Archive | February, 2015

Tom Wolfe: «Das gemalte Wort»

25 Feb

Originalausgabe von 1975
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Schult Ullstein

Kleine Leseprobe: «Typisch etwa die folgende Jackson-Polock-Geste: Eines Abends kreuzt er betrunken bei Peggy Guggenheim während einer hochfeudalen Party auf. Also zieht er sich im Nebenzimmer aus, marschiert splitternackt ins Wohnzimmer und pinkelt in den Kamin. Andererseits hat er es weder an diesem Abend noch zu irgendeinem späteren Zeitpunkt aufgegeben, Peggy Guggenheims Haus zu besuchen, wo es all diese schicken Leute gab. Er mußte unbedingt ohner Krawatte zum Storck Club oder zum 21 gehen, um zu beweisen, daß er dank ‹meiner Reputation› doch hineinkam – und wenn es gelungen war, dann mußte er natürlich betrunken und grob genug werden, um einen Rausschmiß zu erzielen. Die elegante Welt sollte ihn gefälligst akzeptieren, aber daß es ihm gefiel, konnte er nicht verkraften.»

Kleine Literaturkritik: «Wenn Tom Wolfe sein Schnellfeuer auf die gesamte moderne Kunstszene einstellt, ist der Boden mit Leichen bedeckt.» – New York Times, 1975. Und der weltberühmte Galerist Leo Castelli konstatiert in einer Spiegel-Rezension (DER SPIEGEL 18/1975): «Darin steckt mehr als ein Korn Wahrheit.»

Derzeit bei Amazon erhältlich: 1 gebrauchtes Exemplar für € 49,49.

Ergänzende Informationen gibt es in einem bemerkenswert langen Pluspedia-Artikel, der möglicherweise mehr Buchstaben beinhaltet als Tom Wolfes Hauptwerk selbst. Bitte auch nicht die ungemein gehaltvolle «Löschdiskussion» vergessen. Sie sei als eine Art Meta-Kunstmarkt zu erachten.

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Lieber Rolf Müller!

24 Feb

HQ – High Quality, Heft Nr.1
Abbildungen zum Vergrößern bitte anklicken

Als ich ganz zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn nicht ganz grundlos ehrfürchtig in der ersten Ausgabe «HQ – High Quality», mit der meine Eltern für ihre Zeitschrift «Magazin KUNST» zu Besprechungszwecken bemustert wurden, blätterte, und mich fragte, ob es für mich bei dieser hohen Qualität überhaut Sinn hätte, Ihnen eine Auswahl meiner fotografischen Erzeugnisse zu übersenden, da war ich einige Monate später umso überraschter, daß ich tatsächlich einen Anruf von Ihnen erhielt und Sie mich zu einem Gespräch nach München in Ihr damals schon als legendär zu bezeichnende «Büro Rolf Müller» in der Maximilianstrasse einluden. Außerdem sagten Sie mir, daß Sie möglicherweise meinen Vater kennen würden: «Ich habe von ihm kürzlich zwei Aquarelle des Künstlers Antonio Calderara gekauft. Kann das sein?» Ja, jene beiden Aquarelle, von denen ich hoffte, meinen Vater davon überzeugen zu können, sie uneingennützig mir zu überlassen, gehörten nun Ihnen. Sie hatten die eindeutig besseren Argumente.

HQ – High Quality, Heft Nr.13

Während unseres Gespräches entschieden Sie sich, einige Bilder aus meiner Serie «25-jähriges Bestehen der HBK Braunschweig im Kunstverein Hannover» in «HQ – High Quality», Heft Nr. 13, zum Thema «Kontraste» zu veröffentlichen und zum anderen, mich mit einem größeren Auftrag für das Technologiemagazin «new-tech news» der Deutschen Aerospace zur Luft- und Raumfahrtmesse nach Paris zu schicken. So entspannt muß man erstmal sein, denn zu diesem Zeitpunkt war mein Milchgesicht gerade erst 25 Jahre alt.

Tableaux I – «new-tech news»

Tableaux II – «new-tech news»

Und so wurde es noch eine Bildstrecke in der «new-tech news» und noch eine und noch eine Veröffentlichung in «HQ – High Quality», Heft Nr. 25, zum Thema «Paare»; und so habe ich zudem von Ihnen sehr viel gelernt: Als Sie beispielsweise aus der Menge von 120 Vergrößerungen exakt 18 Aufnahmen für die Bildstrecke auswählten – und auf diese Weise sehr viel gute Bilder ungenutzt blieben – bemerkten Sie meinen leicht entsetzt wirkenden Gesichtsausdruck und erklärten: «Nur wenn man viele gute Aufnahmen weglassen muß, dann weiß man, daß man als Fotograf gut gearbeitet hat».

