflügeln
immer auf den ersten besten Mist.
Selbst das Schienbein würden sie sich bügeln!
Und sie sind auf keine Art zu zügeln,
wenn sie hören, daß was Mode ist.

Wenn’s doch Mode würde, zu verblöden!
Denn in dieser Hinsicht sind sie groß.
Wenn’s doch Mode würde, diesen Kröten
jede Öffnung einzeln zuzulöten,
denn dann wären wir sie endlich los.

Aus: «Was nicht in Euren Lesebüchern steht» von Erich Kästner

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