Tag Archives: Sonntagsgedichte

Eine Überlegung zu vorgerückter Stunde: «Die Laufmasche ist der Bär des weiblichen Intellektes auf seinem Weg nach oben»

26 Dec

Foto von Andreas Baier
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Weil es so schön ist, gleich nochmal: «Die Laufmasche ist der Bär des weiblichen Intellektes auf seinem Weg nach oben». Oh, welch’ vollkommen erscheinende Beklopptheit doch diesem Satze innewohnt. Einerseits. Andererseits klingt es auch irgendwie einleuchtend. Paradox, nicht?

Eine Alternative: «Der weibliche Intellekt ist die Laufmasche des oberen Bären auf seinem Weg». Fragt sich nur: Auf welchem Weg? Und wohin führt er? In ein Brillenfachgeschäft? Oder gar in die Konsequenzen des bösen Klimawandels? Wer will das so genau wissen?

Wir hätten da allerdings noch «Der Intellekt des weiblichen Bären ist die Laufmasche des Weges nach oben» im heutigen Sinnangebot.

Allerdings, so fürchten wir, führt das alles zu nichts. Greifen wir zu einem Kniff, den schon Sokrates für sich zu nutzen wußte: Ersetzen wir also den Begriff Laufmasche durch Schirlingsbecher, quatsch, das Wort Fahrkartenautomat sowie das Adjektiv weiblich durch werblich. Und siehe da: «Der Fahrkartenautomat ist der Bär des werblichen Geschlechts auf seinem Weg nach oben». Na bitte, es geht doch.

Wohingegen die Aussage «Der werbliche Intellekt ist der Fahrkartenautomat des oberen Bären auf seinem Weg» unter logischen Gesichtspunkten zunächst noch etwas gewagt wirkt, jedoch ihr volles Aroma genau dann entfaltet, wenn auch hier einige Veränderungen und Umstellungen vorgenommen werden, die in letzter Konsequenz in die verbalisierte Überlegung «Es ist immer das Wesentliche, das dem Sinn das Sein verleiht» münden. Wir lernen: Dem Grunde nach ist es gar nicht soo schwer, sich gewählt und verständlich zu artikulieren. Auch nicht zu vorgerückter Stunde. Man muß es nur ganz stark wollen.

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Religiöses Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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Ich wünschte, ich wünschte, Du wärst hier!

5 Jun

Photo by: SunnyMarry [flickr ]

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So viele Nächte allein auf hoher See, trinke hohes C, streichle mein Gemächte, flechte seine Haare bis ein Haken entsteht, wie ein Laken sind die Wellen in Deinem Bidet, das Ende der Welt ist mein großer Zeh, den ich seh‘, an dem ich dreh‘, wenn ich meine Augen schließe, die Vorstellung genieße, Du wärest jetzt bei mir. Ich rieche Dich, Dein Duft macht mich sehend, Sehnsüchte auf Knien flehend, ziehen an mir vorrüber wie weiße Wolken als Sahne auf der Suppe. Ich erahne, erbitte, winsel: Eine Sternenschnuppe erhelle wie ein Pinsel die Nacht. Ich schwimme auf der Welle Deiner Stimme in dem Traum, den Du mir gebracht. An der Schwelle zum zweiten Raum weiten sich die Pforten, Eskorten begleiten mich, bereiten meinen Weg zu Dir:

Ich wünschte, ich wünschte, Du wärst hier!

Der Tag geht, es dämmert und hämmert wie belämmert in meiner Brust. Du mußt mir glauben, auch Tauben, die sich in die Lüfte schrauben, rauben mir den Schlaf, weil das Schaf der Schafe fehlt, ich hab‘ sie alle für Dich und mich gezählt. Du warst und bist ein anderes Wesen: Konntest und kannst mich von Innen lesen. Du kehrtest mit dem Eisenbesen, den Du verehrtest, wolltest mir beweisen, daß diese Kur, die gerechte, mir die Natur zurückbrächte. Wieviele Nächte tat alles weh, doch endlich seh‘ ich Monet nach Zahlen meine Qualen mit Wasserrosen übermalen, sie prahlen sie mit ihrem Frohsinn, ihrer Heiterkeit. Im neuen Kleid wird es Zeit, Dich zu erfreuen. Mache Dich bereit, denn sanft, unverkrampft wie ein Stier komm‘ ich hier und jetzt zu Dir:

Ich wünschte, ich wünschte, Du wärst hier!

