Marketing Services – Das Schöne ist auch immer zugleich das Gute und das Nützliche.

Besucher der Marketing Services sind für gewöhnlich gut drauf, überblicken so einiges und sind neuen Dingen gegenüber ungemein hoch- und inhaltlich aufgeschlossen.

Marketing Services – das Schlaraffenland entschlaffter Karaffen. Marketing Services – das wundersame Wunderlampenland. Marketing Services – das notwendige Etwas mit dem gewissen Etwas, mit dem gewissen Biß, erhältlich im bißfesten Bißcount – Letzteres eine neue Wortschöpfungskombination, das gebe ich unumwunden zu, aber genauso muß und sollte man sich die gängigen, ungängigen und unumgänglichen Kundenumwerbungsprodukte vorstellen. Sie sind von Nutzen oder auch nicht; sie helfen beim Putzen oder auch nicht. Aber die meisten von ihnen sind schön, appellieren an die Verspieltheit ihrer Ansprechpartner aus längst vergangener Kindheitstage: der bedruckte Kugelschreiber oder das kugelnd Bedruckte ist aus dieser unserer Welt gar nicht mehr wegzudenken. Und das ist gut so. Wer Werbegeschenke sammelt, ihnen huldigt oder schlicht gut findet, der führt keine ergebnisorientierten Bleikugelkriege mehr; er umkämpft vielmehr neue und alte Absatzmärkte, Maßeinheiten im Kühlregal des Handels, Speicherplatz in den Köpfen der Weltkonsumenten oder hat nur schlicht und einfach und auf überaus erfreuliche Art und Weise einen an der Waffel.

Hier entsteht ein grundsolider Messestand von Flags and Displays. Das Aufbauteam wird in Kürze ruckzuck fertig sein.

Und so trifft man sie hier alle, die scheinbar traumatisierten Traumartisten, die in Wirklichkeit Einkehr in ihr Inneres halten, über sich selbst reflektieren, sich in diesem Umfeld sogar gelegentlich völlig neu selbst erfinden. Oder die raumaromatisierten Aromafrisierten, die als geerdete Astronauten ihre irdische Raumstationen ausschließlich aus Giveaways zusammenbasteln. Ist das nicht schön? Ja, das ist es. Keine Frage. Aber dafür eine ganz andere: Ist das auch wirklich so? Naja, Charles Paul Wilp schaut sich seit dem 2. Januar 2005 die Radieschen von unten an, Hansruedi Giger ist auch nicht mehr der Jüngste und an Gutfried Helnwein kann sich glücklicherweise kaum noch jemand erinnern. Die meisten der jetzigen Besucher sind nüchtern interessiert, jederzeit ansprechbar, immer mal zu einem kleinen Scherz bereit und verfügen über ein breit aufgestelltes Auffassungsvermögen. Das alles läßt sich locker von den Inhalten der prall gefüllten Show+Sell+Papiertaschen ableiten, die die Messegesellschaft jedem Besucher der Marketing Services kostenfrei am Eingang zur Verfügung stellt.

Sieht alles nach einem gelungenen Richtfest bei Flags and Displays aus…

Die diesjährige Marketing Services in Halle 8 auf dem Messegelände der Messe Frankfurt ist formal betrachtet ein bißchen klein ausgefallen. Das letzte Mal besuchte ich sie vor reichlichen zwanzig Jahren. Das war ein rauschendes Fest. Mehrere Hallen zum Bersten und Platzen gefüllt. Sogar André Kostolany war gebucht, kam und sprach auf einem Stand zu schätzungsweise 400 Zuhörern: „Die Wirtschaft und den Börsenkurs muß man sich ungefähr so vorstellen: Stellen Sie sich eine alte Dame vor, die ihren Hund ausführt. Der Hund läuft vor und zurück, während die alte Dame langsam ihren Weg zurücklegt. Die alte Dame, das ist die Wirtschaft, und der Hund, der vor und zurück läuft, das ist die Börse.

André Kostolany gleich zweimal wiedergeboren? Falls ja, so besucht er gerade den besten Messestand der diesjährigen Marketing Services, nämlich den von Flags and Displays.

Dann warf ich noch irgendwo in einen rotierenden Plexiglaswürfel meine frisch gefertigte Visitenkarte und gewann später bei besagter Verlosung ein kleines rotes Plastikköfferchen, das ich heute noch habe. Parallel dazu fand der Erste Deutsche Marketingtag statt, mit einem Vortrag von Günther Fielmann, der es in sich hatte, und der mir immer noch lebhaft in Erinnerung geblieben ist. Damals war er der erste Brillendiscounter am Markt und wurde von den eher traditionell ausgerichteten Optikerkollegen erheblich bekämpft. Sie sorgten u.a. mit unlauteren Mitteln dafür, daß er nicht mit Brillengestellen beliefert wurde, es gab unerlaubte Preisabsprachen, etc. pp. Günther Fielmann zeigte während seines Vortrages auch einen Filmausschnitt, in dem er in einer Talkshow zu sehen war. Dort saß er inmitten seiner Gegner, die ihm ebenfalls vorhielten, Fielmanns Brillengestelle seien so konstruiert, daß sie sich nicht reparieren ließen. Fielmann präsentierte daraufhin zunächst eines jener Brillengestelle, die von seinen Kritikern verkauft wurden und brach kurzerhand einen der Brillenbügel ab. Sodann schnappte er sich eines seiner eigenen Brillengestelle, verbog es nach bestem Wissen und Gewissen, versah es abschließend noch mit einem Knoten und stellte vor laufender Kamera resümierend fest: „Natürlich lassen sich Brillengestelle von Fielmann nicht reparieren – weil sie nicht kaputtgehen!

Noch einmal richtet sich mein Augenmerk auf Flags and Displays. Harmonisch umgarnen die Farbstreifen die Aufmerksamkeit des farblich Umgarnten, die ihn beiseite und an die Hand nehmen, sein Erinnerungsvermögen auffrischen und schärfen und ihm bei seiner Entscheidungsfindung behilflich sind. Jeder marketingorientierte Kommunikationsexperte, der diesen Stand verläßt, weiß, daß er ihn nicht so schnell vergessen wird – Bridget Riley nebst erstklassigem Thermosublimationsdruck sei Dank.

Und noch ein kurzer Blick auf mein Wolkenhoroskop für die nächsten Tage, das sich mir auf dem Frankfurter Messeparkplatz präsentiert; und eventuell folgende Frage aufwirft: Werde ich auf der Art Basel einem Elefanten begegnen?

Published in:  on June 18, 2009 at 7:39 pm Leave a Comment

40 Jahre Art Basel

Arbeiten seit nunmehr zwei Jahrzehnten scheinbar unermüdlich an der harmonischen Gleichschaltung des internationalen Kunstbetriebs: Das Berliner Künstlerduo Eva und Adele (hier auf der Art Basel 2009)

Was früher einmal die Art Basel war, ist immer noch die Art Basel. Da besteht kein Zweifel. Allerdings sind da wohl seit meinem letzten Besuch, vor ca. 15 Jahren oder so, ein paar geringfügige Änderungen vorgenommen worden: Der obligatorische rote Sisalteppich ist verschwunden, seltsame Schranken, die es zu überwinden gilt, unermöglichen es einem, ungehindert seinen über die Jahre hinweg liebgewonnenen Kreisrundlauf im Außenradius auf der Parterreebene des Mustermessehauptgebäudes zu vollziehen. Außerdem die teilweise inhaltlich neumodische Zusammensetzung der Messebesucherbewirtung im Innenhof…; außerdem der neue Sitz des Pressecenters…; außerdem die dramatisch gestiegenen Zimmerpreise…; außerdem bin ich älter geworden…; außerdem war die Welt noch nie vollkommen, früher jedoch auf ihr irgendwie alles viel besser – man denke bloß an den ersten und zweiten Weltkrieg…; außerdem sind die Damen im Pressecenter so freundlich, einem unavisierten Blogger wie mir, eine Presseakkreditierung zuzugestehen; außerdem spielen Cy Twombly und Richard Serra draußen vor der Tür – genau dort, wo früher Ben Wargin bereits gefällte Bäume zum Zwecke des Hinweises auf den Raubbau, den wir Erdenbewohner mit der Natur treiben, in eine Guillotine steckte und so ein zweites Mal köpfte – nun endlich mal in aller Ruhe, weil unangemeldet und somit unbeachtet, die längst überfällige Partie Riesenschach miteinander…;

Cy Twombly und Richard Serra spielen in aller Ruhe eine Partie Riesenschach miteinander, während zur selben Zeit die Herren Rosenthal und Koons ihre kopfeigenen Rechenzentren im Rahmen einer Podiumsdiskussion langsam aber sicher auf Betriebstemperatur konferieren.