HQ – High Quality, Heft Nr.25

Das von Ihnen geschaffene Magazin «HQ – High Quality – Zeitschrift über das Gestalten, das Drucken und das Gedruckte. Drei internationale Gestalter werden vorgestellt. Sechs Originalbeiträge zu einem denkwürdigen Thema.» setzte nicht nur Maßstäbe in Punkto Druckqualität, Gestaltung und Veredelung, sondern es war ebenso ein Literaturmagazin. Die Gestalterin Sabina Sieghart schreibt auf Ihrer Website: «‹High Quality› war das Magazin der Heidelberger Druckmaschinen. Für uns das ‹Zuckerl› bei Rolf Müller, denn wir durften mit tollen Fotografen und Textern arbeiten und zudem jedes mal eine neue Drucktechnik ausprobieren.»

HQ – High Quality – Paare – Spreadsheet 1

Einige der Themen waren: «Die immerwährende Sehnsucht des Menschen nach überall hin», «Der rechte Winkel», «Blüten», «Randerscheinungen» oder «Störungen», ein Heft, in dem Sie zum Beispiel den Falz der Seiten 45 und 46 tiefer ins Heftinnere legten, sodaß sie sich durch den Randbeschritt nicht hatten öffnen können. Mit dem Elan der Jugendlichkeit brachte ich damals den notwendigen Ehrgeiz auf, die in diesem «verschlossenen Teil» abgedruckte Korrespondenz zwischen Ihnen und jenem Fotografen, der auf seinem Fachkamera-Großbilddiapositiv nicht nur das Dach des Münchner Olympiastadions in einer sehr schönen Lichtstimmung fotografiert hatte, sondern Ihnen das kleine kreisrunde Wölkchen, das sich hinreichend zart im ansonsten glasklaren Abendhimmel ebenfalls auf besagter Aufnahme zeigte, als waschechtes UFO verkaufen zu wollen, so zu lesen, daß ich dabei die beiden Seiten nicht mit einem Messer hatte trennen müssen. Was tut man nicht alles zum Erhalt der Kunst? Und so ist es auch kein Zufall, daß in derselben Ausgabe ebenfalls die zerschnittenen Häuser des Künstler Gordon Matta-Clark «gefeatured» wurden. Und: Was passiert eigentlich mit einer Störung, die man durch einen Schnitt quasi «entstört»? Fühlt sich die Störung möglicherweise durch einen solchen Eingriff selbst gestört? Kann sie dann nicht mehr schlafen? Plündert sie als Konsequenz nachts die Auslagen eines WMF-Fachgeschäfts?

HQ – High Quality – Paare – Spreadsheet 2

Was Sie, lieber Rolf Müller, neben Ihrer gnadenlosen Qualitätsvernarrtheit auch auszeichnete, ist, daß man mit Ihnen eben auch jeder Zeit solche Gespräche – wie vorstehend kurz skizziert – führen konnte, ohne daß es einem dabei hätte langweilig werden können. Und jetzt? Jetzt haben Sie sich vor ein paar Tagen überraschend als Erdenbürger endgültig zur Ruhe gesetzt. Eigentlich wollte ich Sie noch für mein Portraitprojekt fotografieren. Well, sir, just to be perfectly honest with you: I am facing serious problems to cope with it. Das darf doch wohl alles nicht wahr sein. Ich hatte mich extra für Sie in die Yussuf-Karsh-Optik eingearbeitet. Es sollte eine Überraschung werden. Vor ein paar Tagen noch waren Sie als Referent auf der Website der QVED 2015 abgebildet und heute finde ich bei den Damen und Herren von der Designalliance die Nachricht, daß Sie jetzt für’s erste Feierabend machen.

Darf ich Ihnen zur seelischen Zerstreuung an dieser Stelle den ultimativen Kommunikationslösungsweg eines Malcolm McLarens vorstellen, der sich zum Zeitpunkt des Besuchs seiner Website bereits seit mehreren Monaten im permanenten Ruhestand befand?

Screenshot Website Malcolm McLaren

Meine Mail an ihn blieb bisher leider unbeantwortet. Aber vielleicht reagiert er ja auf Ihre. Restlos ausschließen ist das nicht.