Flügel vieler Schmetterlinge in uns beben, nach der Sonne streben. Es ist ein Muß, Dir als Dädalus einen Kuß zu geben. Es fehlen Stühle auf der Reise nach oben. Ich rede Stuß – vielleicht – doch muß ich Dich loben, ich fühle mich so leicht. Nichts ist seicht oder eingeweicht. How I wish, how I wish you were here:

Ich wünschte, ich wünschte, Du wärst hier!

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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Es schreibt Dir ein Verknallter mit seinem Füllfederhalter!

27 Feb

English Parker Duofold

Photo by: jh.8619

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Es schreibt Dir ein Verknallter
Mit seinem Füllfederhalter.
Ein kalter Tag bleibt nicht,
Mein Arm schreibt ihn warm und herzlich:
Ich vermisse Dich so schmerzlich.
Herbstlich soll dies‘ Gedicht
Wohl sein, es bricht
In meinen Sichtbereich ein.
Ein Königreich für einen Kuß von Dir,
Meinem Gefühlsverwalter in der Praxis,
Wir reisen per Anhalter durch die Galaxis
Mit von Thurn und Taxis.
Beweisen den Sinn im Sein
Und sind nicht mehr allein.
Hören als Kost die alten Maxis
Mit den Songs der Sixty-Schatzies.
In der Post steh‘ ich am Schalter:
Es schreibt Dir ein Verknallter
Mit seinem Füllfederhalter.

Mit geballter Geschwindigkeit
Fliegt ein Falter in die Ewigkeit.
Man sieht ihn an der Scheibe kleben
Und beileibe im Jenseits weiterleben.
Daneben entstehen hier auf dem Papier
Bereits die Zeilen, die mich heilen.
Gleich einer Flinte
Beseitigt meine Tinte das Naive,
Sie begibt sich in die Tiefe.
Ich schliefe schlecht
Würd‘ ich nicht wissen: Alles ist echt!
(Ich knipse an dem Schalter)

Es schrübte ein Verknallter,
Kraft Füllfederhalter,
Mit dem er übte:
Dein Stammeshalter.

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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Beim Tanken

6 Feb

Wie Blätter ohne Stengel … | Foto: welt.de

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Gut gekleidet, doch verständnislos,
Schautest Du den Motor an.
Da sei wohl eine Schraube los,
Du zogst mich fest in Deinen Bann.

Fast vier Stunden ging ich Dir zur Hand,
Mein Anzug war lädiert.
Du brachtest mich um den Verstand,
Und da ist es passiert.

Dein Blitz traf mich beim Tanken.
Dem Himmel will ich danken.
Es fielen alle Schranken.
Dem Himmel will ich danken.

Zum Glück gibt es ja gelbe Engel,
Ich überließ ihnen ‘nen Scheck.
Wir war’n wie Blätter ohne Stengel,
Der Wind wehte uns hinweg.

Dein Blitz traf mich beim Tanken.
Dem Himmel will ich danken.
Es fielen alle Schranken.
Dem Himmel will ich danken.

Dein Blitz traf mich beim Tanken.
Erschöpft wir in die Federn sanken.

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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Schwieriger Werdegang eines Schwachkopfes, der nach Erstellung des Gitterstäbe-Blueses von der Anstaltsleitung trotzdem keine bessere Prognose ausgestellt bekam.

20 Aug

Gitterstäbe-Blues

Schrübe ich so gerne über Wunst auch fürderhin,
Doch schröbbte ich gedanklich durch die Flaute,
Ich schüpfte Wasser, Wein und etwas Sinn:
Ich hüpfte schwer als ich ergraute.

Das Blumenkleid, es war durchschroben sehr,
Das “I” vom “Ich” ist große Größte,
Doch was ist “Unten” und was ist “Oben” – schwer:
Es ist das Daumenlutsch, das ich durchstößte.

Es war der Neid, der mich erlöste,
als ich durch Gitterstäbe döste …

Kluffte ich gleich Hundeelend – schwer zu sagen,
Mein schwacher Kopf in Feinripphöste,
Dufte find’ ich – litt der Kragen:
Wasser, Brot; doch keine Leberwöste.

Es war der Neid, der mich erlöste,
als ich durch Gitterstäbe döste …

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