… außerdem ist in der Schweiz immer alles wie Deutschland, nur ein bißchen anders und somit lohnt sich alles doppelt…; außerdem vertreten fast alle ernstzunehmenden Sammler, mit denen ich bis jetzt gesprochen habe, sich nicht nur die Beine sondern auch die Meinung, daß sich Stefan Balkenhol auch mal was Neues einfallen lassen könne, was der Gute, wie man hier prima sehen kann, doch längst hat…; außerdem ist jetzt fast viel besser als wie früher das früher war alles gestern…; außerdem habe ich nach einer längeren Suchaktion doch noch meinen Lieblingsmilchprodukteverkaufsstand auf dem Messegelände gefunden – allerdings ohne die genormtgeformten-70er-Joghurtgläser…; außerdem gibt es im Art-Unlimited-Gebäude anläßlich des 40. Geburtstags der wohl wichtigsten Kunstmesse der Welt eine Ahnentafel, auf der ich alle ausstellenden Teilnehmer der ersten Generation Art Basel gefunden habe: Ich erinnere mich an den Neapolitanischen Galeristen Lucio Amelio, der auf seinem Stand einen Künstler präsentierte, der direkt auf Keilrahmen gespannte Nerze zu einem Drittel ihrer bemalbaren Oberfläche mit herzergreifenden Sonnenuntergängen in Öl bereicherte; ich erinnere mich an die vielen Seldenschen One-Man-Shows auf dem Stand der Mailänder Galerie Naviglio; ich erinnere mich an ein Treffen mit Erich Hauser, der ein paar Monate später einfach so dem Alkohol zum Opfer fiel; ich erinnere mich an Jean Tinguely, der, als ich ihn portraitierte, seinen Zeigefinger in ein Wasserglas steckte und „Brumbrumbrum“ brummte; ich erinnere mich an Nicholas Treadville und Borgislav von Wenzel und auch daran wie Zuerstgenannter sich von Zweitgenanntem an der Theke meines oben bereits erwähnten Lieblingsmilchprodukteverkaufsstandes hatte anhören müssen: „I think it is a little bit more than kitsch“ womit sich von Wenzel auf Treadvilles Ausstellungsprogramm bezog, das in besagtem Jahr nicht eben wenige Kunstgemüter erheblich zu erhitzten vermochte; ich erinnere mich an die Bügelfalten in den Jeans von Axel Hecht; …

Ist Kunst eine Religion?
Nicht jeder Messebesucher ist von der Idee, sich spontan als Kunstjesus kreuzigen zu lassen, angetan, wie dies unsere Meerschweinchenreportmitarbeiterin (grüne Tasche) durch den hier spontan Angesprochenen (lila Tasche) Kraft seiner entschieden harschen Ablehnung einmal mehr erfahren mußte.

… ich erinnere mich an Carl Laszlo und an seine erfrischend polarisierenden Gedanken, mit denen er mich einige Jahre lang regelmäßig versorgte sowie an Miklos von Barthas Humor und Visitenkarte im Kupfertiefdruck; ich erinnere mich daran, einem zufällig mitgelauschten Gespräch unter Fachleuten, in dem der Name eines von mir besser hier nicht zu erwähnenden Galeristen fiel, entnommen zu haben, daß der hier Gegenständliche angeblich noch nie seinen Messestand bezahlt hat und damals seine Unterlassungssünde mit der scheinbar einleuchtenden Begründung gegenüber der Messegesellschaft ziemlich genau so vertreten haben soll: „Wenn ich nicht komme, dann seit Ihr zweitklassig!“ (Ein Argument, das angesichts der mittlerweile sehr vielen internationalen Top-Galerien, die auf der Art Basel vertreten sind, längst nicht mehr ziehen dürfte); ich erinnere mich an den stolzen Geichtsausdruck von Klaus Staeck, als er die Holzpostkarte von Joseph Beuys medienwirksam in seine Edition integrierte; ich erinnere mich an die gelb-roten KUNSTmagazin-Aschenbecher meiner Eltern, die einige Jahre lang fast jeden Messestand zierten und die an der Grenze von meinen Eltern, als sie von den Zöllnern gebeten wurden, deren genauen Verwendungszweck zu deklarieren, entsprechend griffig mit „Propagandamaterial“ eingestuft und vermutlich gerade deshalb auch so akribisch die Verzollung berechneten;…

Der Anblick einer Ahnentafel stimmt mich immer ganz sentimental.

… ich erinnere mich an diverse Gespräche unter Galeristen, die sich erzählten, daß die Schweizer Grenzbehörden während der Kunstmesseanfangsjahre einen Picasso nach Gewicht verzollt und einen Christo gar ausgepackt haben sollen; ich erinnere mich an Penck sowohl zeitgleich hinter dem Schlagzeug als auch einer Magnumflasche Veuve Cliquot; ich erinnere mich an an so vieles – ich weiß nicht mehr an wie viel…

Stampa
Eine der aus meiner Sicht besten Arbeiten auf der diesjährigen Art Basel: Stampas großartiges Werk „Public Viewing After Sunrise“ besticht durch überdurchschnittliche Präzision bei der Darstellung alles Menschlichen bis ins kleinste Detail. Stampas Anliegen: Der Messebesucher soll lernen, in welcher Vielfalt Gedrucktes konsumiert und stampa pede gedanklich verarbeitet werden kann. Nachteil für jeden zeitnotleidenden Besucher flüchtig schnellen Vorbeieilschrittes: Er wird möglicherweise glauben, daß die Wachsfiguren, täuschend echter menschlicher Antlitze, tatsächlich echt seien. So entblättert und legt sich nun der wahre Kern der Botschaft Stampas absichtsvoll vor und uns zu unseren Füßen: Sich Zeit zu nehmen, bedeutet oftmals Irrtümer zu vermeiden.

Brad Pitt Um in den Genuß einer möglichst detaillierten Detailansicht zu kommen: bitte anklicken.

Aktuelles Messethema: Brad Pitt hat bei David Zwirner eine Arbeit von Neo Rauch für etwas weniger als eine Million US Dollar gekauft. Das scheinen alle zu glauben. Ich glaube das nicht. Ich glaube, der Deal war ein anderer: David ruft bei Brad durch: „Du Brad, komm doch mal an meinem Stand auf der Art Basel vorbei, zeige mit dem Finger auf eine Arbeit von Rauch (wird fürs Internet im Amateurlook gefilmt), die Du Dir dann auch gleich unter den Arm klemmen darfst, streuen sodann vereint das Gerücht, daß Du knappeschlappe eine Million US Dollar für das Bild hingelegt hast, hängst Dir das gute Stück für ein Jahr oder so in Dein Wohnzimmer, bringst danach das Teil zu Christie’s, kriegst, weil schließlich der Vorbesitzer ein (one of the most hottest) Hollywoodstar war, locker und mindestens drei Millionen US Dollar dafür – und machen anschließend gemeinsam Fifty Fifty. Was denkst Du?“ Und Brad wird sich gedacht haben: „Hört sich nach einem vernünftigen Plan an.