Lieber Rolf Müller, alles Gute.
Ihr Andreas Baier

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Zusatzlinks:
Monographie über Rolf Müller
Interview mit Rolf Müller in «Design Culture»
Rolf Müller, der Geschichtenerzähler, der Zeichensetzer, der Systemgestalter

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Magnum Photography: «Commemoration – In Memory of René Burri»

22 Feb

ODEON – Théâtre de l’Europe:
Commemoration – In memory of René Burri

All photographs by Andreas Baier
Click on photographs to enlarge

Leica Camera AG writes: «Many of his photographs are part of our collective visual memory – without a doubt, René Burri was one of the greatest photographers of our times.» The camera company continues: «A full member of ‹Magnum Photos› since 1959, René Burri impacted 20th century photography like few others. Never satisfied with a simple form of visual documentation, the photographer was always looking for unique perspectives and aesthetically demanding solutions, resulting in multi-layered images with a spontaneous yet precise composition.»

As a happy subscriber of L’Oeil de la Photograpie’s newsletter we received an invitation we spontaneously decided to take full advantage of it: «Commemoration : In memory of René Burri» – «In memory of René Burri who passed away on October  20th, 2014, the Burri-Bischof family and Magnum Photos Agency would like to invite you to a commemoration in his honour. This tribute takes place on Monday, February 16th, 2015 at 8pm at Odéon-Théatre de l’Europe, Paris.»

Our report about this happening is based on photography, so we will now end the written part of it. Only one more thing: the evening was great, it came along with some intellectual surprises and was purposefully positioned in a quite comfortable laid-back-zone. In other words, it was Paris to best our knowledge: filled with culture and art.

Well, one more last thing: at the moment our staff-photographer seems to be on a strange visual trip as he mixes visual large-grain-habits from the 1960s with photoshop blurs in the same images. We pray to god that this period might end soon but right now we feel helpless … anyway: enjoy.

If you have eaten just one piece of these gently gleeming and very well tasting chocolate cakes and do not feel hungry for the next three days, or so, then you know that you must be in France.

We already had him here, together with Franco Fontana, 1988 in Arles.

View from the balcony to the right side.

While having done some research on the internet, seriously driven by the initial intention of infringing René Burri’s copyright through the unauthorised usage of some of his amazing photographs in this very same article, we came across some interesting links you will find in the following: Steidl | Diogenes – «Mouvement» – not published yet, PHAIDON – «Impossible Reminiscences», Moser Verlag – «Blackout New York», Das Magazin – Burris T-Shirt, Achtung Photography – René Burri: Die Deutschen, Le blog photo – «Impossibles Réminiscences» René Burri à la Galerie Esther Woerdehoff, René Burri on artnet, Edition Dino Simonett – «RENÉ BURRI, BERNER BLITZ», Edition Dino Simonett – «RENÉ BURRI, NOUS SOMMES TREIZE À TABLE», Edition Dino Simonett – «RENÉ BURRI, 77 STRANGE SENSATIONS», Leica Rumours – «Leica Hall of Fame 2013: René Burri», Visible – «René Burri: Posted In Inspiration», Real Life Is Elsewhere – «René Burri», Art & Photography – «René Burri, 1933 – 2014», The Branders – «René Burri – “I’m Not a Purist”», Delirium Magazine – «RIP. René Burri», Entre Linha – «Morre o fotógrafo René Burri», Photographers Without Borders – «Speaking through photography with René Burri», Filmsnotdead – «Remembering Magnum photographer René Burri», Photo This & That – «René Burri», Le Monde – «Portfolio: René Burri», The National – «The UAE through his lens: René Burri, 1933-2014», Michele Roohani – «René Burri, one degree of separation between me and Che Guevara», Eric Kim Street Photography Blog – «10 Things Street Photographers Can Learn From Magnum Contact Sheets», Foto Post – «René Burri: Havana, 1963»

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«What counts is putting the intensity that you yourself have experienced into the picture. Otherwise it’s just a document.» – René Burri
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Museum Angewandte Kunst Frankfurt: «German Design Award 2015»

16 Feb

Click to enlarge designprizedly

Beim «German Design Award» werden hochkarätige Produkte und Projekte aus dem Produkt- und Kommunikationsdesign, Designpersönlichkeiten und Nachwuchsdesigner, die alle auf ihre Art wegweisend in der deutschen und internationalen Designlandschaft sind, ausgezeichnet. 