Motherfuckers never die Noch ein aktuelles Messethema: Die italienische Galerie Minini zeigt eine bemerkenswerte Edition Jota Castros mit dem leicht einprägsamen Titel „Motherfuckers never die“. Gezeigt wird eine Namensliste mit wohlhabenden und einflußreichen Kunstsammlern. C’est tout. Fünf Exemplare mit weißer Schrift auf schwarzem Grund und fünf Exemplare mit grauer Schrift auf verspiegeltem Untergrund. Ein kurzes Gespräch mit dem Galeristen Massimo Minini ergab, daß jedes Exemplar EURO 12.000,- kostet, daß schon einige der Genannten auf seinem Stand erschienen seien, daß einige von ihnen die Sache mit Humor nähmen, einige andere jedoch mit ihren Anwälten drohten; die Vertreter letztgenannter Gruppe sich jedoch fast unisono dazu entschlossen hätten, lieber die Arbeiten vom Markt wegzukaufen, weil das billiger käme, als einen Anwalt zu beschäftigen. Ich habe Massimo Mininis Angaben nicht überprüft, allein schon, weil er von mir wissen wollte, ob ich mich auch auf der Liste befände (was mir schmeichelte); und ich außerdem finde, daß das eine schöne Geschichte ist, die ich nicht durch unattraktive Fakten zerstört wissen möchte.

“Cordt Schnibben” Mütter sind von der Möglichkeit, ihre Kiddies tagsüber am Messekindergarten abgeben zu können, ganz angetan.

Am Eröffnungstag dachte ich noch, einem ziemlich desillusioniert dreinblickenden Cordt Schnibben begegnet zu sein, wobei das stark desillusionierende Moment, das ich meinte, in seiner Erscheinung ausgemacht zu haben, hauptsächlich durch seine überdimensioniert buschigen Koteletten repräsentiert wurden. Oh, welch’ gehobene Gehässigkeiten hatte ich mir für ihn und meinen Blog ausgedacht. Nicht, daß ich etwas gegen ihn hätte: mitnichten. Aber wie das mit Nichten eben manchmal so ist: da verfolgt man urplötzlich Prinzipien, die einem bis eben noch völlig fremd waren. Allerdings traf ich Cordt Schnibben danach nicht mehr und beschloß deshalb, noch mal Gnade vor Recht ergehen und die Sache auf sich beruhen zu lassen. Dann jedoch, es geschah innerhalb des Hoheitsgebietes meines inzwischen hinreichend oft erwähnten Lieblingsmilchprodukteverkaufsstandes, drehte ich meinen an nichts Besonderes denkenden Spezialkörper um die eigene Achse und stand direkt vor ihm. Instinktiv griff ich nach meiner Kamera, hob sie an, er jedoch durchschaute die Situation und drehte sich blitzschnell um die eigene Achse, mein Blitz erhellte die Situation und sein Seitenprofil; er dachte wohl, es sei wohl vorbei, drehte sich zurück und nun konnte ich das Spiel dank meiner schier endlosen Liste an gesammelten Berufserfahrungen für mich entscheiden: Zweiter Blitz, Treffer und gewonnen. Yeppeehhhh! „Sie sind Cordt Schnibben, nicht wahr? Wir sind uns mal vor vielen Jahren in Cannes im Majestic begegnet. Das war in dem Jahr als Sie Michael Conrad für den SPIEGEL interviewten und dabei eine schwarzrotgoldene Badehose trugen. Ein schöner Königsweg, auf diese Weise das System zu kritisieren. Hat mir gut gefallen. Das wollte ich Ihnen schon immer mal sagen.“ „Ich bin nicht Cordt Schnibben“ entgegnete er mir trocken und wandte sich erneut von mir ab. „OK, dann werde ich die Bilder eben wieder löschen“ sagte ich leise und halb enttäuscht und schaute sie mir auf dem Display an. Allerdings waren das zwei sehr schöne Aufnahmen und so näherte ich mich ihm wieder, bot ihm an, sich das Display zu beschauen, und sprach: „Das sind aber zwei sehr schöne Aufnahmen. Wollen Sie mal sehen?“ „Was wollen Sie mir verkaufen?“ fragte er mich. „Nichts“ entgegnete ich, „Absolut nichts. Als Künstler verkaufe ich immer nur ein einziges Bild pro Jahr. Und das für dieses Jahr ist schon weg. Es ist nur so, daß ich einige Jahre ziemlich krank im Bett lag und nun reiflich bemüht bin, möglichst formvollendet den Wiederanschluß an das gesellschaftliche Leben zu finden. Glauben Sie, daß ich mich auf einem guten Weg befinde?“ Er schwieg und nickte.

A short interview with Eli BroadBlick nach Torschluß und 19:00 Uhr beim Verlassen des Pressecenters auf den Vorhof der Schweizer Mustermesse.

Im kreisrunden Innenhof sitzt entspannt der amerikanische Kunstsammler Eli Broad auf einem Stuhl und sonnt sich ein wenig. Wie schön, daß er mir ein kurzes Interview gewährt.

Q: Mr Broad, do you think that curators are the DJs of the contemporary art scene?

A: I don’t know what DJs really are.

Q: DJs are the selectors, the choosers, people who decide, which pieces of music shall be used and taken from an uncountable amount of sound tracks in order to introduce them to the public. They are to be seen as the ones who have the power to make someone popular and successful.

A: Now I see what you mean. The funny thing is that people always try to focus on only one single part instead of examining the whole ballpark. There are galleries being still very influential; there are art critics and magazines with the power to make an artist happy, or unhappy; and – of course – there are curators with the gift to be allowed making their favourite choice. But there is another aspect most of the analysts seem to forget: the art collector. Trust me but the typical art collector is not as half as stupid as crowds of frustrated artists might like to let us believe.

Q: What makes you buying a specific piece of art work?

A: That’s my secret.

Q: Mr Broad, thank you very much for the interview.

A: You’re welcome.

Sag ich’s nicht die ganze Zeit? Je kürzer das Interview, desto bedeutender der Sammler.

Art UnlimitedFranz Erhard Walther mit seinen „55 Handlungsbahnen“

Was ja richtiggehend hübsch, sweet und nett ist, das ist die zur gleichen Zeit laufende und von der USB protegierte Art Unlimited, die ein offizieller Bestandteil der Art Basel ist. Eine Installation übertrifft die andere an Größe und inhaltlicher Bedeutung. Ausgewiesene Freunde der Gattung „künstlerische Gesamtunterhaltung“, wie sie früher eigentlich nur von der Galerie Peter Littmann geboten wurde, werden hier ebenfalls voll und ganz auf ihre Kosten kommen.

Einschub:
„Cordt Schnibben“ entdeckte mich heute schon von weitem in einem Gang auf der Grundebene, drehte sich panikartig auf seinem Absatz, und trat den ungeordneten Rückzug an. Dieses Retro-Verhalten erinnert mich definitiv an die späten 1970er der Art Basel. Was da auf diesem Gebiet alles abging…huiuiui… Ich verstehe das nicht. Ein verunsicherter Sammler? Oder ein früherer Documenta-Macher, den ich im Geiste nicht auf der Liste habe? Ich glaube offengestanden: weder noch.

Zurück zur Art Unlimited: Noch eine sehr schöne Arbeit ist die den Eingangsbereich schmückende von Elisabetta Benassi: ein großer, handgeknüpfter Riesenteppich, der nichts weniger darstellt, als ein Telegramm, das 1936 Richard Buckminister Fuller („Fullerene“ – „Buckyball“) an seinen Freund Isamu Nogushi via Western Union schickte, in dem er ihm in 50 Wörtern versucht, Einsteins Relativitätstheorie zu erklären. Ich könnte mir dieses gute Stück prima als „Designobjekt“ via IKEA unter hunderttausenden von Erdenbewohnern verteilt vorstellen – allein schon, um zu zeigen, wie relativ so manches im Leben ist (höhöhö). Aber mich fragt ja mal wieder keiner.

Riesenpapiermonster von Pascale Marthine Tayou

Und als dritte Empfehlung noch das Werk von Pascale Marthine Tayou, welches wie die meisten anderen der hier ausgestellten Arbeiten (die Arbeiten von Stephan Balkenhol und Franz Erhard Walther gehören nicht dazu), mit den Mitteln der plakativen Suggestion arbeitet: Ein Papiermonster aus Schredderware. The artist’s statement: „I regard this monster as a shapeless monster that everyone can identify and play games with or make their enemy. It’s a reaction to the administrative system, to a maze of norms that arises to dominate its master. It constitutes discourse, lyrical poetry, a story of the periphery against global networking without beliefs of laws. (…)

Nur mal so und ganz zwischendurch…Wer sich für Kunst interessiert, sich jedoch nicht auskennt, kann sich einer der vielen Führungen anschließen, die von der Messegesellschaft angeboten werden.Anders als auf der Documenta besteht hier jedoch nicht die Pflicht, den Kunstkonsum ausschließlich durch die Brille der jeweiligen Kunsthistorikerin oder des Kunsthistorikers vorzunehmen.Das Foto zeigt eine Besuchergruppe der ArBasel auf dem Stand der Galerie Hans Mayer.

Es scheint, eine der grundsätzlichen Streitfragen zwischen Kunstliebhabern und/oder -kritikern, nämlich, ob die Kunst allein sich selbst zu genügen oder gar ein hehres Anliegen zu verfolgen hat, geht wohl auch deshalb auf der Art Basel unter, weil sich angesichts der vielen, vielen versteckten Zitate, weniger versteckten Zitate oder ganz offensichtlichen 1:1 Plagiate, die sich in schätzungsweise mindestens 30% sämtlicher der hier präsentierten Arbeiten ausmachen lassen, niemand mehr dafür zu interessieren scheint.

Und warum interessiert sich niemand mehr so richtig dafür? Kunst ist inhaltlich und formal nichts Elitäres mehr. Das war vor 40 Jahren noch ganz anders. Da war die bloße Präsenz auf der Art Basel Beweis genug, zum gesellschaftlichen Insiderkreis zu gehören. Elitär an ihr ist jetzt in nicht wenigen Fällen nur noch ihr Preis. Prinzipiell gleicht der Erwerb von Kunst inzwischen dem Buchen eines Langstreckenflugs. Alle sitzen in der gleichen Maschine, alle fliegen zur gleichen Zeit los und kommen zur gleichen Zeit an; nur daß die einen eben vorne sitzen und viel mehr bezahlen, als die, die hinten sitzen. Die Differenz sind der Fahrpreis und die im erhöhten Fahrpreis inbegriffenen Hummerschwänzchen. Aus dieser Erkenntnis folgt die zwingende Notwendigkeit auf der Art Basel eine VIP-Lounge bzw. Art Collectors Lounge zu installieren, ohne die der internationale Kunstbetrieb nicht mehr funktionieren würde. Außerdem findet viel Kunst im und durch das Internet statt. Mit den Computerprogrammen, mit denen sich jede Menge Blödsinn veranstalten läßt, entsteht auch vieles, das in den Kunstmarkt einfließt. Why not?

In addition: Es ist wohl eine Generationenfrage, ob man sich ungestraft am geistigen Eigentum anderer bedienen möchte und darf – oder nicht. Mit der gleichen Selbstverständlichkeit, mit der im Musikbereich gesampelt und zitiert wird, wird eben auch inzwischen in der Bildenden Kunst gearbeitet, wobei ein sogenanntes „Sample Clearing“, bei dem der Original-Urheber einen finanziellen Ausgleich für das „Ausleihen“ erhält, in der Kunstszene bis heute nicht stattfindet.

And finally: Die heutige Generation scheint sich für nichts anderes zu interessieren, als für sich selbst und ihre ordentlich geführten Web-2.0-Profile. Sie gehen in keine Museen, besuchen keine Galerien, keine Veranstaltungen, die einen bildungstechnisch weiterbringen würde. Und wenn man dann einen Nachwuchskünstler fragt, was er denn so mache, so erhält man zum Beispiel als Antwort: „Ich mache was mit Neonröhren. Das gibt es noch nicht.“ Nein, natürlich nicht…

Der Erschaffer künstlerisch-intellektueller Großereignissehier in kleinem Kreise: Prof. Dr. Wulf Herzogenrath

Kurz notiert:Barbara Krugers (Untitled – I shop therefore I am) aus dem Jahre 1987 ging für etwas weniger als $ 1m bei Thomas Ammann Fine Art über die Theke (links eine Arbeit von Penck);

Das Schaulager versetzt mit einer radikalen Umhängung der Sammlung des Kunstmuseums Basel die Kunstszene in, ähm räusper: Ekstase. So hängt beispielsweise ein Portrait von Hans Holbein dem Jüngeren aus dem Jahre 1530 neben einem überflüssigen Fotoportrait von Wolfgang Tillmans, das jemanden in vergleichsweise unangezogenem Zustand zeigt, wie er sich gerade einen Splitter aus dem Fuß zieht; Gerd Harry Lybke (Eigen+Art) confesses that life is too short to die; Gavin Brown riß sich die Haustürschlüssel von Christoph Büchel unter den Nagel; schwer diskutiert: „Zerstören die vielen Kunstmessen die Existenz der Galerien?“; hingegen ultraleicht diskutiert: „Art and the spectacle of the everyday“; der Galerist Larry Gagosian will seine Finanzprobleme durch die Vergrößerung seiner Ausstellungsfläche in den Griff bekommen; die Arbeit „I am too political“ von Martin Kippenberger aus dem Jahre 1995 bei Per Skarstedt für $ 1.4m verkauft; …

Nicht jeder schafft es auf Anhieb, den von der Züricher Galerie Bischofsberger präsentierten Warhol (Wert: $ 80m) in Gänze auf seinem Handydisplay zu verewigen: „Ich bin aber nicht so gierig, wie die anderen“ wird sich manch einer der vielen Besucherinnen und Besucher sagen und sich realitätsbewußt mit einem Teil davon zufrieden geben.

die Klamottenfarbkombinationen von Mr Deitch: am Dienstag in verschieden Grüntönen am Start, am Mittwoch im konsequenten Gelb-bis-Ocker-Gemisch unterwegs, am Donnerstag enttäuschend normal, weil sein Violett-Approach keinen durchkonzipierten Eindruck macht, am Freitag dann wieder der bewährte Gelb-bis-Ocker-Mix, und heute überraschend farblos, weil: fast ganz in weiß, und: Soll ich mal einen Tip für morgen loswerden? Rot hatten wir noch nicht… (Nachtrag vom Sonntag: Mr Deitch sitzt schon im Flugzeug. Seine Mitarbeiterinnen wissen auch nicht, wie er heute angezogen ist, versichern mir jedoch, daß es mit Sicherheit nichts Rotes sein wird, weil rot nicht sein Ding ist.); Galerie St. Etienne verkauft Gouache von Ernst Ludwig Kirchner „Two Reclining Female Nudes“ aus dem Jahre 1908 für ca. $200.000,-; Bice Curiger, Kuratorin Kunsthaus Zürich und Parkett-Chefredakteurin über eines ihrer Lieblingsstücke (hier: von Sue Williams „Unconfirmed, 2009) auf der Art Basel: „Her thoughts and reflections are concerned with sexuality, she has an erotic energy, which is both comic and drastic.