Ziel des «German Design Award» ist es, einzigartige Gestaltungstrends zu entdecken, zu präsentieren und auszuzeichnen. Ein Wettbewerb, der die Designszene voranbringt. Insbesondere die Gewinner.

Aktuell hat die Fachjury des German Design Award 2015 aus 2.250 internationalen Einreichungen und jeweils 10 Wettbewerbskategorien insgesamt 20 Gold-Preisträger ausgewählt. Neben den Gold-Auszeichnungen vergab sie bis zu 10 Winner- Prämierungen pro Kategorie und ehrte weitere Arbeiten mit dem Prädikat Special Mention.

Als Wettbewerb der Wirtschaft für die Wirtschaft, der die hohe Designkompetenz der Teilnehmer unterstreicht, genießt der German Design Award hohes Ansehen in der Öffentlichkeit. Dafür sorgt auch das Renommee seines Auslobers, des Rat für Formgebung, der seit 60 Jahren das deutsche Designgeschehen repräsentiert und die Wirtschaft in allen Designfragen kompetent und nachhaltig unterstützt.

In der Ausstellung im Museum Angewandte Kunst werden alle Preisträger Gold, Winner und Special Mention der zehn Kategorien aus dem Bereich Kommunikationsdesign, sowie sechs Newcomer Finalisten und unser Ehrenpreis Personality präsentiert, der dieses Jahr an den Unternehmer Nils Holger Moormann geht.

Die Fachjury setzt sich aus dreißig Designexperten aus Wirtschaft, Wissenschaft und der Gestaltungsindustrie zusammen. Die designinteressierte Öffentlichkeit kommt mit der Vergabe eines Publikumspreises ebenfalls zum Zuge.

Am 13. Februar 2015 wurden die Gewinner während der «Ambiente» auf dem Messegelände in Frankfurt ausgezeichnet, die prämierten Arbeiten im «Museum Angewandte Kunst Frankfurt» ausgestellt. Dies sind ein paar Bildeindrücke von der Vernissage. Unser Redaktionsfotograf Andreas Baier befindet sich gerade auf dem 1960er-Jahre-Grobkornlook-Trip.

Wenn Nils Holger Moormann spricht, dann stellen viele Designkundige ihre Ohren automatisch auf die Stufe «Extralausch».

Der Chefredakteur des Magazins «form», Stephan Ott, verdeutlicht seinem Gesprächspartner anhand eines anschaulichen Beispiels das Kommunikations- und Gestaltungsprinzip «form follows function».

Andreas Baier’s brand new «Curriculum Vitae» presenting his outstanding flashlight paintings out now!

10 Feb

Cover «Curriculum Vitae» with an essay by Klaus Honnef
about Andreas Baier’s amazing flashlight paintings

To our most favourite delight, our staff-photographer’s amazing flashlight paintings are pretty much known on the international art market. In the 1990s he caused one stirr after the other; his cibachrome-based vintage prints had been published and exhibited thoughout the world, even as far as «people»-magazine in China and went additionally under the hammer at Sotheby’s – only two years after they were introduced to the market for the very first time.

Art collectors who made the decision adding them to their collections must have felt a bit hard about the idea of reselling them because for the first decade of the new millennium there was a larger break in the public awareness history of Andreas’ flashlight paintings; a gap mostly welcomed by the artist to use this marvellous opportunity to celebrating extended teatime proceedings:

flashlight painting (Blitzlichtgemälde) «Teatime»;
Cibachrome Vintageprint by Andreas Baier

Or realising other projects. Now, however, they are back on stage; are to be seen on art fairs such as the Art|Basel in Switzerland. Honouring this development and since the artist does not exhibit his work anymore, a gorgeously looking and nicely designed booklet has been freshly squeezed and pressed and published and brought to life, which is meant to provide art collectors with a proper insight into Andreas Baier‘s work and informs about the world he mentally still lives in. This catalogue also contains an essay by Prof. Klaus Honnef about Andreas Baier’s flashlight painting technique.

flashlight painting (Blitzlichtgemälde) «Cube Base» –
created on the Outer Hebrides; Cibachrome Vintageprint by Andreas Baier

In total: 72 nicely designed pages, covered in a luxurious hardcover outfit which makes not only the content worth owning it but also its price explicable: € 45,-.

ISBN 978-3-7347-5365-7

Amazon: click.
Sneak preview: here.

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