Der “rote Teppich” Wie mir seine Produktionsleiterin erklärt, will der Schweizer Künstler Hermeli mit seiner Rote-Teppich-viele-filmen-mit-Performance auf das Messiwesen seiner Mutter aufmerksam machen. Jedoch glaube ich eher, daß es sich um einen geistig nicht sonderlich reifen Versuch handelt, das Verhalten von VIPs auf einem roten Teppich zu persiflieren. Hier liegt HP Kerkeling mit seiner Königin-Beatrix-Nummer jedoch nach wie vor unschlagbar weit vorne.

Und nun mal etwas Grundsätzliches über die Qualität der diesjährigen Art Basel bzw. über den Gesundheitszustand der Kunst und deren zugehörigen Szene im Allgemeinen:

Dem Grunde nach handelt es sich um eine sehr hochwertige Messe. Einerseits. Andererseits ist bei genauerer Betrachtung vereinzelt eine Sorte von Schrott zu registrieren, die es selbst auf einer Esoterikmesse nicht ganz leicht hätte. Ich meine hier insbesondere diese ultrageschmacklosen „Silberbilder“ im Eingangsbereich der Galerie Lelong. Jajaja, ich bin mir vollkommen bewußt, mit wem ich mich da gerade anlege, aber ich habe mir besagte Werke jetzt drei Tage hintereinander immer wieder betrachtet. Deshalb mein Tagesbefehl: sofort abhängen!

Ansonsten gibt es auf der Art Basel nichts, was es nicht gibt: alle möglichen alten und neuen Kunstrichtungen nebeneinander und vergnügt miteinander (eingefleischte Puristen sprechen bereits vom Ende des traditionellen Kunstverständnisses – siehe auch vorstehende Ausführungen zum selben Thema); und was mich angesichts dieser drastischen Angebotserweiterung am meisten verwundert: eigentlich müßten die Preise bei so viel Kunst im Überangebot fallen, aber sie steigen. Ich meine nicht die diesjährigen Kunstpreise im Vergleich zu denen vom Vorjahr, sondern im Vergleich zu denen von vor 10 Jahren. Früher kosteten Arbeiten, die mir gefielen und die nicht mit „Picasso“ signiert waren, im Schnitt zwischen DM 20.000,- und 30.000,-, vereinzelt sogar nur DM 5.000,- bis 8.000,- (wie beispielsweise die von mir oben bereits beschriebenen Ölnerzbilder bei Amelio). Heute hat sich das Mittel unter Nichtberücksichtigung des EURO-Faktors verzehnfacht.

Fünf dickhäutige PortemonnaiesSelbst Elefanten reisen zur diesjährigen Art Basel mit prall gefüllten Brieftaschen an, wie es sich mit Hilfe dieses Fotos sehr schön beweisen läßt.

Die Art Collectors Lounge im dritten Stockwerk:
Auch eine Neuerung, die mir aus früheren Art-Basel-Tagen völlig unbekannt ist: die VIP-Lounge bzw. die Art Collectors Lounge. Hier und heute unter der Leitung von Hubert Erni. Sie befindet sich im dritten Stockwerk, genau dort wo früher das Pressecenter seinen Sitz hatte. Vollkommen klar, daß ich ihr allein schon aus diesem Grunde einen Besuch abstatten mußte. Wie ich es schaffte, ohne Ticket durch den Haupteingang, sprich via Rolltreppe nach oben zu kommen, möchte ich jetzt nicht weiter erörtern, aber es ging alles mit rechten Dingen zu: Oh, wie ist das schön, und so anders, und so herrlich: reinste Gebirgsluft einmal komplett durchionisiert. Und endlich darf ich an jenen tiefgreifenden Gesprächen teilnehmen, die sich in der betriebsamen Hektik auf den Ebenen 0 und 1 einfach nicht führen lassen: „Haben Sie sich schon die Raussmüller Collection angesehen?“ „Nein.“ „Ich auch noch nicht. Kommt aber noch.“ „Wissen Sie, als ich das Ausstellungsplakat studierte, dachte ich direkt an folgende Radiodurchsage im Stile eines Werner Hansch ‘… Lembruck übergibt das Leder an das Schußbein von Bundesbein, Bundesbein zieht ab und schiiieeehhhh….aaaberrrrr: Urs konnte den Ball in letzter Sekunde aus seinem Kasten wieder raussmüllern. Welch’ eine sensationelle Spieldramatik…’“ (etwas längere Pause) „Sie sind Künstler?“ „Ja, leider. (kurze Pause) Was sammeln Sie denn so? Sie sind doch bestimmt Sammler, oder?“ „Ich sammle Quadrate, Kreise, Rechtecke. Ich mag’s gerne mathematisch.“ „Keine Dreiecke? Die lassen sich auch prima mathematisieren. Und falls ich mich nicht irren sollte, so gilt das Dreieck als die stabilste geometrische Form.“ (kurze Pause) „Das ist wohl war, aber das Dreieck ist mir irgendwie dann doch ein Hauch zu konkret. Wissen Sie, ich finde, egal was man tut, man sollte die Dinge nicht übertreiben. (kurze Pause) Und in welche Richtung sind Sie künstlerisch tätig?“ „Oh Pardon, aber dahinten sitzt ja der Leihvater meiner beiden Kinder. Ich habe ihn schon seit Jahren nicht mehr gesehen. Macht es Ihnen etwas aus, wenn wir uns später weiterunterhalten?“ „Aber mit dem größten Vergnügen.“ Wenn man dann noch das Glück hat, in einer solchen Situation ganz entspannt und mit Väterchen Zufall im Rücken auf einen Galeristen wie Hans Mayer oder Karsten Greve deuten zu können, hat man die ersten Punkte in diesem Spiel ohne viel Hickhack bereits klar für sich verbuchen können. Nur sitzen dort in diesem Moment bedauerlicherweise keiner der beiden vorstehend Genannten, sondern…das gibt’s doch nicht…huiuiui: mein Spezialfreund „Cordt Schnibben“.

Deshalb: „Entschuldigen Sie bitte, aber darf ich mich zu Ihnen setzen?“ Er schaut auf und erwidert freundlichen Blickes: „Aber natürlich, vorausgesetzt, Sie möchten mir nichts verkaufen“ und grinst ein wenig vor sich hin. „Ich habe meine Position neu überdacht: Sehen Sie das Hochhaus da drüben? Das möchte ich Ihnen gerne anbieten. Interessiert?“ „Selbstverständlich, aber nur wenn bei Objektübergabe noch alle Fensterscheiben drin sind.“ Jegliches Unbehagen ist auf beiden Seiten gewichen. Ansonsten schweigen wir und fragen uns möglicherweise unisono, unter welchen Ausnahmebedingungen wir uns das nächste Mal begegnen werden…

HochsitzNicht nur in der Art Collectors Lounge im 3. Stock, sondern auch von direkt vor den Toren der Art Basel stehen dem interessierten Messebesucher gehobene Sitzpositionen zur Verfügung: (Arbeit von Jeppe Hein mit dem Titel „Loop Bench“ aus dem Jahre 2006).

Und schließlich meine Kunstkaufempfehlung:Die Galerie Helly Nahmad zeigt eine beeindruckende Joan-Miró-One-Man-Show. Die Arbeit „Femmes et Oiseaux dans la nuit“ aus dem Jahre 1968 ging gleich zur Preview für $6m über den Ladentisch.

Aber mal sehen, was man sonst noch so für ein Ankaufsbudget in dieser Größenordnung auf der Art Basel hätte bekommen können. Ich fange mit einer aufwendigen Mischtechnik an, die ich auf dem Stand der Londoner Galerie White Cube ausgemacht habe:Name of the artist: Ashley Bickerton; Prize: $ 350.000,-; Gallery: White Cube.

Zu dieser Arbeit kann ich leider nicht die geringsten Angaben machen, weil ich vergaß, sie mir zu notieren.

Name of the artist: Kolkoz; Prize: $ 16.000,-; Gallery: Perrotin.

Name of the artists: Elmgreen&Dragset; Prize: EURO 3.500.000,-; Gallery: De Carlo.

Meine große Lieblingsarbeit auf der diesjährigen Art Basel ist jedoch eine recht archaisch wirkende (und eigentlich gar nicht verkäufliche) Arbeit von Gino de Dominicis, die aber mit vielviel Bittebittebitte und ebenso vielviel Zuckerzuckerzucker obendrauf dann doch ausnahmsweise für irgendwie leicht zu merkende EURO 1m zu haben wäre; und die leider (ihr einziger, schwerwiegender Nachteil) nicht den von mir favorisierten Titel trägt, nämlich „The artist has just left the building“. Galerie: Rumma.

P.S.: Kleine Bitte an die Messeleitung: Wäre es möglich, im nächsten Jahr die Standnummern der Galerien auch wieder im großen Hauptkatalog auf der jeweils zugehörigen Seite zu erwähnen?

P.P.S.: Kleiner Spezialtip von mir: Die Künstlergruppe „Leicalightathletics“ (hier ein Mitglied) kommt nächstes Jahr auf der Art Basel bestimmt ganz groß raus. Jede Wette!

Published in:  on at 6:56 pm Leave a Comment

Youtube’s BIGGEST ATTRACTION – oder: In welcher Gesellschaft wollen wir zukünftig leben?

It was not planed when Hamlet Hamster got
driven by his cousine to get undressed in public.

Some Public Voices:
“Shaken, not Bird!”
(Nature)

“Sensationally moving!!!”
(Rolling Stone)

“Relatively theoretical!”
(Einstein’s Review)

“Was soll der Schwachsinn?”
(Oskar Lafontaine)

“It’s not how naked you are,
it’s how naked you want to be!”
(Paul Arden)

“God bless you!”
(Pope Benedikt XVI)

“Why not on Shaftesbury Avenue?”
(Tom Jones)

“Germany’s Meat Market To Expand!”
(Financial Times)

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RÜCKBLICK: 12. Junior Agency Tag an der Fachhochschule Wiesbaden

Published in:  on August 25, 2008 at 2:07 pm Leave a Comment

Anfang und Ende (I)

Mutter steht in der Küche am Backofen und klappt die Ofentür auf. Ihr Sohn steht daneben und blickt gespannt auf das Ergebnis der mütterlichen Koch- und Backkünste. Wir sehen einen Kuchen, der wie ein Hühnchenkuchen aussieht.

Sohn
Was ist das denn?

Mutter
Das ist ein Hühnchenkuchen, mein Sohn!

Sohn
Hä?

Der Sohn schaut ob der irritierenden Antwort irritiert; beschließt jedoch sich weiterhin konsequent mit Wissen zu betanken.

Sohn
Und das?

Mutter
Das ist ein Käsebraten.

Sohn
Mutter, warum kochest und backest Du solch’ absonderliches Zeug?

Mutter
(aus den Tiefen der Speisekammer)
Zeus? Dein Vater?

Sohn
Nein, ZEUG! Nicht mein Vater!

Mutter
(abermals aus den Tiefen der Speisekammer)
Und? Worum geht es jetzt?

Sohn
Ich möchte von Dir wissen, warum Du so seltsame Sachen zubereitest. Ich habe es in der Schule eh schon schwer genug, weißt Du? Da könnte ich ein bißchen emotionale Planungssicherheit gut gebrauchen!

Mutter
(wieder hinterm Herd)
Das verstehe ja einerseits wer will; andererseits ich ganz gut, aber Dir diese Frage wahrheitsgemäß zu beantworten, hieße, Dir den Sinn des Lebens erklären zu können!

Sohn
Und das kannst Du nicht?

Mutter
Jenachdem…

Sohn
Aber eigentlich brauchst Du das auch nicht zu können, denn wir hatten das Thema heute in der Schule!

Mutter
Und?

Sohn
(zuckt mit den Achseln)

Mutter
Weißt Du, die meisten Lehrkräfte werden mit der Zeit sonderbar. Das war schon zu meiner Zeit so. Da kann man nichts machen.

Schnitt zum französischen Spezial-Philosophen Jean-Jacques Rousseau, dem – genüßlich im Liegestuhl liegend – ein sabberndes Nilkrokodil die Fußsohlen abschlabbert.

Jean-Jacques Rousseau
Guten Tag, meine sehr verehrten Damen und Herren. Ich heiße Jean-Jacques Rousseau und habe mir zu meinen Lebzeiten ziemlich intensiv den Kopf darüber zerbrochen, ob der Mensch allein, salopp gesagt, durch seine genetische Zusammensetzung; oder dann doch mehr durch seine ihn umgebende Umwelt charakterlich geprägt wird. Es versteht sich beinahe von selbst, daß ich beim Nachdenken ziemlich viel Ruhe benötigte und deshalb dafür Sorge trug, daß meine von mir höchstpersönlich gezeugten 12 unehelichen Kinder – oder waren es 13? Oder gar 14? – sämtlichst im Waisenhaus aufwachsen mußten, denn schließlich bin bzw. war ja auch ich ein Kind&Opfer meiner Zeit und mich zugleich umgebenden Umwelt, und kann deshalb für mein Verhalten nur bedingt, oder, weil ich mir ja schon seit geraumer Zeit die Radieschen von unten betrachte, gar nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden; und sofern ich es mir genau überlege…

Das Nilkrokodil beißt ihm kommentarlos einen Fuß ab.
Schnitt zurück zu:

Mutter
Hast Du Schularbeiten auf?

Sohn
Wie ich bereits kürzlich versuchte, Dir
schonend und möglichst in einem
übergeordneten Zusammenhang
eingefaßt beizubringen, daß ich
derzeit lehrerlos vor mich hin
vagabundierend, jeglicher
Lebensvision beraubt, einem
herrenlos havarierendem Schiff
auf offener See in nichts
nachstehend…

Mutter
Oh Gott, das hat man nun von
seiner Gutmütigkeit…

Sohn
Gott” ist ein ganz interessantes Thema, denn: Wo steckt eigentlich mein Erzeusser zur Zeit?

Mutter (scharf)
…also nicht?

Sohn
Ähm, nein!

Mutter
Siehste, da hastes!

Schnitt zu Goethe, der sterbend die letzten Momente seines irdischen Daseins in seinem Ohrensessel verbringt; seine berühmten letzten Worte „Mehr Licht“ stammelt.

Schnitt zurück zu:

Mutter
Aberhallo!

Sohn
Was macht eigentlich so ein Hühnchen,
wenn es mal keine Eier legen darf?

Mutter
Hühner dürfen immer Eier legen.
Immer! Verstehst Du? Immer!

Sohn
So meine ich das ja auch nicht. Aber angenommen, ein Hühnchen wird von dem erregenden Gedanken beherrscht, mit einem mehrwöchigen Eierlegeverbot belegt zu werden?

Mutter
Ja und?

Sohn
Was passiert dann mit den Eiern?

Mutter
Ach so, die werden dann liebevoll auf Parteitagen an Politiker verteilt, die sich auf besondere Weise um das Allgemeinwohl verdient gemacht haben.

Sohn
Praktisch!

Mutter
Klar!

Sohn
Wie klar?

Mutter
Glasklar!

Schnitt mitten in einen Werbespot für den Glasreiniger GLASLIFT mit Sprühsystemverschluß. Blick durch eine glasklare Scheibe. Man sieht eine riesige Müllkippe, auf der die Szenerie in realiter spielt. Die letzte Wischbewegung einer putzenden Hand ist noch zu vernehmen.

Dazu die Stimme aus dem OFF:
Sehen Sie! Staunen Sie!
Denn nun sehen Sie wieder wie glasklar!
Vorausgesetzt, daß Sie es wirklich wollen!
Der ganze Müll wie frisch geputzt!
Vorausgesetzt, Sie wollen es wirklich!

Die Scheibe geht zu Bruch.

Die Off-Stimme fährt fort:
Für eine sich selbst erklärende Wirklichkeit!
– Glaslift –
Das gepflegte Glaslifting für Ihre Scheiben!

Schnitt zu Zeus: Er trägt ein Stirnband mit der Aufschrift: „Zeus! Eine bekannte Gottheit auf Abruf!“ Er putzt andächtig und ausgiebig seine Brillengläser.

Schnitt zurück in die Küche: Mutter und Sohn sitzen im Schneidersitz bei Räucherfischstäbchen auf dem Küchenfußboden und schnitzen aus dem Käsebraten eine Pyramide. Sie sind ungemein konzentriert bei der Sache.

Sohn
Es gibt so Momente im Leben, da frage ich mich immer, was der ganze Rummel eigentlich soll.

Mutter
Ich dachte, mit dem Thema wären wir durch…

Sohn
Vielleicht, vielleicht aber auch nicht!

Mutter
Das verstehe ich nicht…

Sohn
Da haben wir zur Abwechslung mal beide was gemeinsam…

Schnitt zu Zeus, der eben gerade aus dem Fenster springen will. Die Stimme seiner Frau ist von oben zu hören:

Mutter
Schatz, bringst Du bei der Gelegenheit
den Müll mit runter? Bist Du so lieb?

Schnitt: Zeus springt. Unten angekommen hört man ein dumpfes Geschepper, das auch in der Küche zu vernehmen ist.

Mutter
(zuckt bei dem Geschepper etwas zusammen)
Naja, der kommt schon wieder zurück.
Ich habe da so meine Erfahrungswerte!

Published in:  on at 2:04 pm Comments (1)

Neues Licht für das Wiesbadener Rathaus!

Das Wiesbadener Rathaus (hier deutlich zu sehen) bekommt das, was es schon längst hätte bekommen sollen: ein neues Lichtkleid, sogar ein Lichtmaßkleid, und zwar: Von den besten Lichtkleidmaßschneidern, die wo gibt. “Haute Luminûre“, so lautet das Zauberschlagwort, das nicht nur das kollektive Herz einer jeden zünftigen und zukünftigen Stadtverordnetenversammlung höher schlagen läßt, sondern auch zu erkennen gibt, worum es eigentlich geht: um ein neues Lichtmaßkleid, und zwar: Von den besten Lichtkleidmaßschneidern, die wo gibt. Deutlich zu erkennen, daß selbst die Rücklichter großer Lastkraftwagen ihre Gegenwart bekräftigen, im großen Lichtmaßkleidkonzept eine gewisse Rolle spielen, lichterische (Goethe) Akzente zu setzen sich ins Heft geschrieben haben, oder ihnen dies wurde.

Hier die beiden international renommierten Lichtkleidschneider, Schöpfer der nach ihnen benannten “Haute Luminûre“, die um ihr Lichtkleidmaßkonzept zwar keinen großen Bogen aber immerhin noch ein großes Geheimnis machen, und deshalb in dieser Sache selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Meerschweinchenreport mußte sich zur absoluten Geheimhaltung verpflichten.

Zu absoluter Geheimhaltung? Nicht ganz! Eine klitzekleine, wenngleich auch äußerst schwächliche, Computersimulation war uns dann doch noch erlaubt, aus dem Gedächtnis anzufertigen. So, oder so ähnlich wird dann alles aussehen. Alles? Nun ja, wie man das Leben eben bereit ist, an- und mitzunehmen…

Bis alles so weit ist, lädt Meerschweinchenreport seine Leserinnen und Leser zur sinnlich-bekömmlichen Langzeitbegutachtung der sich auf diesem Bild soeben anbahnenden “Luninale” (vornehme Bezeichnung für “Mondinvasion”) über dem Dernschen Gelände ein. Es soll und muß eben alles seine übergeordnete Ordnung haben!

Um in den vollen Genuß des vorstehend aufgebotenen Bildmaterials zu gelangen, empfehlen wir höflichst, einfach auf die Fotos zu klicken – und abzuwarten, was so alles passiert. Alles? Nun ja, wie man das Leben eben bereit ist, an- und mitzunehmen…

Published in:  on August 23, 2008 at 7:35 pm Leave a Comment

Podcast: Princess Diana

Der Promotiontext für neue Podcast-Ausgabe auf einfallsreich.tv: Hamlet Hamster verbrachte 10 Jahre seines Lebens in London, der wohl aufregensten Metropole der Welt. Das war auch 1997, als Prinzessin Diana ihr Leben in einem Pariser Straßentunnel aushauchte, nicht anders. In seiner neuen Podcast-Episode beschreibt er die Umstände, die aus seiner Sicht letztlich zwingend zur Erstellung des Road-Safety-Spots “Why aren’t you still alive?” führten – und wie schwer es damals war, ihn in offiziellen TV-Werbeböcken zu platzieren…

Hier geht’s zum Podcast.

Published in:  on August 20, 2008 at 4:59 pm Comments (2)

vitra. – Ampelphase 3 – Raumrot

Published in:  on August 19, 2008 at 8:22 pm Comments (2)

Jetzt ein neues Treatment!

Kamera auf der Rückbank eines Wagens, mit ihrem Blick direkt nach vorne, am Fahrer vorbei, durch die Windschutzscheibe gerichtet. Es besteht eine Schwenkvorrichtung. Fahrer ist männlich, bleibt aber weitestgehend anonym. Es spricht ausschließlich die weibliche Stimme seines Navigators, der in direkter Korrespondenz zum aktuellen Verkehrsgeschehen steht.

Der Wagen passiert gerade ein Werbeplakat, das eine neue Bohrmaschine anpreist.

Weibliche NAVIGATORstimme
Jetzt eine neue Bohrmaschine!

Wagen fährt weiter. Plakat für Mineralwasser zieht an der Windschutzscheibe vorbei.

Weibliche NAVIGATORstimme
Jetzt ein neues Mineralwasser!

Wagen fährt weiter. Plakat, auf dem sich eine große Nagelschere im Begriff befindet, einigen rot lackierten Fußnägelchen die Vorzüge unwesentlicher Gekürztheit schonend beizubringen, taucht auf.

Weibliche NAVIGATORstimme
Jetzt ein paar neue Fußnägel!

Wagen samt Fahrer bewegen sich beide weiterhin unbeirrt vorwärts, halten jedoch schön brav und vorschriftsmäßig an einer roten Ampel. Rechts ein Plakat für die Bahn-Card.

Weibliche NAVIGATORstimme
Jetzt eine neue Bahn-Card!

Wagen biegt bei grün links ab, vorbei an einem Sonnenstudio.

Weibliche NAVIGATORstimme
Jetzt ein neues Sonnenstudio!

Wagen fährt weiter, läßt ein Autohaus rechts liegen.

Weibliche NAVIGATORstimme
Jetzt ein neues Auto!

Wagen fährt weiter. Oma überquert mit angeleintem Mops die Straße.

Weibliche NAVIGATORstimme
Jetzt einen neuen Mops!

Wagen fährt Mops platt. Typisches, dumpfes Mopsplattfahrgeräusch zu vernehmen. Weiche Überblendung. Wagen fährt eine Allee entlang.

Weibliche NAVIGATORstimme
Jetzt einen neuen Baumstamm!

Fahrer fährt – immer noch schweigend –rechts ran: er zieht einen westerntypischen Revolver und hält den Lauf direkt vor des Navigators Nase.

Weibliche NAVIGATORstimme
Jetzt eine neue Kugel!

Schwarzblende. Geräusch des betätigten Abzughahns zu hören.

Weibliche NAVIGATORstimme
Hey! Verstehen Sie keinen Spaß? Ich bin auch nur ein Mensch. Auch ich brauche hinundwieder etwas Abwechs…

SCHUß! Zu hören!!!

Musik erklingt: „Ain’t no sunshine when she’s gone….“

Dazu eingeblendete Texttafel:
Machen Sie sich frei!

Weitere Schrifttafel wird eingeblendet:
Ihr freundlich-kompetentes Fachärzteteam von um die Ecke.

**********

Alternatives Ende
Die T-Shirt-Lösung

SCHUß! Zu hören!!!

Musik erklingt: „Ain’t no sunshine when she’s gone….“

Dazu eingeblendete Texttafel:
Befreie Dich!

Weitere Schrifttafel wird eingeblendet:
Von grausam-konventioneller Oberbekleidung!

Eine weitere Schrifttafel wird eingeblendet:
Trage Dich hier mit Deinem individuellen Lösungsvorschlag ein!

**********

Noch ein alternatives Ende
Der konservative Lösungsweg

SCHUß! Zu hören!!!

Musik erklingt: „Ain’t no sunshine when she’s gone….“

Dazu eingeblendete Texttafel:
Nicht alles, was neu ist, läßt Sie alt ausehen. Manches davon aber schon!

Schnitt. Eine ca. 90jährige Dame humpelt krückenbewaffnet durch ihr Antiquitätengeschäft.

90jährige Dame in Krücken
Ja, das stimmt. Nicht alles was neu ist, läßt Sie alt aussehen. ABER: Alles, was alt ist, läßt Sie im Vergleich dazu wie neu erscheinen. Ein unbedingter Wettbewerbsvorteil, den Sie unbedingt für sich in Anspruch nehmen sollten. Das glauben Sie nicht? Machen wir doch einfach mal den Praxistest:

Sie tätschelt mit der Hand liebevoll auf eine neben ihr stehende alte Kommode.

90jährige Dame in Krücken
Na, sehe ich im Vergleich zu dieser alten Kommode etwa nicht wie 20 aus? Eben! Besuchen Sie deshalb in Ihrem eigenen Interesse mein Fachgeschäft im Internet:
www.antiquitaeten-kuebelheinrich.de

DAS Antiquitätengeschäft mit dem gewissen Extra! Na ja, Sie wissen schon…
www.antiquitaeten-kuebelheinrich.de

Beschaffenheit der Website:
Fotos von alten, funktionsuntüchtigen Waschmaschinen, Geschirrspülern, etc. pp. stehen jeweils in bestem Studiolicht auf Samtpodest – (wobei die abgewrackten Gerätschaften gar nicht abgewrackt genug aussehen können). Dazu feinstes Produktgetexte unter Angabe vollkommen überzogener Preisvorstellungen)

Published in:  on August 17, 2008 at 3:22 pm Leave a Comment

Gordon Greckos „Komplexe Sprachtafeln“

Hey, Gordon! Wie würdest Du das Cover für einen Relaunch des längst in Vergessenheit geratenen FAZ-Magazins gestalten?“ Das war so eine unserer Fragen an ihn. Obenstehend eine seiner Antworten an uns. Deutlich zu sehen, hier nur in grauer Outline-Andeutung, eines der Lieblingsmotive Greckos: das Fabergé-Ei.

Der deutschsprachige Ausnahmeaustralier ließ es sich nicht nehmen, exklusiv für Hamlet Hamster’s Screenshots Magazine featuring Meerschweinchenreport bzw. umgekehrt sein Œvre um den Zylinderzyklus „Komplexe Sprachtafeln“ zu erweitern. Gordon Grecko lebt seit Jahren von der Außenwelt zurückgezogen in den Rocky Mountains. Im Sommer hackt er Holz, um es im Winter zu verfeuern. Diese Konsequenz wird von Besonnenheit regiert, eine Besonnenheit, die dank ihrer höheren Schulbildung ganz genau weiß, daß so ein Bandscheibenvorfall eine ziemlich unangenehme Angelegenheit ist, und so nimmt es nicht weiter wunder, daß ER es immer wieder schafft, den meinungsbildenden Teil der Öffentlichkeit mit seinen benutzerfreundlichen Designprodukten zu erfreuen. So fanden dank Greckos innovativer Farbwege während der Olympischen Spiele 1996 in Atlanta mehr Sportler den Weg zu den ihnen zugedachten Imbißbuden, als auf sämtlichen vorangegangenen Spielen zusammen.

Gordon Grecko ist kein Streetfighter im klassischen Sinne, er tut nur so. Es ist seine Attitüde, so wie sich andere Menschen beispielsweise die Zähne putzen (ohne es wirklich zu tun), sich die Haare schneiden lassen (ohne auch nur den geringsten Gedanken an einen tatsächlichen Friseurbesuch zu verschwenden) – und kommt dabei irgendwie automatisch zu interessanten Ergebnissen, weil er sich dadurch konsequent der gesellschaftlichen Normalität verweigert. Irgendwie automatisch? Naja, wie man’s nimmt. Und ER nimmt es, wie es kommt. Es gibt Menschen, die eingeschlossen in einem Fahrstuhlschacht entweder in einem Film mitspielen, oder in pure Panik ausbrechen – oder gar beides gleichzeitig tun.

Es gibt aber auch Menschen, die damit nichts am Hut haben wollen; und besonnen nach einem Lösungsweg suchen. Gordon Grecko fühlt sich keiner der beiden soeben grob skizzierten Menschengruppen zugehörig; und das ist gut so, macht die Sache so ungemein spannend, denn seine Spontaneität fußt auf sorgfältiger Überzeugungsarbeit, deren semantischer Grundapproach ihm einst von einer hälftiglebensmilchbejahenden Literaturstudentin in L.A. zwischen Tür und Fußangel vermittelt wurde. Gordon Grecko hat mit seinen Firmen ein wahres Internetimperium errichtet, läßt sich von dressierten Marschflugmilben das Müsli immer frisch und kerngesund ans Bett bringen; jedoch gibt es keine einzige Site, keine einzige Datenbank, die ihn explizit als kreativen Kopf ausweist, denn für ihn steht traditionelle Handarbeit nach wie vor im Rampenlicht emotionaler Existenzialität. Hier meidet er die Öffentlichkeit wie der Teufel das viel zitierte Weihwasser.

Wie wir es geschafft haben, ihn zu diesem Beitrag zu überreden? Ganz einfach: Monatelanges Holzhacken in den Rocky Mountains und Seelenmassage mit diplomatischen Eselszungen, die wir mit viel Fingerspitzengefühl exakt und extra megaexklusiv für Sie, liebe Meerschweinchenreportleserinnen und Meerschweinchenreportleser, in heiße Watte und Aspik eingelegt haben; heraus kam dabei nichts anderes als eine „Komplexe Sprachtafel“ nach der anderen; selbstverständlich auch oder gerade  zum Essen. Eben ganz wie Sie wünschen…

Gordon Greckos große These im Hinblick auf übergeordnete Kommunikationserfolge in der Zukunft liegt ganz klar im Segment der non-verbalen Kommunikation beheimatet. Denn, so Grecko, je weniger sich ein Vorstandschef zu  unbefriedigenden Quartalszahlen äußert, desto geringer ist seine Chance, an Ort und Stelle gefeuert zu werden. Und: Was für die Firma gilt, das gilt auch für den privaten Bereich innerhalb der eigenen vier Wände – wie uns das dieser Bildunterschrift überstehende Schlußwerk Greckos eindeutig belegt, beweist – oder wie auch immer. Hauptsache Farbe, Hauptsache vorzüglicher Geschmack.

Die Meerschweinchenreportredaktion wünscht seinen Leserinnen und Lesern einen segensreichen und überaus guten Appetit!

Published in:  on June 30, 2008 at 8:09 pm Comments (1)